Wissen&Tun

Veröffentlicht am 17. April 2010 | by Emha

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Prinzipien des Erfolgs im Lichte der Prophetenbiografie


Im islamischen Monat Rabi’u l-Awwal fanden bedeutende islamische Ereignisse statt: die Hidschra, die Geburt und der Tod unseres Vorbildes in allen Lebenslagen, des Propheten Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Heil. Wir haben einen Text über die Liebe zum Propheten Muhammad in unserer Rubrik wissen&tun bereitgestellt: Wahrhafte Liebe zum Propheten Muhammad (s). Mit dem vorliegenden Artikel möchten wir einen praktischen Aspekt aus dem Leben des Propheten (s) näher betrachten, der gegenwärtig in der muslimischen Welt angesichts ihrer Lage viel diskutiert wird: der Erfolg.

Die Muslime glauben, dass der Prophet Muhammad (s) in der Menschheitsgeschichte derjenige unter den Menschen war, der durch sein Verhalten stets die bestmöglichen Ergebnisse erzielte. Dem Koran nach ist er das beste Beispiel in allen Bereichen, also auch im Bereich des echten und wahren Erfolgs, des Erfolgs, der bei Allah Anerkennung findet.

Wenn wir nun das Leben von Allahs Gesandtem (s) studieren und Prinzipien davon ableiten, die wir wiederum für unser Leben als Leitfaden annehmen und praktisch umsetzen, wird Allah uns inschaa’ Allah ebenso Erfolg verleihen. Aus diesem Grund folgen untenstehend zehn kurze und einfache Prinzipien, die wir aus der Lebensgeschichte des Propheten für uns ableiten können.

Um es gleich voranzustellen: Der Prophet (s) war durch und durch ein positiver Denker. All seine Handlungen waren erfolgsorientiert, und er hielt sich von jeglichem Verhalten zurück, das sich als kontraproduktiv hätte erweisen können.

