Wissen&Tun

Veröffentlicht am 4. Februar 2011 | by mh-Redaktion

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Moschee, Spende, Islam, Gemeinschaft, Barmherzigkeit, Familie, Hilfe

“Dann sind die Stromkosten kein Problem”

Da die „türkische“ Moschee in der Nähe unseres Büros liegt, bete ich das Freitagsgebet dort. Die meisten, die dort beten, sind selbst Türken. Die Predigt des Imam ist auf Türkisch, die Ansprache auf der Kanzel meist nur Arabisch.
Nun rief der Imam dieser Moschee am letzten Freitag zu Spenden für die Moschee auf –so wie es viele tun. Er erklärte auf Türkisch, dass die Nebenkosten wie Strom, Wasser und die Miete bezahlt werden müssten und auch kleinere Beträge der Unterstützung helfen würden. Jemand vom Vorstand bat ihn diesen Aufruf auch auf Deutsch zu machen. Und der Imam erläuterte in einwandfreiem, akzentfreiem Deutsch die Wichtigkeit der Unterstützung und sprach die Kosten von Strom, Wasser, Miete usw. an. Da meldete sich ein etwa 50jähriger Bruder (wahrscheinlich aus dem Balkan) aus der ersten Reihe zu Wort und meinte: „Bruder, ich komme seit mehr als 15 Jahren zum Freitagsgebet in diese Moschee. Wenn es um die Stromrechnung geht, dann könnt ihr auf einmal Deutsch sprechen. Über den Islam habe ich in den Jahren nichts auf Deutsch in dieser Moschee gehört. Warum könnt ihr wenigstens nicht mal 10 Minuten auf Deutsch etwas erzählen, damit wir und unsere Kinder das verstehen? Wenn ihr das tut, dann sind die Stromkosten kein Problem. Das kriegen wir gemeinsam hin.“ Dem Imam war die Situation sichtlich peinlich und er meinte: „Du hast recht Bruder, wir werden dies in den nächsten Wochen ändern inschallah.“
Ein wichtiger Grund, warum der Islam und die Muslime in Deutschland seit fast einem halben Jahrhundert immer noch als fremd wahrgenommen werden, ist der, dass Muslime dieses Bild des „Fremdseins“ zum großen Teil selbst nähren. Und ein wichtige Hürde, warum es kaum Fortschritt in der Einheit der Muslime hierzulande gibt, ist, dass die Sprache in den Gemeinden nicht Deutsch ist. Es scheint, dass noch (zu) viele, immer noch nicht in Deutschland, somit nicht in der Realität, angekommen sind.
Die Realität der jeweiligen Situationen der Gesellschaft findet sich selbstverständlich auch in der letzten Offenbarung Allahs wider: „Und Wir haben keinen Gesandten gesandt, außer in der Sprache seines Volkes, damit er ihnen (die Botschaft) klar macht….“ (Koran 14:4)

Rüştü Aslandur, muslimehelfen

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