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Veröffentlicht am 21. Juni 2010 | by Emha

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Scha’baan – Vorbereitung auf den Ramadan


LIEBE GESCHWISTER, as-Salamu alaikum wa Rahmatu-llahi wa Barakatuh!

Bald beginnt in scha’Allah (so Gott will) der einmonatige Countdown zum Ramadan. Wenn wir in unseren Newslettern immer wieder über segensreiche Zeiten des Islamischen Jahres berichten, so verdient der Scha’baan unser besonderes Augenmerk. Warum?

Vorbereitung auf die Prüfung

Der Monat Scha’baan dient wie kein anderer Monat zur intensiven Vorbereitung auf unsere alljährliche Prüfung: den Ramadan. Oder wollen wir am Ende des Ramadan etwa zu denen gehören, die der Engel Gabriel, Friede sei mit ihm, persönlich aufs Schärfste tadelte, wobei der Prophet Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Heil (s), diesem Tadel mit einem “Amin” zustimmte? Dies sind diejenigen, die den Ramadan erleben, und ihnen wurde nicht vergeben” (Ibn Hibban), also diejenigen, die die Prüfung nicht bestanden haben.

Haben wir jemals einen Schüler oder Studenten gesehen, der ohne vorherige Vorbereitung in die Prüfung tritt? Oder einen erfolgreichen Geschäftsmann, der ohne Vorbereitung in die Hauptsaison seiner Ware geht? Oder einen Landwirt, der ohne zu säen ernten will? “Es ist eine göttliche Regel, dass nur der erfolgreich ist, der dafür arbeitet, und nur der erntet, der sich zuvor anstrengt. Wenn wir uns also auf irdische Dinge vorbereiten, verdient es dann nicht auch der Ramadan, dass wir uns auf ihn aufs Beste vorbereiten?

Der Countdown läuft also und wir sind uns dessen nicht bewusst. Und so wiederholt sich Jahr für Jahr die gleiche Tragödie: Der Ramadan beginnt, und wir fangen mit unseren Ibadaat (Gottesdiensten) und Anstrengungen bei Null an. Dann steigen wir Stück für Stück empor, und kaum dass wir beginnen, die Süße und Schönheit unserer Anstrengungen und Ibadaat zu spüren, ist der Ramadan auch schon wieder zu Ende, und dieses Kapitel unseres Lebensbuches mit all seinen Unzulänglichkeiten und Schwächen wird zugeschlagen. Dann überkommt uns Reue und Trauer, denn “hätten wir doch…”. Aber nächstes Jahr wird alles anders! Und dann kommt das nächste Jahr, und nichts hat sich geändert…” bis dann das letzte Kapitel unseres Lebensbuches zugeschlagen wird!

Betrachten wir hingegen die rechtschaffenen Vorfahren und sehen, wie sie sich bereits sechs Monate vor dem Ramadan auf sein Kommen vorbereiteten, verstehen wir nur zu gut, warum sie im Ramadan einen Genuss und einen Segen fanden, wie ihn unsereins kaum kennt.

Es geht also darum, sich auf diese Prüfung, auf diesen besten aller Monate durch Frömmigkeit, Rechtschaffenheit und Güte vorzubereiten. Es geht darum, sich die segensreiche Zeit des Scha’baan zunutze zu machen, damit der Ramadan nicht kommt, bevor wir zu den oberen Rängen des Gehorsams und des Gottesdienstes aufgestiegen sind.

Wir sollten von der Vorstellung abrücken, dass der Ramadan eine Gelegenheit ist, sich an Anstrengungen und Ibadaat zu gewöhnen, denn in ihm ist keine Zeit für Vorbereitung. Vielmehr ist er die Prüfung: Entweder du bestehst, oder du fällst durch. Seine kostbaren Minuten lassen keinen Raum dafür, dass man sich mal anstrengt und mal etwas nachlässiger ist. Vielmehr ist die Zeit für dieses Training, für das Hin- und Her-Schwanken zwischen Gehorsam und Nachlässigkeit, der Scha’baan. Wenn aber der Ramadan kommt, soll es in ihm nur aufrichtige Gottesdienste, aufrichtige Güte und vollständige Hinwendung zu Allah geben. Der Ramadan ist der Monat der Paradiesgärten, sollen wir also seine Tage damit vergeuden, nach der Eintrittskarte zu suchen, um sie dann zu finden, wenn die Tore bereits geschlossen sind?!

