Stilleben Nachrichten, Informationen, Geschichte, Unglück

Veröffentlicht am 20. November 2013 | by Nadya

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Nachrichten


Ich habe keinen Fernseher. Das war eine bewusste Entscheidung, weil ich kaum Zeit dazu habe und das Programm immer sinnloser wird. Ab und zu muss ich mich dann doch darüber informieren, was in der Welt so vor sich geht. Es bleiben ja noch Zeitungen, das Internet und das Radio. Nicht unbedingt die bessere Wahl.

Manchmal frage ich mich, wer eigentlich entscheidet, welche Ereignisse es in die unzähligen Morgen-, Mittags- und Abendmagazine schaffen. Welche sind es wert, in fünf Minuten Informationsaustausch gestopft zu werden und welche enthält man der großen Masse vor? Und warum?

Heute Morgen habe ich in den Nachrichten von einem beinahe-Unglück erfahren. Eine Rentnerin war vor ihrem Fernseher eingeschlummert. In der Nacht stand ihr Bett plötzlich in Flammen; die Heizdecke war defekt. Davon einmal abgesehen, dass es wirklich wichtigere Nachrichten als diese gibt – wobei ich froh bin, dass der alten Dame alhamdulillah nichts passiert ist – muss man diese Geschichte, auch wenn sie banal ist, ins Lächerliche ziehen? Der betreffende Journalist hatte sich gewundert, bei welcher langweiligen Fernsehsendung die Frau denn nun eingeschlafen sei. Ist das der Punkt, der an das Ende einer Nachricht gehört? Ich glaube nicht.

Über die Geschehnisse auf dieser Welt zu berichten, ist schwer. Abzuwägen, was wichtiger ist als all die anderen Nachrichten, ist keine Arbeit, die man in kurzer Zeit erledigt. Wenn man aber sowieso nur fünf Minuten Zeit hat, sein Publikum auf dem neuesten Stand zu  halten, warum verschenkt man kostbare Zeit für Klatsch, Tratsch und Scherze, die keinen weiterbringen?

Manchmal habe ich das Gefühl, selbst die Nachrichtensendungen werden von Schauspielern „performt“, die sich in Szene setzen. Die Mimik stimmt, die Haltung ist einstudiert, die Frisur sitzt. Die eigentlichen Nachrichten sind Nebensache. Was wirklich in der Welt derjenigen geschieht, die nicht schön, reich und einflussreich sind, geht meist an uns vorbei.

Ich habe letzte Woche ein Foto gesehen. Darauf festgehalten ist eine riesige Aschewolke über einem Vulkan auf einer indonesischen Insel. Natürlich können wir nicht über jeden Erdrutsch und jede Lawine informiert werden. Nachrichten müssen natürlich selektiert werden, je nachdem wie wichtig der Inhalt für die Empfänger ist. Wenn in Venezuela Neuwahlen stattfinden, interessiert das Deutsche nur bedingt, die sich gerade über ihre eigene politische Führung wundern. Aber können wir nicht wenigstens verlangen, nicht für dumm verkauft zu werden?

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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