Stilleben Ruanda, Verantwortung, Menschlichkeit, Trauer, Völkermord, Opfer, muslimehelfen

Veröffentlicht am 3. April 2014 | by Nadya

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Ruanda – 20 Jahre nach dem Völkermord

Ich kenne sie nicht. Ich weiß nicht, wie sie heißt. Ich habe sie noch nie getroffen und das werde ich wohl auch nicht. Und dennoch denke ich seit Tagen an sie. Wenn ich sagen würde, sie tut mir leid, wäre das nur die Hälfte der Wahrheit.

Ich habe ihr Foto vor mir. Und es trifft mich mitten ins Herz. Sie ist wunderschön. Aber auf ihrem Gesicht lese ich nur tiefe Trauer. Eigentlich sehe ich nur ihre linke Gesichtshälfte, denn sie hält einen Jungen auf ihrem Schoß, vermutlich ihren Sohn, und drückt ihre rechte Seite fest an seinen Rücken.

Sie trägt ein schwarzes Kleid mit passendem Schal und einem dunklen Tuch. Mit ihrem rechten Arm umfasst sie den Jungen, sie hält ihn fest an der Brust und drückt ihn an sich. In der Linken hält sie ihre Tasche und greift den Jungen am Arm.

Es ist eine sehr zärtliche Szene und doch drückt sie so viel Schmerz aus. Der Junge hält den Kopf gesenkt. Er blickt stumm nach unten. Es ist das Gesicht eines Kindes, das viel mehr gesehen und erlebt hat, als es verarbeiten kann. Er trägt eine helle Jacke; das Bündchen in schwarz-weißen Streifen gehalten. Das ganze Foto ist schwarz-weiß. Es ist auf einer Gedenkfeier für die Opfer des Völkermordes in Ruanda entstanden.

Es war vor zwanzig Jahren, am 7. April. Drei Monate lang wurde gemordet, gemetzelt und geschlachtet. Ein Teil der Bevölkerung den anderen. Und warum? Ich begreife es nicht. Ich verstehe diese Gewalt nicht. Wie viel Zorn und Wut muss ein Mensch in sich aufstauen, um das Kostbarste zu verlieren, das Allah uns geschenkt hat – unsere Menschlichkeit?

Als Jugendliche habe ich einen Film über das Massaker gesehen. Die Szenen kommen wieder hoch. Und sie machen mich wütend! Manchmal möchte ich schreien. Ich möchte, dass die ganze Welt mich hört. Aber was ist, wenn die Welt mich hört … und nichts macht?

Wir haben eine Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber, jedem einzelnen. Auch denen, die schon gestorben sind. Es ist unsere Aufgabe, für Gerechtigkeit zu sorgen. Das Mindeste ist, dass wir sie nicht vergessen. Und dass wir aus der Geschichte der Menschheit lernen. Wir vergessen zu oft, zu schnell

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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