Emha

Veröffentlicht am 19. Oktober 2011 | by Emha

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Brunnenbau gegen Dürre, Durst und Not seit über 10 Jahren

Wasser vom 100. Brunnen

Assalamu aleikum, am 18.11.2011 erreichte uns die Bestätigung, dass der 100. Brunnen von muslimehelfen gebaut werden kann. Das ist die Gelegenheit meinen Chef – Ercihan Gümüsel – zur Geschichte des Brunnenbaus und über seine ganz besondere Einstellung zu Wasser zu befragen:

Emha: “Assalamu aleikum Ercihan. Der 100. Brunnen wurde im Namen der Spender von muslimehelfen gebaut. Weißt Du noch, wann der 1. Brunnen gebaut wurde?”

E. Gümüsel: “wa aleikum salam Emha… da muss ich überlegen. Wir hatten schon vorher vereinzelt Brunnen gebaut, aber so richtig ins Rollen kam das Konzept des Brunnenbaus 2002.

Emha: “Was war eigentlich der Auslöser dafür mit dem Brunnenbau anzufangen. Wie seid Ihr damals darauf gekommen?”

E. Gümüsel: “Ich war schon immer begeistert von den Brunnen, die man unterwegs in der Türkei an Rastplätzen und Parkbuchten findet. Es sind diese in Marmor gefassten Wasserstellen – erinnern irgendwie an Grabsteine (grinst) – mit angeketteten Trinkgefäßen und geschmückt mit Kalligrafien. Oft findet sich darauf ein Vermerk mit dem Namen des Stifters des Brunnens, z.B. für meine Mutter, und der Bitte für denjenigen eine Sure zu lesen oder ein Dua zu sprechen. Das hat mich schon immer fasziniert, das jemand Wasser stiftet. Und so haben wir uns mit dem Thema Wasserversorgung, Trinkwasser und Brunnenbau näher beschäftigt, bis es zu unserem ersten richtigen Brunnenbau kam. Übrigens in Kenia – genau in der Region, in der jetzt die Flüchtlinge aus Somalia betreut werden. Wenn man sich die Gegend dort unten anschaut, ist es mir sowieso ein Rätsel, wie Menschen dort leben können. Es ist wie ein Kuchen, der zu lange im Backofen war.

So kam es zum ersten Brunnen, mit dem Konzept daraus eine Stiftung für die Allgemeinheit zu machen – zu einer Sadaqa Dscharija – mit einem Schild, der den Namen des Spenders aufführt. Geplant waren anfangs 40 Brunnen, aber die Idee gefiel so vielen Spendern, dass wir mittlerweile gut 300 hätten bauen können.

Emha: “Und warum dann “nur” 100?”

E. Gümüsel: “Einen Brunnen in Afrika baut man nicht einfach mal so. Das ist nicht wie in München an der Isar, 2m in die Tiefe, und fertig. Eine Handpumpe für 60 EUR aus dem Baumarkt reicht da nicht aus. Jeder Brunnenbau wird von uns speziell betreut: geologische Gutachten, Tiefbohrungen, spezielles technisches Gerät und eine professionelle Wasserpumpe mit hohem Leistungsvermögen und das alles im afrikanischen Hinterland, in dem 5km Entfernung schon mal 2 Tage Fahrt dauern können. Die Brunnen müssen außerdem extrem robust sein, denn sie sind zusätzlich zu ihrem Arbeitseinsatz auch extremen Wettereinflüssen ausgesetzt. Hitze und der sandige Wind…. kleines Beispiel: die ersten Schilder waren aus bedrucktem Kunststoff. Nach nur einem Jahr waren sie blank poliert. Um die nötige Qualität sichern zu können, damit die Brunnen über Jahrzehnte einwandfrei arbeiten und Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen können, haben wir eine Schwester, die sich nur um Brunnen kümmert: Von der Spenderbetreuung bis zum Bau behält sie jeden Brunnen im Blick und sorgt dafür, dass einer nach dem anderen gebaut wird und die Qualität jedes Brunnens gesichert ist. Deshalb bauen wir keine 300 schnellen Brunnen sondern 100 gute Brunnen.

Emha: “Man merkt, wie wichtig dir das Thema ist. Was bedeutet Wasser für Dich?”

E. Gümüsel: “Wasser ist Leben! Jeder der nach einem langen Fastentag den Wasserhahn aufdreht und trinkt, hat eine kleine Ahnung davon, was Durst bedeutet. Aber schlimmer ist, wenn Du trinken willst, und nicht trinken kannst! Wenn Du Deine Kinder verdursten siehst und die Qual dir die Kehle zudrückt. Um Wasser werden in Zukunft Kriege entbrennen.

Emha: “Und was ist Deiner Meinung nach die Lösung?”

E. Gümüsel: “Unser Prophet (s) ist wie in allen Dingen ein Vorbild. Er sagte: „Verschwendet kein Wasser, sogar wenn ihr Wudu am Ufer eines großen, schnellfließenden Flusses macht.“ Die Einstellung ist der Schlüssel…..die muss sich ändern. Wenn man sich die Statistiken zum Wasserverbrauch eines Mitteleuropäers und eines Bewohners von Mali anschaut, dann sieht man den Unterschied. Aber der größte Wasserverbraucher ist noch immer die Industrie. Auch sie müsste eine neue Einstellung zum Thema Wasser und Umwelt entwickeln. Der Unterschied ist die Frage, ob wir nach dem Grundsatz handeln “Mach dir die Welt Untertan” oder nach dem Grundsatz “die Welt ist ein dir anvertrautes Gut”. Solange sich das nicht ändert, müssen wir mit den Brunnenprojektenhelfen.

Emha: “Ein schöner Schlusssatz zu Ehren des 100. Brunnens von muslimehelfen. Danke und wa salam”

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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