1. Prinzip: Stets mit dem Möglichen und Einfachen beginnen
Dieses Prinzip überlieferte die Frau des Propheten, Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein (r.a.), in einem Hadith: „Wann immer der Prophet (s) zwischen zwei Dingen wählen konnte, bevorzugte er stets die einfachere Möglichkeit“ (Buchari).
Das Leichtere zu bevorzugen bedeutet, mit dem Möglichen zu beginnen; es hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun. Denn macht man sich das Leben schwer und erlebt andauernd Enttäuschungen, führt das zur Frustration und kaum zum Erfolg. Beginnt man hingegen mit dem Machbaren und schreitet beständig und sicher zum Ziel voran, stellt sich irgendwann der gewünschte Erfolg ein.
2. Prinzip: Vorteile im Nachteil erkennen
In der ersten Zeit in Mekka gab es viele Probleme, mit denen der Prophet (s) sich auseinandersetzen musste, und die Muslime waren unsäglichem Leid ausgesetzt.
In dieser Zeit wurde der Koranvers offenbart: „Also zusammen mit der Schwierigkeit gibt es ja Erleichterung. Zusammen mit der Schwierigkeit gibt es ja Erleichterung“ (94:5-6).
Das bedeutet: Wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt, dann bestehen in ihnen gleichzeitig Möglichkeiten und Chancen. Der Weg zum Erfolg ist der, die Probleme auf eine angemessene Art anzugehen: Konzentriere dich auf die Möglichkeiten und Chancen, und packe gebotene Gelegenheiten am Schopfe!
3. Prinzip: Den Ort der Handlungen umverlagern
Dieses Prinzip ist aus der Hidschra abgeleitet. Die Hidschra war nicht nur die bloße Auswanderung von Mekka nach Medina. Es war der Versuch und der Wunsch, einen besseren, geeigneteren Ort für den Ruf zu Allah und die Umsetzung der islamischen Lebensweise zu finden. Und weltweit zeugt die Geschichte von der Richtigkeit dieser Entscheidung.
4. Prinzip: Feinde zu Freunden machen
Der Prophet Muhammad (s) war permanent dem Widerstand der Glaubensverweigerer ausgesetzt. Allah wies ihn im Koran an, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern das Böse mit Gutem abzuwehren, denn dann: „… ist derjenige, wo zwischen dir und ihm Feindschaft war, als ob er ein heißliebender Freund ist.“ (41:34)
5. Prinzip: Negatives in Positives umwandeln
Nach der Schlacht von Badr wurden ungefähr siebzig Glaubensverweigerer gefangen genommen, die meisten von ihnen waren gebildet. Der Prophet (s) erklärte nun, dass jeder von ihnen, der zehn Muslimen das Lesen und Schreiben beibringen würde, frei sein werde.
Dies könnte man sogar als die erste Schule des Islam bezeichnen, in der die Schüler Muslime waren und die Lehrer aus den Reihen der Gegner stammten. Der Prophet Muhammad (s) hatte den festen Willen, eine Notsituation in eine Chance auf Erfolg umzuwandeln.
6. Prinzip: Die Macht des Friedens ist stärker als die Macht der Gewalt
Als Mekka erobert wurde, brachte man all die ärgsten Gegner des Propheten Muhammad (s) zu ihm. Diese waren im wahrsten Sinne des Wortes Kriminelle. Aber der Prophet (s) befahl nicht ihre Hinrichtung, sondern sagte nur: „Geht, ihr seid frei.“ Diese gütige Behandlung ging diesen Menschen so nahe, dass sie in ihnen eine wundersame Wandlung bewirkte: Sie nahmen ohne zu Zögern den Islam an!
7. Prinzip: Kein „Schwarz-Weiß“-Denken
In der berühmten Schlacht von Muta‘ entschied Khalid Ibn al-Walid (r.a.), die muslimischen Streitkräfte vom Schlachtfeld zurückzuziehen, weil er erkannt hatte, dass die Feinde ihnen um ein Vielfaches überlegen waren. Als das muslimische Heer Medina erreichte, riefen ihnen manche verachtend zu: „Ya Furraar!“ – O ihr Ausreißer! Der Prophet aber sagte: „Nein, sie sind Qurraar!“ – Männer der Vorwärtsbewegung!
Die Leute von Medina waren in zweidimensionalem Denken gefangen: entweder kämpfen oder die Flucht ergreifen. Der Prophet (s) korrigierte diese Vorstellung: Es gab hier eine dritte Option, nämlich den Kampf zu vermeiden und Kräfte zu sammeln. Nach drei Jahren der Vorbereitung marschierten die Muslime abermals auf die Grenzen der Römer zu und trugen diesmal einen glanzvollen Sieg davon.
8. Prinzip: Den Kampf in das eigene, günstigere Gebiet verlagern
Diese Maxime leitet sich aus der Schlacht von Hudaibiyya ab. Zu jener Zeit waren die Glaubensverweigerer entschieden darauf aus, die Muslime in einen Kampf zu verwickeln, weil sie offensichtlich in der günstigeren Position waren. Aber der Prophet (s) schloss mit ihnen einen Waffenstillstandsvertrag ab, obwohl er den Muslimen einseitige Bedingungen diktierte. Es war ein 10-Jahres-Vertrag. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sich Muslime und Glaubensverweigerer nur auf dem Schlachtfeld begegnet. Nun wurde der Disput auf weltanschauliche Debatten verlagert. Und schon innerhalb von zwei Jahren zeigte sich die Überlegenheit des Islams auf diesem Gebiet.
9. Prinzip: Bedächtig vorgehen, anstatt kopflos zu agieren
Aischa (r.a.) erzählte, dass die ersten offenbarten Koranverse zumeist über Diesseits und Jenseits, Paradies und Hölle berichteten. Und nach einer längeren Zeit, als die Herzen der Menschen erweicht waren, wurden spezielle Anweisungen offenbart, wie z.B. von Ehebruch und Alkoholgenuss abzulassen. (Buchari)
Der Islam bevorzugt also den Weg des sozialen Wandels und stützt sich nicht auf kopfloses, radikales Agieren.
10. Prinzip: In kontroversen Angelegenheiten pragmatisch sein
Während der Vertrag von Hudaibiyya aufgesetzt wurde, diktierte der Prophet (s) zunächst die Worte: „Dies ist von Muhammad, dem Gesandten Gottes.“ Als die Delegation der Quraisch gegenüber dieser Formulierung Einwände vorbrachte, ließ der Prophet (s) kurzerhand die Formulierung ändern und wies den Schreiber an, einfach zu schreiben „Von Muhammad, dem Sohn Abdullahs.“

Wa-Llahu a’lam wa bi-Llahi t-Taufiq

Und Allah weiß es am besten, und mit Allah ist der Erfolg.

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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