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Veröffentlicht am 2. März 2012 | by mh-Redaktion

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Meine Mutter ist gestorben

„Warum ist meine Mutter gestorben?“

Der kleine sechsjährige Junge saß mit seinem Großvater im Schatten der Dattelpalme und hatte sich ganz eng an ihn gelehnt. Seine zarte und kleine Hand hielt die rauhe Hand seines Großvaters fest und seine Gedanken trugen ihn in die Zeit als seine Mutter und ihre Magd mit den Vorbereitungen für die Reise nach Yathrib beschäftigt war.

Das war nun etwas mehr als ein Monat her. Seine Mutter hatte ihm mitgeteilt, dass sie in Yathrib ihre Verwandten besuchen werde. Zudem wolle sie auch das Grab seines Vaters besuchen. Seinen Vater hatte er verloren, zwei Monate bevor er auf die Welt gekommen war. Er hatte ihn  nie kennenglernt. Sein Vater hatte auf einer Handelsreise auf dem Weg nach Mekka in Yathrib Halt gemacht  Dort war er aber plötzlich erkrankt und unerwartet gestorben.

Auf die Reise hatte sich der kleine Junge gefreut und nachdem die Vorbereitungen für die Reise abgeschlossen waren, machten sie sich zu dritt auf den Weg nach Yathrib, seine Mutter, ihre Magd Ummu Ayman und er selbst. Seine Mutter hatte beim Verlassen Mekka ein beklemmendes Gefühl, obwohl  auch sie sich auf den Besuch ihrer Verwandten eigentlich freute. Beim Verlassen der Stadt schaute sie immer wieder zurück, so als ob sie ihre Heimat zum letzten Mal sehen würde.

Die Sonne brannte über den beiden Frauen und dem Kind, die sich in dieser heißen Jahreszeit auf die Reise begeben hatten. Mehrere Tage dauerte es bis sie endlich in Yathrib, ihrem Ziel, angekommen waren. Yathrib war kleiner als Mekka und war nicht so bedeutend wie ihre Heimatstadt. Gleich nach ihrer Ankunft waren sie zu Nabiga von den Bani Nadschaar, dem Sohn seines Onkels, gegangen. Nabiga freute sich auf die Gäste aus Mekka.

Seine Mutter weinte als sie nach Jahren wieder am Grab seines Vaters, im Garten der Verwandten, stand. Da er selbst zum ersten Mal in Yathrib war, sah er auch das Grab seines Vaters zum ersten Mal. Auch er weinte, weil er den Vater, den er nur aus Erzählungen kannte, vermisste. Seine Mutter nahm ihn in ihre Arme, umarmte ihn fest und streichelte seinen Kopf. „Du bist mein Ein und Alles“, sagte sie zu ihm.

Sie blieben etwa einen Monat in Yathrib, besuchten viele Verwandten und beteten am Grab des Vaters. Dann war es Zeit zu gehen. Sie verabschiedeten sich und traten zu Dritt den Heimweg nach Mekka an.

Etwa an der Hälfte der Strecke, in der Nähe des Dorfes Abwa, ging es seiner Mutter auf einmal nicht gut. Die Magd Ummu Ayman und er wussten nicht, was sie machen sollten. Sollten sie in Abwa Rast machen, damit sich die Mutter ausruhen und gesund werden konnte, oder sollten sie so schnell wie möglich nach Mekka zurückkehren? Aber der Zustand seiner Mutter verschlechterte sich zusehends und sie wurde von Stunde zu  Stunde schwächer. Sie konnten nicht weiterreisen. Der Schweiß rann seiner Mutter von der Stirn, und ihre Stimme war schwach und leise. Ein Gedanke schoß dem Jungen durch durch den Kopf: „Wenn auch noch meine Mutter stirbt, wer wird sich dann um mich kümmern!“. Als hätte seine Mutter seinen Gedanken gehört, nahm sie seine kleine Hand in ihre beiden Hände, drückte ihn an sich und sagte: „Hab keine Angst mein Sohn, Allah wird dich beschützen!“ Er wollte etwas sagen, aber er konnte nicht. Sein Hals war wie zugeschnürt. Er wollte nicht weinen, aber er konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Die Tränen fielen auf die warme Hand seiner Mutter. Alles um sie war still geworden:  Auf der Erde war keine Stimme, im Himmel kein Laut zu hören.

Das letzte, was sie ihm sagte, war: „Mein Junge, bring mir ein wenig Wasser.“ Er ging weg, um Wasser zu holen, aber als er zurück kam, lebte sie schon nicht mehr. Später erinnerte er sich nur noch daran, dass er „Mama, bitte stirb nicht!“, geschrien hatte. Seine Mutter war in den Armen ihrer Magd Ummu Ayman gestorben, während er beim Wasserholen gewesen war.

Seine Mutter wurde in dem Dorf Abwa begraben und er kehrte alleine mit der Magd nach Mekka zurück. Jetzt war er ohne Vater und ohne Mutter. Die Magd brachte ihn zu seinem Großvater und erzählte ihm die traurige Geschichte ihrer Reise.

Jetzt saß er mit seinem Großvater im dem Schatten eines Dattelbaumes und fragte sich, wie sein Leben wohl weitergehen sollte…

„Und dein Herr wird dir wahrlich geben, und dann wirst du zufrieden sein. Hat Er dich nicht als Waise gefunden und (dir) dann Zuflucht verschafft und dich irregehend gefunden und dann rechtgeleitet und dich arm gefunden und dann reich gemacht?“

 

Am Montag jährt sich der Todestag der Mutter unseres geliebten Propheten, an dem wir die Woche der Waisen ausrichten. Die Waisen benötigen unsere Hilfe –

Waisen, genauso wie unser Prophet (s) es gewesen war.

Rüştü Aslandur, muslimehelfen

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