Wissen&Tun

Veröffentlicht am 15. Dezember 2003 | by Emha

0
Hidschra, Mekka, Medina, Allah, Muslim, Prophet, Mohammed

Beginn des neuen Jahres 1424 nach der Hidschra


Ein neues Hidschra-Jahr steht uns bevor mit all dem, was es mit sich bringt. Und wir verabschieden das alte mit all dem, was wir in ihm vorausgeschickt haben.

Halten wir inne und gedenken der Hidschra (Auswanderung) des Gesandten Allahs, auf dem der Friede und der Segen Allahs seien (s), von Mekka nach Medina. Lernen wir daraus, anstatt zu feiern und verfehlten religiösen Neuerungen (bid’a) zu folgen. Lass uns etwas aus der Zeit des Propheten Muhammed (s) lernen, die er mit seinen Gefährten, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen (r), verbracht hat.

Die Hidschra lehrt uns vor allem, dass wir nie die Hoffnung aufgeben sollten: Hoffnung auf das Versprechen Allahs, des Erhabenen (t), Hoffnung auf die Hilfe Allahs (t) und Hoffnung auf eine Zukunft voller Licht, da es keinen Gott gibt außer Allah (t) – la ilaha illa Allah! Durch die Hidschra lernen wir, dass es in jeder Situation Hoffnung gibt. Nach jedem Schmerz und jedem Leid gibt Allah uns Erleichterung. Wenn uns jemand erniedrigt, gibt Allah uns unsere Würde zurück.

Die Feinde des Gesandten (s) wollten ihn töten. Sie dachten, niemand könnte sie daran hindern. Wie hätte es auch anders sein sollen, er (s) war in seinem Haus von einem Volk umgeben, wie ein Finger von einem Ring. Trotzdem hatte Allahs Gesandter (s) nicht die Hoffnung aufgegeben. Er (s) vertraute Allah, ging auf seine Feinde zu und sprach die Verse aus dem Koran: „Und wir haben vor ihnen einen Wall gemacht und hinter ihnen einen Wall, und Wir haben sie eingehüllt, und sie erblicken nichts“ (36:9). Allahs Gesandter (s) ging aus der Tür, ohne dass seine Verfolger ihn sahen. Allah hatte Seinen Gesandten (s) aus einer scheinbar aussichtslosen Situation gerettet.

Auf seiner Flucht hielt Prophet Muhammed (s) mit Abu Bakr (r) am Berg Thaur. Der Berg Thaur ist ein sehr hoher Berg mit einem Weg, auf dem man nur schwer laufen kann. Das Bergsteigen fiel dem Propheten (s) schwer, also trug Abu Bakr (r) ihn, bis sie an einer Höhle angekommen waren, in der sie drei Tage blieben. Dort erlebten beide, wie Allah sie schützte: Als ihre Verfolger am Eingang der Höhle angekommen waren, konnten die beiden Männer ihre Schritte hören, woraufhin Abu Bakr (r) sinngemäß flüsterte: „Gesandter Allahs, wenn einer von ihnen auch nur seinen Blick senkt, entdecken sie uns!“ Doch der Prophet (s) antwortete sinngemäß nur: „Abu Bakr, was glaubst Du von zweien, deren Dritter Allah ist?“ (Buchari). Allah (t) hatte eine Taube geschickt, die am Höhleneingang nistete und eine Spinne, die ihr Netz spann, wodurch die beiden den Blicken der Götzendiener verborgen blieben. So gingen die Götzendiener weg, obwohl sie nur wenige Schritte vom Gesandten Allahs (s) und Abu Bakr entfernt waren. Denn Allahs (t) kümmert sich um seine gläubigen Diener. „Allah verteidigt ja diejenigen, die glauben“ (22:38).

Die beiden Gefährten machten sich ohne Waffen auf den langen Weg durch die Wüste, in der sie keinen Schutz vor ihren Feinden hatten. Als sie die Küste erreichten, holte Suraqa ibn Malik (r) sie ein und dachte schon, dass er das Kopfgeld für die beiden von den Quraisch einkassieren konnte. Suraqa (r) trieb sein Pferd an und kam den beiden so nah, dass er den Propheten (s) hören konnte, wie er aus dem Koran sprach. Und auch jetzt, als die beiden Flüchtlinge kurz vor einer möglichen Gefangennahme standen, um den Quraisch ausgeliefert und von ihnen gefoltert zu werden, verlor der Prophet (s) nicht die Hoffnung; er drehte sich nicht um und beachtete Suraqa (r) gar nicht. Als Abu Bakr (r) sinngemäß zu ihm sagte: „Gesandter Allahs, unser Verfolger hat uns gleich eingeholt“, sagte der Prophet (s) sinngemäß nur: „Sei nicht traurig, Allah ist ja mit uns!“, (9:40), (Buchari). Allah ließ die Vorderhufe von Suraqas (r) Pferd im Sand einsinken, so dass es hinfiel. Da wusste Suraqa (r), dass er den beiden nicht schaden konnte. So half Allah (t) dem Propheten (s) auf eine Art, die er nie erwartet hätte. Suraqa (r) aber kehrte um und sagte jedem, der seinen Weg kreuzte: „Kehr um, hier habe ich schon gesucht.“ (Buchari). Er war losgeritten, um sie zu jagen, aber kam zurück als ihr Beschützer.

