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Veröffentlicht am 15. November 2009 | by Emha

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Opferfest 1430 – 2009

Liebe Geschwister im Islam, um den 27. November 2009 beginnt inschallah das große Fest – das Opferfest. Einen Tag vorher stehen Hunderttausende von Muslimen von überall her auf der Welt am Berg Arafat. Dort bitten sie Allah und preisen Ihn. Dann feiern Muslime auf der ganzen Welt das  Opferfest und teilen ihr Glück: Opfertiere werden geschächtet, gespendet, Familien und Freunde besuchen sich, und die Menschen tragen ihre besten und schönsten Kleider. Aber was ist der gesellschaftliche und menschliche Wert dieses Festtages? Und wie sollten wir uns verhalten?

Für eine Gesellschaft ist das Opferfest wichtig. Denn die Menschen kommen zusammen und stehen sich bei, ihre Seelen sind von Freude erfüllt und ihre Körper finden Ruhe. Das Opferfest, Kurban, ist eine Zeit, in der sich die Menschen versöhnen. Kurban stärkt also eine Gemeinschaft von innen, auch deshalb weil wir uns an die Rechte der Armen und Bedürftigen erinnern. Wir schächten Opfertiere und verteilen das Fleisch, damit auch diejenigen feiern können, die nicht schächten können.

Der menschliche Wert des Opferfestes zeigt sich darin, dass Menschen völlig unterschiedlicher Herkunft sich zur gleichen Zeit freuen und gemeinsam feiern. Es ist das Gefühl einer Gemeinschaft, einer Ummah, die trotz unterschiedlicher Sprachen durch seine gemeinsamen ideellen und moralischen Werte gestärkt wird.

Charakter einer Gemeinschaft

Liebe Geschwister, die Mitglieder einer Gesellschaft lernt man am besten während der Festtage kennen. Denn dann sind sie frei und zeigen sich, wie sie sind und was in ihnen steckt. Eine gute und gesunde Gesellschaft erkennt man an dem Zusammenhalt, der gegenseitigen Hilfeleistung und Fürsorge ihrer Mitglieder untereinander. Wir sollten uns fragen, was wir eigentlich dazu beitragen, dass die Gesellschaft, in der wir leben, so ist bzw. wird.

Zu einer Zeit, als unsere Ummah glücklichere Zeiten erlebte, dachten die Muslime am Vorabend des Festes an ihre Nachbarn, bevor sie an sich selbst dachten. So berichtete uns Al-Waqidy im zweiten Jahrhundert islamischer Zeitrechnung folgende Begebenheit:

„Ich hatte zwei Freunde, und wir waren wie eine Seele. Eines Tages befiel mich eine schlimme Geldnot, und dann kam das Opferfest. Da sagte meine Frau zu mir: ,Wir können uns in Geduld üben, aber der Gedanke an die Kinder zerreißt mir das Herz.’“ Al-Waqidy berichtet weiter: „Also schrieb ich in dieser Angelegenheit meinem ersten Freund, woraufhin er mir einen versiegelten Beutel mit eintausend Dirham schickte. Der Beutel war kaum in meiner Hand, als mich auch schon der Brief meines zweiten Freundes erreichte und er über die gleiche Sache klagte, über die ich geklagt hatte. So schickte ich ihm den Beutel ungeöffnet mit seinem Siegel und berichtete meiner Frau davon, und sie hieß meine Tat gut. Als ich mich nun in dieser Situation befand, kam plötzlich mein erster Freund mit dem Beutel in der Hand und sagte zu mir: ,Erzähl mir ehrlich darüber, was Du mit diesem Beutel getan hast’, woraufhin ich ihm das Geschehene berichtete. Daraufhin sagte er mir: Als Du mich um Geld batest, besaß ich nur diesen Beutel, den ich Dir schickte. Dann schrieb ich unserem zweiten Freund über meine Lage, der mir wieder diesen Beutel zuschickte.’“ Al-Waqidy berichtet weiter: „Also teilten wir die tausend Dirham auf, für jeden von uns dreihundert Dirham, und meine Frau belohnten wir (für ihre Geduld) mit einhundert Dirham (für sich selbst).“

Dies, liebe Geschwister, ist der wahre Ausdruck charakterlicher Größe einer Gemeinschaft.

Die besten Vorbereitungen für das Fest

Liebe Geschwister im Islam, auf das Opferfest bereiten wir uns am besten mit angemessenen Kleidern, besonderem Essen und besonderen Aktivitäten mit unserer Familie. Es gibt noch etwas, das wir leicht umsetzen können: Befreien wir einen Bedürftigen, einen Schwachen oder Vertriebenen – von seinen Sorgen. Wenn wir es finanziell nicht können, dann können wir wenigstens Dua für sie machen. Es gibt so viele, die auch zu Kurban keine Freude finden, weil sie Waisen sind, weil ihr Ehepartner plötzlich gestorben ist, weil sie aus ihrer Heimat vertrieben wurden und nicht mehr zurück können. Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: “Wer einen Gläubigen von einem Kummer dieser Welt befreit, den befreit Allah von einem Kummer des Jüngsten Tages. … Allah hilft Seinem Diener, solange der Diener seinem Bruder hilft.” (Muslim). In einem anderen Hadith heißt es: “Du wirst die Gläubigen sehen, wie sie barmherzig miteinander und einander in Liebe zugetan sind und liebevoll miteinander umgehen gleich einem Körper – wenn ein Glied leidet, setzt sich der ganze Körper mit Schlaflosigkeit und Fieber dafür ein.” (Buchari).

Selbstläuterung und rechtschaffenes Handeln

Liebe Geschwister, wir alle wissen, dass die islamische Welt schwere Zeiten durchlebt, Zeiten voller Not, Elend und schwerer Prüfungen. Die Lage der Muslime überall auf der Welt, ihre Zukunft erscheint oft erschreckend und furchteinflößend. Diese bittere Realität lässt viele Muslime verzweifeln und nimmt ihnen den Mut. Dadurch werden sie träge und passiv.

Aber inschallah (so Gott will) findet diese Ummah ihre Stärke wieder. Das wird dauern und es wird weh tun. Aber wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, müssen wir etwas ändern. Das sagt Allah im Koran: „Allah ändert ja nicht, was mit einem Volk ist, bis sie ändern, was mit ihnen selbst ist“ (13:11).

Und Allah verspricht: „Allah hat denjenigen versprochen, die von euch glauben und rechtschaffen handeln, dass Er sie ganz bestimmt als Nachfolger auf der Erde einsetzt, wie Er diejenigen vor ihnen als Nachfolger eingesetzt hat, und dass Er ganz bestimmt ihre Religion für sie stark macht, mit der Er zufrieden ist, und dass Er ihnen ganz bestimmt nach ihrer Furcht Sicherheit eintauscht. – Sie dienen Mir, sie geben Mir keine Mitgötter, und wer hiernach den Glauben verweigert, also diese, sie sind die Frevler.“ (24:55)

Nicht vergessen

Liebe Brüder und Schwestern, beglückwünschen wir einander und freuen uns über das Opferfest. Wir sollten Kurban aber auch als Chance für unsere Ummah nutzen. Wir sollten auch am Festtag für unsere Mitmenschen beten:

O Allah, gewähre uns, dass wir Dir für Deine Gnaden danken. Lass uns den Rechten der brüderlichen Gemeinschaft nachkommen und Deinem Ruf zum Einsatz und zum Opfern folgen. Amin.

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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