Emha

Veröffentlicht am 13. Juni 2012 | by Emha

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Syriens Kinder – wenn die Masken fallen

Assalamu aleikum, ich frage mich manchmal, wer das schlimmste Raubtier auf dieser Welt ist. Es ist weder der Weiße Hai noch der Löwe, weder das Krokodil noch T-Rex. Sie alle sind Teil der Schöpfung und folgen ihrem Weg, immer nach den Geboten Allahs. Nur der Mensch hat den freien Willen, sich zu entscheiden und das macht ihn, wenn er sich falsch entscheidet, zum König der Raubtiere.

Wir Menschen rühmen uns ja, das Stadium der Barbarei hinter uns gelassen zu haben und nun Verfechter und glorreiche Beispiele der Zivilisation zu sein. Wir pochen auf Menschenrechte und zivilisatorische Errungenschaften und blicken mitleidig auf jene, die dahingehend zurückgeblieben scheinen. Aber es ist alles nur Schall und Rauch und Teil des Theaterstücks “Frieden”. Wir lieben diese Kulissen und prahlen damit im Rampenlicht, spielen unsere Rollen perfekt und lassen uns im Moment der Vorführung von der Idee bezaubern, es sei alles wahr. Dann fällt der Vorhang und das Narrenstück wird offensichtlich, die Kulisse ist nur mehr eine Pappscheibe hinter die man blicken kann und am Ende fallen wir in jene dunklen Zeiten zurück, die wir glaubten verlassen zu haben. Gestern wurde die Maske der Menschlichkeit mal wieder vom Gesicht gerissen und zum Vorschein kam die Fratze des Tiers.

Bin ich heute ein wenig “schwarzseherisch”? Wo ist die Emha, die manches mit einer humorvollen Wendung hinterfragt? Sie hat gestern einen Schlag in den Magen bekommen, als die Nachrichten die Bilder der Kinder aus Syrien brachten. Kinder, die mit Schlägen und Elektroschocks gefoltert werden, um ihre Eltern damit unter Druck zu setzen. Kinder, die als Schutzschilde missbraucht werden, damit Busse voller Soldaten nicht angegriffen werden. Kinder, die alleine schon durch den Krieg, die Gewalt, das Blut um sich herum, ihr Leben lang traumatisiert sein werden. Kinder, die ihre Eltern sterben sehen und zu Waisen werden.

Wenn der Mensch den Blutrausch schmeckt, dann wird er zum schlimmsten Ungeheuer, das die Welt je gesehen hat. Jeder Krieg erzählt ähnliche Schicksale. Ob Konzentrationslager oder Massenmorde, ob Kindersoldaten oder systematische Vergewaltigungen. Kein Land, und mag es noch so sehr den Saubermann nach außen kehren, kann von sich behaupten, eine reine Weste zu haben. Kein Land hat es jemals geschafft, diesem Ruf nach unsinniger Gewalt, bestalischem Quälen und berauschender Erniedrigung nicht gefolgt zu sein.

Dass es sich im Falle von Syrien auch noch um ein muslimisches Land handelt, macht mein Herz nur umso schwerer. Sie sollten es doch besser wissen!

Haben sie denn ganz vergessen: ” Wer sich anderer nicht erbarmt, dem erbarmt sich Allah nicht.”

Sowohl die Schergen des Regimes als auch jene, deren Stern im Kampf um Freiheit bisher unbefleckt zu glänzen schien, haben die Barmherzigkeit auf dem Altar der Gewalt geopfert. Ich fürchte um sie am Jüngsten Tag und fürchte JETZT um jene, die hinter den Kulissen, wenn die Masken fallen, dem Blutrausch ihrer Geschwister schutzlos ausgeliefert sind. Denn es ist die traurige Wahrheit, dass es dann wieder einmal die Schwächsten, die Unschuldigsten und die reinsten Wesen trifft – die Kinder!

wa salam

Eure Emha

 

 

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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