Emha

Veröffentlicht am 9. Februar 2010 | by Emha

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Muslime, emha, Medikamente, Notfall, Winter, Hidjaab, Fleisch, Familie, Hilfsprojekt, Hilfsorganisation

Sind Muslime Schnäppchenjäger?

Asssalamu aleikum,

Vor ein paar Tagen musste ich abends in die Notfallapotheke, um ein Medikament abzuholen. Ich beeilte mich und traf unterwegs auf ein paar Jugendliche. Sie riefen mir hinterher: „Schnell, schnell zum Winterschlussverkauf geht’s da lang.“ Ich ignorierte den Kommentar, denn zu dem Zeitpunkt hatte ich ganz andere Sorgen.

Doch später – in einer ruhigen Stunde, ging mir dieser Satz nicht mehr aus dem Kopf. Der Zuruf bezog sich nicht nur auf meinen gehetzten Lauf quer über die Straße…

Mein Hidjaab signalisierte offensichtlich… Unterschicht, Wühltisch, Schnäppchenjägerin…

Aber dieses Bild wandelt sich und ich kenne mittlerweile immer mehr Muslime, die lieber weniger konsumieren und dafür bewusster, denn…

es hat seinen Grund warum Kleidung, Lebensmittel & Co zum Schnäppchen angeboten werden: Kinderarbeit lässt ein T-Shirt oder ein Spielzeug spotbillig werden, Massentierhaltungen produzieren billige Eier, Fleisch und Milch zum Dumping-Preis, ausbeuterische Handelabkommen schwächen die Erzeugerländer, zwingen sie dazu, Obst und Getreideprodukte zum Hungerpreis zu verkaufen und industrielle Trawler fischen die Meere leer und entziehen den Küstenländern die traditionelle Lebensgrundlage.

Mit unserem Schnäppchen-Kaufverhalten sagen wir den Supermärkten, Kleidergeschäften und Spielzeuganbietern: „Es ist mir egal wie ihr produziert, ich will’s einfach billig.“ Und gleichzeitig steigt die Armut und das Elend, das wir auf der anderen Seite bekämpfen müssen. Wenn ich in einer Hilfsorganisation arbeite, dann ist mein Hauptaugenmerk nicht darauf, viel Geld zu sammeln, sondern den Menschen zu helfen. Wir stehen am Ende der Kette und versuchen die Symptome des Ungleichgewichts zu lindern.

Wenn wir alle nun auch noch mehr auf die Ursachen achten und mit der Macht der Verbraucher sagen: „Nein zu billigen Kinderarbeitsprodukten! Nein zu Hunger-Lebensmitteln!“ – dann können wir die Armut auch von dieser Seite bekämpfen! Dann gewinnt unser Leben an Qualität und das Kopftuch steht dann vielleicht irgendwann nicht mehr für „die Schnäppchenjägerin“, sondern für „die Öko-Aktivistin“…

Ein schöner Gedanke! Ich bin davon überzeugt, dass wir alle, wenn wir könnten, viel bewusster konsumieren würden. Aber auch kleine Schritte können bereits der Anfang einer großen Wirkung sein. Wenn nur jeder mitmacht…

Ich zum Beispiel versuche so wenig Fleisch wie möglich zu essen und gebe gerne die paar Cent mehr aus für Eier aus Biohaltung.

Welche kleinen Veränderungen habt Ihr in Eurem Alltag eingeführt, um bewusster einzukaufen?

wa salam

Eure Emha

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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