All dessen müssen wir uns bewusst sein, und eigentlich hätten wir mit dem Training früher beginnen sollen, doch noch ist Zeit in scha’ Allah…

Vorzug des Scha’baan

Weißt du, was die Ibadaat im Scha’baan gegenüber anderen Monaten auszeichnet?

Zum einen liegt er unmittelbar vor dem Ramadan und besitzt aufgrund dieser Stellung einen Vorzug. Die Gelehrten sagen, dass jeder Pflichtgottesdienst eine Muqaddima und eine Mu’achchira besitzt, also wörtlich ein “Vorhergehendes” und ein “Nachfolgendes”, d.h. eine “Vorhut” und eine “Nachhut” oder eine “Vorbereitung” und eine “Nachbereitung”. Mit der “Vorbereitung” bereitet man sich auf das Verrichten des Pflichtgottesdienstes vor, und mit der “Nachbereitung” flickt man Unzulänglichkeiten und Schwächen, die im Pflichtgottesdienst auftraten.

Zum anderen ist der Scha’baan ein Monat, der häufig nur geringe Beachtung findet, da er zwischen dem Heiligen Monat Radschab und dem segenbringenden Ramadan liegt. Dabei erhält derjenige, der sich in einer Zeit allgemeiner Achtlosigkeit und Vernachlässigung besonders um gottesdienstliche Handlungen bemüht, gewaltigen Lohn von Allah, weil es für eine einzelne Seele schwieriger ist, diese im Verborgenen und Geheimen zu tun. Ihre tiefe Aufrichtigkeit kann sogar Heimsuchungen von einer möglicherweise nachlässigen oder sündhaften Gemeinschaft fernhalten, in der sie lebt. Denn vielleicht freut sich Allah so sehr über die Aufrichtigkeit dieses Knechtes, dass Er Sein Wohlwollen nicht nur auf ihn, sondern auch auf dessen Umgebung ausbreitet.

Wie bereite ich mich vor?

Grundsätzlich gilt, dass man sich mit allen Ibadaat auf den Ramadan vorbereiten kann, die man auch im Ramadan verrichtet: Allahs Gedenken (Dhikr), in der Nacht im Gebet stehen (Qiyamu l-Lail), Sadaqa, Fasten und Koranlesen. Untenstehend wird kurz auf die letzten beiden eingegangen:

Fasten an den meisten Tagen des Scha’ban

Der Prophet Muhammad (s) pflegte an den meisten Tagen des Scha’baan zu fasten. Aischa berichtete sinngemäß: “Ich habe nicht gesehen, dass Allahs Gesandter, Allah segne ihn und schenke ihm Heil (s), jemals einen Monat vollständig (durch)fastete, außer den Monat Ramadan. Und ich habe nicht gesehen, dass er (außer im Ramadan) in einem Monat mehr fastete als im Scha’baan.” (Buchari, Muslim)

Der Prophet Muhammad (s) sagte über den Monat Scha’baan sinngemäß: “Dies ist ein Monat, den die Menschen vernachlässigen zwischen Radschab und Ramadan; in ihm werden die Werke zum Herren der Welten emporgehoben, und ich möchte, dass meine Werke emporgehoben werden, während ich faste” (Ahmad, an-Nasa’i).

Allerdings soll man nicht vor Beginn des Ramadans ein oder zwei Tage “vorsorglich” fasten, da es sonst den Anschein erwecken könnte, dass diese Tage zum Ramadan gehörten. Dies ist die Untersagung, am Tag des Zweifelns (Jaumu sch-Schakk) über den Beginn des Ramadan zu fasten. Wenn man diese Tage aber gewöhnlich fastete, also beispielsweise montags und donnerstags, und dieser Tag zufällig auf einen dieser Tage fällt, kann man an ihm fasten. Der Prophet (s) sagte sinngemäß: “Fastet nicht vor dem Ramadan ein oder zwei Tage außer einem Mann, der schon fastete, so faste er sein Fasten.” (Muslim)

Koranlesen

Anas Ibn Malik berichtet: “Die Muslime pflegten, als der Scha’baan eintrat, sich mit Hingabe dem Koran zu widmen und ihn zu lesen und ihre Zakat zu entrichten, um den Schwachen und Bedürftigen zu bestärken, den Ramadan zu fasten.”

