Emha

Veröffentlicht am 31. Januar 2013 | by Emha

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Die soziale Kraft, die in uns ruht

Was ist der Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält? Hast Du Dich das noch nie gefragt? Der Zyniker wird sich grinsend auf die Brust klopfen und dabei das Portemonnaie in seiner Innentasche tätscheln. Der Moralist wird belehrend den Zeigefinger heben und dabei den Blick zum Himmel wenden und der Realist wird den Zerfall der Gesellschaft prophezeien.  Es sind große Worte, die geschwungen werden – außer von jenen, die  nicht viel reden, sondern tun.

Es ist die unscheinbare Dame von nebenan, die täglich die Altenheime aufsucht, um jene zu besuchen, die keiner besucht. Oder der Familienvater, der an den Wochenenden die Bambinis des FC Hinterhofen trainiert und sie bei jedem missglückten Torversuch trotzdem bis zur Heiserkeit anfeuert. Es sind die fleißigen Helfer, die backen, putzen, aufbauen und E-Mail-Verteiler füttern, um aus einem geplanten Fest eine bleibende Erinnerung zu machen. Jeder von uns kennt sie: jene, die aus einem Wohnblock Nachbarschaft machen, aus leeren Bühnen rauschende Feste zaubern und aus Außenseitern Hoffnungsträger.

Sie sind die stillen Helden, die wir im Kopf haben, wenn wir von sozialem Engagement reden und die unsere Gesellschaft vom Kern und bis an die äußersten Enden zusammenhalten. Sie springen dort  ein, wo jeder Investor dankend abwinkt: Im Blumengießen und Kinderturnen hat noch niemand eine Million gemacht. Aber wir halten trotzdem daran fest, wie zäher Kleber, der immer weiter gezogen wird, um auseinanderklaffende Enden doch noch vor dem endgültigen Riss zu bewahren.
Was ist ihre Triebkraft? Was ist der Stoff, aus dem der Kleber gemacht ist?

Der Prophet (s) sagte: „Dschibril hat mir so lange den Nachbarn ans Herz gelegt, bis ich meinte, er würde ihn zum Erben einsetzen.“ (Aischa, Buchari)

Blicken wir auf die kleinste gesellschaftliche Einheit: die Familie. Sie ist der Ursprung jeder größeren Gemeinschaft und auch Quelle jeden sozialen Engagements. Die Mutter, die bis zur Selbstaufgabe ihrer eigenen Gesundheit, ihr Kind unter dem Herzen trägt, zur Welt bringt, monatelang stillt und darüber wacht – sie ist der Archetypus eines sozial engagierten Menschen. Sie erhält dafür weder Geld noch Urkunde, leistet  sowohl körperlich als auch psychisch Höchstleistungen und das über einen  jahrelangen Zeitraum. Kein soziales Engagement kann sich damit messen.

Ihr Beispiel lässt auf die Triebfeder dieses Handelns auf die Natur des Klebers schließen, der unsere Gesellschaft zusammen hält: Es ist tief im Wesen des Lebens verankert. Der Biologe nennt es Veranlagung, der Computertechniker nennt es Bios und wir Muslime – wir nennen es fitra. Es ist unser Innerstes, eine der ursprünglichen Eigenschaften, die dafür sorgt, dass Gemeinschaft funktioniert. Allah (ta) hat uns in diesem Sinne erschaffen:  unsere Kinder zu lieben und jenen zu helfen, die Schutz und Hilfe brauchen. Fragt man die alte Dame, die die Alten und Kranken besucht, dann wird sie antworten: „weil sie mir am Herzen liegen“. Und fragt man den Familienvater, warum er sich für die kleinen Fußballhelden engagiert, so werden seine Augen leuchten und sein Herz schneller schlagen.

Kein Gefühl berührt uns tiefer und mächtiger, als das Gefühl, anderen zu helfen. Diesem Wunsch nicht zu entsprechen, bereitet fast körperliche Schmerzen. Gibt man sich dem Streben vollkommen hin, wartet man nicht, sondern handelt aus tiefstem Herzen, wie eine Mutter bei ihrem Kind, so liegt das Paradies zu Füßen.
Schwester Emha

erschienen als Nasiha auf Cube-mag.de im Rahmen der Action “Call4Paper – Soziales Engagement”

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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