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Veröffentlicht am 20. Juli 2012 | by mh-Redaktion

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Das Tarawih-Gebet


Das Tarawih-Gebet ist ein Sunna-Gebet, welches im Ramadan nach dem ’Ischa-Gebet verrichtet wird.

Das Wort Tarawih (تراويح) ist der Plural von Tarwih (ترويح), welches Erquickung und Erholung bedeutet. Das Tarawih-Gebet ist sowohl für Männer als auch für Frauen eine Sunna. Es wird gewöhnlich in Abschnitten zu je zwei oder vier Rak’at (Gebetseinheiten) gebetet, zwischen denen eine Ruhepause eingelegt wird. Daher kommt auch die Bezeichnung Tarawih. In der Ruhepause können die Muslime beispielsweise Allahs Gedenken (Dhikr), Bittgebete (Dua’) sprechen, Ahadith lesen oder sich einfach nur ausruhen.

Bezüglich des Tarawih-Gebets wird folgendes überliefert:

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Gesandte Allahs, Friede sei auf ihm, folgendes über den Monat Ramadan sagte: „Wer immer – aus dem Glauben heraus und aus der Hoffnung auf den Lohn Allahs – diesen (Monat) im Beten verbringt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.“ (Buchari, Muslim)

Im arabischen Wortlaut des Hadithes, heißt es „man qama Ramadan“, welches mit „den Ramadan mit Beten verbringen“ übersetzt wurde. Die Hadith-Gelehrten sind sich darüber einig, dass hiermit das Tarawih-Gebet gemeint ist. Neben dem Tarawih-Gebet kann der Muslim im Monat Ramadan so viele freiwillige Gebete (Nafl) verrichten wie er möchte.

Das Tarawih-Gebet kann alleine oder in der Gemeinschaft verrichtet werden. Das Gebet in der Gemeinschaft sollte aber, wenn möglich, vorgezogen werden, da für das Gemeinschaftsgebet der Lohn bei Allah größer ist, als für das Einzelgebet. Der Prophet Muhammad, Friede sei auf ihm, hat selber das Tarawih-Gebet im Ramadan zweimal geleitet.

Über die genaue Anzahl der Rak’at dieses Gebetes gibt es keine Aussage vom Propheten. Nach der hanefitischen, schafitischen und hanbalitischen Rechtsschule ist die Anzahl der Rak’at des Tarawih-Gebetes 20, nach der malikitischen Rechtsschule sind es 36[1]. Unabhängig hiervon gibt es auch die Meinung, dass der Prophet selber nur acht Rak’at gebetet hat und somit das Tarawih-Gebet aus acht Rak’at besteht. Diese Diskrepanz basiert auf den unterschiedlichen Interpretationen hinsichtlich der Überliefungen zum Tarawih-Gebet.

Von Aischa, der Ehefrau des Propheten, Allah möge mit ihr zufrieden sein (r.a.), wird überliefert, dass der Prophet, Friede sei auf ihm, im Ramadan das Tarawih-Gebet in der Moschee betete. Einige Gefährten haben sich ihm dann angeschlossen und verrichteten das Gebet gemeinsam hinter ihm. In der darauffolgenden Nacht betete er, und die Leute hinter ihm wurden mehr. In der dritten und vierten Nacht versammelten sich die Leute, aber der Gesandte Allahs, Friede sei auf ihm, ging nicht zu ihnen heraus. Am nächsten Morgen sagte er sinngemäß: „Ich sah, was ihr (gestern) gemacht habt. Was mich aber daran gehindert hat, zu euch hinauszugehen, ist, dass ich fürchtete, dass das Tarawih-Gebet euch zur Pflicht gemacht werden würde.“

In einer weiteren Überlieferung von Aischa (r.a.) heißt es, dass der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihm) weder im Ramadan noch zu einer anderen Zeit, mehr als elf Rak’at auf einmal verrichtete.

Aus dieser Überlieferung haben einige Gelehrten geschlossen, dass der Prophet (s) selber im Tarawih nur acht Rak’at gebetet hat. Dieser Bericht wird allerdings in den Hadithsammlungen sowohl in den Kapiteln zum Nachtgebet (Tahaddschud) und als auch zum Tarawih-Gebet überliefert, so dass hier nicht klar hervorgeht, ob in diesem Bericht das Tarawih-Gebet gemeint ist oder nicht.

Weiterhin wird überliefert, dass, während des Kalifates von Umar Ibn al-Chattab, die Muslime das Tarawih-Gebet alleine in der Moschee verrichten. Als Umar dies sah, versammelte er die Muslime und wies Ubay Ibn Ka’b an, das Tarawih-Gebet zu leiten. In der Überlieferung heißt es, dass Ubay 20 Rak’at Tarawih und 3 Rak’at Witr gebetet hat.

Das Tarawih-Gebet wurde anschließend auch während der Kalifate von Uthman und Ali, Allah möge mit ihnen zufrieden sein, in der Gemeinschaft mit 20 Rak’at gebetet.

Aus diesen und weiteren Überlieferungen sind manche Gelehrte zur Meinung gelangt, dass die Gefährten mit dem Propheten gemeinsam acht Rak’at und anschließend zu Hause weitere 12 Rak’at gebetet haben. Als der Kalif Umar (r.a.), Ubay Ibn Ka’b anwies, das Gebet zu leiten, waren unter anderem die Gefährten Uthman Ibn Affan, Ali Ibn Abi Talib, Ibn Mas’ud, Ibn Abbas, Talha, Zubair und Mu’adh anwesend. Es gibt keine Überlieferung, in der über einen etwaigen Einwand ihrerseits gegen die Aufforderung des Kalifen Umar berichtet wird, weder bezüglich der Anzahl der Rak’at noch bezüglich des Versammelns der Muslime zum Tarawih-Gebet.

Wa-llahu a’lam, wa bi-llahi t-Taufiq.
Und Allah weiß es am besten, und mit Allah ist der Erfolg.

[1] 20 rak’at tarawih und 16 rak’at Nafl-Gebet. Nach jeder Ruhepause werden 4 weitere rak’at Nafl gebetet.

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