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Veröffentlicht am 7. Juli 2011 | by Emha

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Ruanda: ein Heim für die Frauenkooperative Ruhimbi

Eine Gruppe von Kindern geht die Straße entlang, wohlgeordnet in einer Reihe. Es sind Schüler und Schülerinnen der örtlichen Madrassa auf dem Weg zur Eröffnungsfeier. Die meisten Gäste sind schon da, sicher über hundert. Unter einem großen Zeltdach sitzen  festlich gekleidete Frauen, unter einem zweiten Zeltdach daneben Männer. Während die letzten Vorbereitungen abgeschlossen werden, hört man Trommeln. Über die aufgebaute Lautsprecheranlage wird ein muslimisches Lied gespielt, dann ebben langsam die Gespräche der vielen Anwesenden ab und ein Rezitator trägt einen Abschnitt aus dem Koran vor. Die Eröffnungsfeier hat begonnen.

Es ist Samstag der 19. Februar, kurz nach 10 Uhr am Vormittag. Wir sind in Ruanda, dem kleinen Land in der Mitte Afrikas, im Bezirk  Rwamagana. Der Ort heißt Ruhimbi und liegt etwa eine Stunde mit dem Auto östlich von der Hauptstadt Kigali. Die dortige Frauenkooperative ist die zweite, die von muslimehelfen in Ruanda unterstützt wird. Die Kooperative mit dem Namen „Abakundumuco“ (Liebende der Tradition) wurde 1996 gegründet und wird von Frau Salama Mukamazimpaka geleitet. Die Kooperative hat derzeit 129 Mitglieder. Die Frauen treffen sich zweimal wöchentlich und stellen verschiedene Flecht- und Näharbeiten her. Einen festen Treffpunkt hatten sie hierfür nicht, sie kamen hier und da in ihren Hütten und Häusern zusammen. Die räumlichen Verhältnisse waren somit sehr beengt und die  Möglichkeiten der Betätigung sehr eingeschränkt.  Um ihnen die Arbeit zu erleichtern, hat muslimehelfen der Kooperative ein Grundstück gekauft und darauf ein Haus erbauen lassen, das in Zukunft das Zentrum für die Aktivitäten der Frauen von Ruhimbi sein soll. Partner vor Ort ist, wie bei dem ersten Frauenprojekt, der Maismühle in Nyagatare, die ruandische Organisation „Umbrella for Vulnerable“, geleitet von Ajoub Nsanzintwali.  Nachdem Frau Salama und der Mufti gemeinsam eine Tafel enthüllt haben, auf der „Abakundumuco Kooperative“ steht, haben wir das Haus von innen besichtigt. Es ist einfach aber zweckmäßig gebaut und hat drei Räume: Ein kleines Büro, einen Ausstellungs- und Verkaufsraum, in dem die von den Frauen hergestellten Produkte angeboten werden, und einen großen Saal, der als Werkstatt aber auch Versammlungsraum dient. Außerhalb des Hauses befinden sich ein Wasserspeicher mit Zulauf für Regenwasser vom Dach und die Toiletten.

Im Laufe der Eröffnungsfeier sprachen verschiedene örtliche Würdenträger, dann der Mufti von Ruanda und schließlich die Leiterin der Frauenkooperative. Alle brachten ihre Freude über die Unterstützung seitens muslimehelfen zum Ausdruck und bedankten sich bei mh dafür, dass die Frauenkooperative nun endlich über ein eigenes Heim verfügt. Sie sind zuversichtlich, dass es von nun an weiter aufwärts gehen wird. In einem Gedicht, das ein junger Mann für die Eröffnungsfeier verfasst hatte, und das er unter viel Beifall vortrug, hieß es: „Nun können wir alle reich werden, so reich, dass wir auch Krawatten tragen…“  Dieser Satz war im Kontext eines afrikanischen Dorfes natürlich ein Spaß, der bei den Anwesenden auch viel Gelächter hervorrief, zugleich aber doch ebenso ein Ausdruck der großen Hoffnungen und Erwartungen, die auf das Projekt gesetzt werden. Ich selbst hatte in einer kurzen Rede die Grüße der Mitarbeiter und Spenderinnen und Spender von muslimehelfen übermittelt und daran erinnert, dass die eigentliche Aufgabe, die mit diesem Projekt begonnen wurde, erst vor den anwesenden Frauen liegt, nämlich das jetzt als „amanah“, als anvertrautes Gut übergebene Haus, auf die rechte Weise zu nutzen. Die Rolle von muslimehelfen ist es, solche Initiativen wie die der Frauen von Ruhimbi zu unterstützen und ihnen bei ihrer Arbeit behilflich zu sein, doch die eigentliche Mühe muss und wird von ihnen selbst geleistet werden. Die kleinen Einkünfte, die sie sich im Rahmen der Kooperative erwirtschaften, helfen ihnen, die finanziellen Problem des Alltags zu lösen: Nahrungsmittel kaufen, Schulgeld für die Kinder bezahlen, den geringen aber doch oft unerschwinglichen Beitrag aufbringen, der notwendig ist, um der vom Staat eingerichteten allgemeinen Krankenversicherung beizutreten, um so im Krankheitsfall eine medizinische Grundversorgung in Anspruch nehmen zu können.

Das älteste Mitglied der Frauenkooperative ist Halima Nyiramatovu. Sie ist 83 Jahre alt. Sie wuchs hier in der Nähe auf, etwa drei Kilometer entfernt, hat früh geheiratet und ist inzwischen verwitwet. Eine Schule hat sie nicht besucht, sie liest und schreibt nicht. Doch über die Religion hat sie, wie sie sagt, einiges gelernt, weil sie zur Moschee ging. Jetzt lebt sie bei einer ihrer Töchter. Ich frage sie nach ihren Enkelkindern. „Viele Enkelkinder habe ich“, sagt Halima, „aber ich erinnere mich nicht, wie viele es genau sind…“ Der Frauenkooperative hat sie sich vor vier Jahren angeschlossen. „Warum das, mit fast 80 Jahren?“, will ich wissen. Halima sagt, so komme sie noch aus dem Haus, treffe andere Frauen und vor allem sei dies die einzige Möglichkeit für sie, sich ein kleines Einkommen zu erarbeiten.

Um das Projekt abzuschließen, möchte muslimehelfen den Frauen von Ruhimbi in den nächsten Monaten noch ein paar Nähmaschinen zu Verfügung stellen. Damit wird ihnen nicht nur ihre Arbeit erleichtert, sondern es können zukünftig auch Nähkurse für weitere Frauen angeboten werden. Der Bedarf dafür ist groß, und der Platz, um diese und andere Programme durchzuführen, steht der Frauenkooperative „Abakundumuco“ nun zur Verfügung.

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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