Vernetzt

Veröffentlicht am 13. September 2014 | by Soufian

1

Opferfest auf der Autobahn


Das Opferfest kommt immer näher und viele Familien stellen sich, wie jedes Jahr, die Frage:

Wie machen wir das mit dem Opfertier?

Der beste Weg ist natürlich, man schächtet selbst. So ist die Sunnah. Nun ist dies bei Weitem nicht jedem möglich, denn die Rechtsslage sieht de facto ein gesetzliches Schächtungsverbot mit Ausnahmeerlaubnisvorbehalt vor und die nötige Sachkunde spielt auch eine Rolle.

Um das Juristendeutsch verständlich zu machen:

In der Regel darf man hier nicht selbst schächten. 

(Mal ganz abgesehen davon, dass es viele gar nicht hinbekommen würden.)

stauVor einigen Jahren erfuhr meine Familie von einem muslimischen Schlachthof, bei dem eine Schächtung möglich sei. Also standen wir früh auf, um rechtzeitig beim Festgebet in der Moschee einen guten Platz zu bekommen, und machten uns im Anschluss daran zügig auf den Weg. Es blieb keine Zeit um vielen Freunden und der Familie zu gratulieren, denn wir hatten noch eine weite Fahrt vor uns. Wir fuhren und fuhren. Ich glaube es waren etwa 150 km bis zu dem Schlachthof. Ich war damals noch etwas jünger und es war etwas frostig.

Dort angekommen war der Schlachthof selbstverständlich rappelvoll. Dutzende Leute warteten bereits. Die Schlange ging bis nach draussen bei bitterer Kälte. Da standen wir uns nun die Beine in den Bauch. Gelangweilt und inzwischen frierend im feinen Feiertags-Anzug musste ich mir warme Gedanken machen und dachte darüber nach, was meine Geschwister und meine Mutter wohl gerade machten. Nach mehreren Stunden Warterei waren wir dann alhamdulillah an der Reihe. Unser Schaf wurde von den anderen getrennt, mein Vater durfte hinein gehen und das Schaf zumindest dabei etwas festhalten, als der Metzger die Schächtung durchführte, um wenigstens etwas näher an der Sunnah zu sein. Nachdem die eigentliche Schächtung erledigt war, bereitete der Metzger das Schaf natürlich noch vor, entfernte alles Mögliche und zerteilte es in Hälften.

police_lineWir nahmen diese Hälften, wickelten sie in blaue Plastiktüten und hievten sie in den Kofferraum unseres Autos. Überall war Blut! Auf dem Boden der Einfahrt, an den Tüten, im Auto, an meinen Händen und an meiner Kleidung. Mit ein paar Taschentüchern wischte ich mich ab. Ich kam mir vor wie an einem Tatort. Unter Feiertagsstimmung verstehe ich was anderes.

Mit dem Schaf im Kofferraum fuhren wir dann wieder die lange Strecke heim. Angekommen wurde es bereits dunkel. Ich holte einen Wäschekorb, um das Ausladen etwas zu erleichtern. Noch einmal krempelten wir die Ärmel hoch und trugen das Fleisch durch das Treppenhaus hoch, aus dem ich danach noch das tropfende Blut wischen musste. Völlig platt und angestrengt von dieser Fahrt und dem frühen Aufstehen wollte ich nur noch duschen und mich ausruhen. Mein Vater hingegen schärfte die Messer und fing genervt an, das Schaf weiter zu zerteilen, während meine Mutter die Stücke abpackte und im Tiefkühlschrank verstaute.

Was macht man danach mit dem Fleisch?

Eigentlich soll man das Fleisch ja nicht alleine mit seiner Familie “verbraten”, sondern ja einen Teil davon an Bedürftige geben! Schon sind wir beim nächsten Problem! Wo findet man hier Arme? Wie kann man das Fleisch sinnvoll verteilen? Gibt es hier überhaupt einen Bedarf dafür? Fragen über Fragen!

Jedenfalls war diese Erfahrung und der Wunsch, das Fleisch an Bedürftige zu verteilen, einer der Gründe, warum wir uns entschlossen, Kurban auf www.muslimehelfen.org/kurban zu spenden!

Schlagwörter: , , , , , , , , ,


Über den Autor/en

Soufian

86er Baujahr, Social Media Fuchs mit juristischem Background, marokkanischen Wurzeln und einer starken Bindung zur Moschee. Im Community Management von muslimehelfen tätig und bietet zwischen Fans und Followern Einblicke in die Gedankenwelt eines Admins.



Ein Kommentar zu Opferfest auf der Autobahn

  1. Najib

    AsalamAleikum liebe geschwiester..ich bin der meinung das beste ist das geld für korban an die arme su spenden.nur so kennen auch sie was vom feste mitbekommen.selber schlachten mus nicht sein,ich kann für meine familien paar kilo fleisch kaufen.wa Alhamdulillah..wen jeder Moslm & jeder andre spenden tun werd es keine arme menschen geben..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