Salama Ibn Kuhail berichtet: “Man sagt: Der Monat Scha’baan ist der Monat des Korans.”

Al-Mulla’i pflegte, wenn der Scha’baan eintrat, sein Geschäft zu schließen und sich eifrig der Koranlektüre zu widmen.

Lailatu n-Nisf min Scha’baan die Nacht zur Mitte des Scha’baan

Zum Schluss soll noch eine Besonderheit des Scha’baan erwähnt werden, nämlich die Nacht zur Mitte des Scha’baan. Allahs Gesandter (s) sagte sinngemäß: “Allah blickt ja in der Nacht zur Mitte des Scha’baan auf seine Schöpfung und vergibt seiner gesamten Schöpfung, außer dem Mitgöttergebenden (Muschrik) und dem Streitenden (Muschahin).” (Ibn Madscha, Ibn Abi ‘Asim, Ibn Hibban).

 

1. dass du den Tauhid (Eingottglaube, Monotheismus) in deinem Herzen verwirklichst, dich von allen Formen des Schirk (Beigesellung Gottes) und seinen Anzeichen befreist und dir dies ständig immer wieder fest vornimmst. Wenn einige das Wort “Schirk” hören, verziehen sie vielleicht die Miene und denken, dass sie beschuldigt werden. Andere wiederum wähnen sich in völliger Sicherheit vor Schirk. Die Wahrheit aber ist, dass selbst die Propheten, Friede sein mit ihnen allen, sich vor dem Schirk und seinen Arten fürchteten. Selbst Ibrahim, Friede sei mit ihm, betete: “… und halte mich und meine Söhne fern davon, dass wir Götzen dienen…” (14:35). Und der Prophet (s) betete: “O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir davor, dass ich Dir beigeselle, während ich weiß, und ich bitte Dich um Vergebung für das, was ich nicht weiß” (Buchari). Schließlich warnt Allah vor Schirk, wenn Er sagt: “Und bestimmt wurde dir schon offenbart und denjenigen, die vor dir waren: Wenn du Allah Mitgötter gibst, ganz bestimmt ist dein Tun hinfällig, und ganz bestimmt bist du einer von den Verlierern!” (39:65). Und das wollen wir nicht sein, weder in der Nacht zur Mitte des Scha’baan, noch im Ramadan!
2. dass du Streitereien hinter dir lässt, denn sie haben vielerlei schlechte Auswirkungen. Heutzutage liegen leider viele Menschen miteinander im Streit, sogar Nachbarn, Eheleute, Geschwister, Kinder untereinander oder gar mit ihren Eltern! Bedenken die Muslime denn nicht das Wort des Propheten (s): “Die Paradiestore werden montags und donnerstags geöffnet, und es wird jedem Knecht vergeben, der Allah nichts beigesellt, außer einem Mann, zwischen dem und seinem Bruder ein Streit ist. Dann wird gesagt: “Verschiebt (die Vergebung) dieser beiden, bis sie sich versöhnen. Verschiebt (die Vergebung) dieser beiden, bis sie sich versöhnen. Verschiebt (die Vergebung) dieser beiden, bis sie sich versöhnen.” (Muslim). Reinige also dein Herz gegenüber den Menschen, und lasse diese Nacht nicht kommen, bevor du nicht dein Herz entlastet hast von jeglichem Groll und jedem Zank, vielleicht wird Allah, der Erhabene, dir dann all deine Sünden vergeben. Auch das ist eine sehr schöne Vorbereitung auf den Monat der Güte und Nächstenliebe.

Und nun, nach alledem:

Möchtest du nicht den Geschmack der Demut, der Hingabe und Süße des Glaubens kosten, und zwar von der ersten Nacht an?

Und Allah weiß es am besten, und mit Allah ist der Erfolg.

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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