Die Nachricht von der Hidschra von Allahs Gesandtem (s) erreichte die Einwohner Medinas und sie empfingen ihn voller Freude. Denn der Gesandte Allahs (s) hatte ihnen den Islam gebracht. Anas (r) beschrieb das überströmende Glück der Einwohner Medinas: „Ich war Zeuge des Tages, an dem der Prophet (s) in Medina Einzug hielt, und ich sah keinen besseren und glanzvolleren Tag.“ (Ahmad). Auf diese Weise, liebe Geschwister, lehrt uns die Hidschra mit all ihren Stationen, dass wir nie die Hoffnung verlieren dürfen. Denn nach jedem Schlechten, das uns trifft, folgt etwas Gutes.

Lieber Muslim, nimm Dir die Hidschra zu Herzen und mach den Armen und Bedürftigen überall auf der Welt Hoffnung.

Lieber Muslim,

auch wenn Du nicht zur selben Zeit lebst, wie der Gesandte Allahs (s) und dadurch auch nicht mit ihm auswandern konntest, hast Du Deine eigene Hidschra, für die Dich Allah belohnt: halt Dich von Sünden fern und erfülle Allahs Gebote. Sei standhaft und trenn Dich von falschen Hoffnungen, sei ernsthaft in dem, was Du tust und strebe nach dem, womit Du Allahs Wohlgefallen erlangst. Wende Dein Herz ab vom Vertrauen auf diese Welt und strebe nach dem Jenseits.

Der Prophet (s) sagte sinngemäß: „Der Muslim ist derjenige, vor dessen Zunge und Hand die Muslime sicher sind, und der Auswanderer ist derjenige, der sich von dem fernhält, was Allah verwehrt hat.“ (Buchari). Allahs Gesandter (s) sagte auch sinngemäß: „Ein Gottesdienst im Tumult (der Zeit) ist wie eine Hidschra zu mir.“ (Muslim)

Arten der Hidschra

1. Die Hidschra mit Deinem Herzen:

a. Zu Allah:

– „Also flieht zu Allah, ich bin ja für euch von ihm ein klarer Warner“ (51:50).

– „Und gegen die drei, die zurückgelassen wurden, als ihnen die Erde eng wurde, so weit sie ist, und sie sich selbst eng wurden, und sie dachten, dass es keine Zufluchtsstätte vor Allah gibt außer bei Ihm, – dann wandte Er sich vergebend ihnen zu, damit sie reuig umkehren. Ja, Allah, Er ist der Vergebende, der Barmherzige.“ (9:118).

b. Zu Allahs (t) Liebe und der Unterwürfigkeit Ihm gegenüber.

c. Zu Seinem Gesandten (s), dadurch, dass Du seiner Sunnah (Beispiel) und seinen Weisungen folgst.

            2. Die Hidschra mit Deinem Körper:

a. Halt Dich fern von allem Schlechten, wie bereits beschrieben: „Der Muslim ist derjenige, vor dessen Zunge                          und Hand die Muslime sicher sind“ (Buchari).

b. Halte Dich fern von schlechten Freunden:

– „Und wenn du diejenigen siehst, die über Unsere Zeichen schwätzen, so wende dich ab von ihnen, bis sie im                         Berichten auf anderes eingehen, und wenn es dich der Teufel vergessen lässt, so sitze nicht nach dem Erinnern                         mit den unrechthandelnden Leuten.“ (6:68)

– „Und Er hat schon auf euch in der Schrift herabkommen lassen, dass, wenn ihr hört, wie an die Zeichen Allahs                       der Glauben verweigert wird und sie verspottet werden, so ihr nicht mit ihnen sitzt, bis sie im Berichten auf                             anderes eingehen, sonst wärt ihr ja ihnen gleich, Allah versammelt ja die Heuchler und die Glaubensverweigerer                       in der Hölle, allesamt“ (4:140)

Die Hidschra ist ein Weg hin zur Veränderung. Die wichtigste Art der Hidschra eines Muslims ist die mit seinem Herzen: Allah zu lieben vor allem anderen; sich Ihm zu ergeben; Allah zu vertrauen in Gottesfurcht und Gottergebenheit, zu niemandem außer zu Ihm zu beten. All das steckt in dem Vers: „Also flieht zu Allah“ (51:50).

 

Schlagwörter: , , , , , , ,


Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



Kommentare sind geschlossen.

Back to Top ↑