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Veröffentlicht am 15. September 2015 | by Soufian

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Vegetarisches Opferfest


Eines vorweg: ich selbst bin kein Vegetarier und habe auch nicht vor in der nächsten Zeit einer zu werden. Wohlgemerkt ist es nach den meisten islamischen Gelehrten zulässig, sich vegetarisch zu ernähren, wenn dies einem zusagt. Es ist sozusagen Geschmackssache. Man darf dabei nur nicht denken, dass der Verzehr von Fleisch haram wäre, denn dieser ist zweifelsohne erlaubt. In unserem Team haben wir sogar mehrere Vegetarier und ich finde es sehr gut, wenn jemand von diesem Verzicht überzeugt ist, denn seien wir doch mal ehrlich:

Wir essen alle viel zu viel Fleisch!

Der Fleischkonsum ist etwas worüber wir bei jedem Einkauf und bei jeder Mahlzeit nachdenken sollten und sicherlich auch für die Meisten von uns problemlos reduzierbar ist, bis hin zu dem Punkt an dem Fleisch nicht mehr die Regel, sondern die feierliche Ausnahme ist.

Etwas Besonderes. Etwas Wertvolles. Etwas Festliches.

So in etwa wie es das auch für diejenigen ist, an die wir das Kurbanfleisch verteilen.

Das sind Menschen, die in der Regel kein Fleisch, sondern ganz einfache Mahlzeiten zu sich nehmen. Nicht weil sie es sich so ausgesucht haben, sondern weil es das ist was sie haben. Sie sind dennoch zufrieden mit dem bescheidenem Essen, sprechen alhamdulillah und freuen sich umso mehr über diese besondere Gelegenheit am höchsten islamischen Feiertag mit ihren Familien in festlicher Atmosphäre feiern zu können und die Gaben zu genießen! Auch hat unser Prophet Muhammad (ﷺ) nicht oft Fleisch gegessen. Damals haben ohnehin nur wohlhabende Menschen etwa einmal in der Woche Fleisch zu sich genommen. Die Ärmeren fast ausschließlich zu den islamischen Feiertagen. Übrigens: selbst nach christlichen Quellen war Jesus (Frieden sei auf ihm) auch kein Vegetarier.

Was mich jetzt nervt sind die Leute, die diesen Feiertag zum Anlass nehmen um auf dem Rücken der Bedürftigen über Fleischkonsum und Tierschutz zu streiten und dies mit latentem Islam-Bashing garnieren. Ja, das sind wichtige Themen, aber man muss sie auch im richtigen Kontext diskutieren! Wo waren diese Leute zum Beispiel davor? Wo sind sie danach? Ist Tierschutz etwa nur erwähnenswert, wenn Muslime Fleisch essen? Wie sieht es bei anderen Religionsgemeinschaften aus? Auch stellt sich mir die Frage, wie ich eine solche Kritik von jemandem ernst nehmen soll, der in der Mittagspause vorher noch ein Schnitzel oder einen Burger gegessen hat?

Scheinbar ist es in Ordnung zu Weihnachten eine Gans, zu Ostern ein Lamm und zu Thanksgiving einen Truthahn und zum Oktoberfest eine Schweinshaxe zu essen, aber wehe Muslime feiern mit der gleichen Selbstverständlichkeit und opfern ein Schaf, dass man sogar mit Bedürftigen teilen soll. Das ist für den vorurteilsbehafteten Beobachter ein Unding. Diese zweierlei Maßstäbe überraschen uns jedoch nicht. Dabei sind doch gerade die Feiertage und Traditionen eine Gelegenheit um Respekt oder zumindest Toleranz zu beweisen. Soll doch jeder einfach machen, was er für richtig hält.

Lakum deenukum waliya deen. (109:6)

Ihr habt eure Religion, und ich habe meine Religion. – لَكُمْ دِينُكُمْ وَلِىَ دِينِ 

thanksgiving_kurban

Unabhängig von der Religion müssen wir nicht erst zu Feiertagen, sondern grundsätzlich über Fleisch diskutieren. Wir müssen über industrielle Massentierhaltung, über hormonelle Behandlung und über die Verabreichung von Antibiotika sprechen. Von mir aus auch über die Art und Weise der Tötung. Aber bitte auf sachlicher Ebene und nicht auf Basis von Vorurteilen. Wer sein Fleisch ohne darüber nachzudenken sonst in Plastik abgepackt in einer Styroporschale oder in Bärchenform kauft, der hat sich ohnehin für diese Debatte disqualifiziert.

baerchen

Um noch etwas über unsere Kurbanprojekte zu erzählen, sei gesagt, dass die Tiere frühzeitig direkt von Bauern aus der Region gekauft werden. Sie bekommen natürliches Futter und werden gepflegt. Auf ihre Gesundheit wird geachtet, sprich diese Tiere werden gut behandelt, denn bereits die Haltung der Tiere und nicht erst die Art der Schlachtung müssen halal sein. Bei der Schlachtung selbst werden ebenfalls die islamischen Vorschriften eingehalten. Danach wird das Fleisch zerteilt und an Bedürftige verteilt. Ich bitte um Verständnis, dass wir keine Videos oder ähnliches von der eigentlichen Schächtung posten. In den sozialen Netzwerken würde sowas ohnehin entfernt werden. Auch sind solche Bilder ungeeignet für Kinder.

Wer sich aber dafür interessiert, dem kann ich dieses Video empfehlen, in dem die Vorgehensweise eindrucksvoll demonstriert und erläutert wird ohne das dabei tatsächlich ein Tier getötet wird.

Problematisch bei einer Diskussion über das Schächten ist nämlich, dass viele Kritik ausüben ohne je bei einer fachgerechten Schächtung dabei gewesen zu sein und ohne zu wissen, wie auf einem nicht-muslimischen Schlachthof mit Tieren umgegangen wird. Diese Leute sind fern von jeder Realität und verdrängen wohl, dass für jedes Stück Fleisch auch ein Lebewesen getötet wurde und die Lebenswirklichkeit in anderen Ländern und die gesamte Menschheitsgeschichte.

Mein persönlicher Tipp ist es, sofern man selbst keine Möglichkeit zum Schächten hat, Kurban zu spenden und etwas Fleisch für die Feiertage für sich selbst und die Familie zu kaufen. Aber nur so viel, wie auch tatsächlich gegessen wird. Ausserhalb der Feiertage ist eine überwiegend vegetarische Ernährung empfehlenswert. Sozusagen ein semi-vegetarischer Lebensstil. Wie siehst Du das? Hinterlass einen Kommentar!

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Über den Autor/en

Soufian

86er Baujahr, Social Media Fuchs mit juristischem Background, marokkanischen Wurzeln und einer starken Bindung zur Moschee. Im Community Management von muslimehelfen tätig und bietet zwischen Fans und Followern Einblicke in die Gedankenwelt eines Admins.



Ein Kommentar zu Vegetarisches Opferfest

  1. Ann-Kathrin

    Super dass ihr das Thema aufgreift. Stimme dem zu.

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