Emha

Veröffentlicht am 2. Mai 2012 | by Emha

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Osama bin Laden ist tot

2. Mai 2011: Am Frühstückstisch… Kaffeetasse in der Hand… Radio läuft…. 8h: “Osama bin Laden ist tot!”

Ich stocke für einen Moment. Osama bin Laden, DER Topterrorist? Um ganz ehrlich zu sein, dachte ich, er wäre schon längst tot. Gab es nicht schon so viele Meldungen in den letzten Jahren, er wäre in einem Gefecht erschossen worden…

Ich höre dem Bericht weiter zu: Ah… sie haben seine Leiche mit einem DNA-Test identifiziert? Das ging aber schnell!

Im Gegensatz zu seiner Ergreifung. Seit 10 Jahren geht das Gespenst “Osama bin Laden” um, und die Strukturen, die einst mit seiner Person verknüpft waren, haben sich längst verselbstständigt. Die globale Angst braucht ihn schon lange nicht mehr. In den Augen vieler Menschen, sind wir alle zu kleinen Osamas geworden, zu Schläfern und Islamisten. Das Wort Muslim, dessen Wortwurzel untrennbar mit dem “Frieden” verwachsen ist, hört man im besten Fall als Schimpfwort…

Jetzt ist also der Oberbösewicht tot….bin ich mal gespannt, was aus dieser Nachricht noch gemacht wird. Die USA wird bestimmt die Sicherheitsvorkehrungen erhöhen… und dann fehlt nur noch die übliche Generalverdächtigung, die solche Berichte normalerweise abschließt.

Und pünktlich wie ein Uhrwerk kommt sie auch schon: “Alle Bürger der Welt, seid wachsam!”

Jetzt platzt mir die Hutschnur: Ich haue wütend meine Kaffeetasse auf den Frühstückstisch, so dass der brauen Wachmacher bedrohlich darin schwabbt. Stehen wir Muslime, nicht schon genug unter Beobachtung? Eine Tüte im Museum, und schon tuschelt es… “da wird doch wohl keine Bombe drin sein”… das eigenartige Knacken in der Telefonleitung, wenn man mit Freunden über Alltägliches spricht…. hört da jemand mit?…. die ängstlichen Blicke im Rücken, wenn man ein Flugzeug besteigt, weil man vielleicht auch mal einen Kurzurlaub machen möchte….

Ich habe keine Lust auf mehr Überwachung! Ich arbeite und ackere in dieser Gesellschaft, zahle meine Steuern, engagiere mich im örtlichen Sportverein, schaue nach der alten Nachbarin im ersten Stock, wenn ich sie länger als 2 Tage nicht mehr gesehen habe, helfe der Mutter mit ihrem Kinderwagen aus der Bahn, ob sie nun Kopftuch trägt oder nicht, und bleibe höflich – auch wenn ich mal wieder von irgendeiner Verkäuferin oder Arzthelferin blöd angemacht werde.

Als Muslim bin ich keine wandelnde Zeitbombe, sondern ein wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft, mit einer Religion, die ich über alles liebe und mit dem Vorsatz, die Welt mit jeder meiner Taten und Worte besser zu machen, als sie die Minute davor war.

wa salam

Eure

Emha

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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