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Veröffentlicht am 28. August 2011 | by mh-Redaktion

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Muharram und der Tag Aschura


Muharram – Ein bedeutender Monat

Das islamische „Hidschra-Jahr“ beginnt mit dem Monat Muharram.

Der Name „Muharram“ stammt aus vorislamischer Zeit und kommt von der Wurzel h-r-m, die „verboten, unerlaubt sein“ bedeutet. Abgeleitet bedeutet sie auch „unverletzlich, heilig sein“. Muharram war ein heiliger Monat, in dem Kriegsverbot herrschte.

Der Monat Muharram gehört zu den heiligen Monaten (al-aschhur al-hurum) des islamischen Jahres, über die Allah (t) im Koran sagt:

„Die Anzahl der Monate bei Allah ist ja zwölf Monate in der Schrift Allahs, am Tag, als Er die Himmel und die Erde geschaffen hat. Davon sind vier heilig, dies ist die rechte Religion, also tut euch selbst in ihnen kein Unrecht an…“ (9:36).

Und der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Heil seien auf ihm (s), sagte: „… Das Jahr hat zwölf Monate. Davon sind vier heilig, drei aufeinanderfolgende: Dhu’l-Qa’da, Dhu’l-Hiddscha und Muharram, und der Radschab von Mudar, der zwischen Dschumada und Scha’ban liegt.“ (Buchari)

Angesichts des hohen Ranges dieser Monate mahnt uns Allah, der Erhabene (t): „… also tut euch selbst in ihnen kein Unrecht an…“, da die Sünden in ihnen schwerer wiegen als in anderen Monaten. Doch nicht nur die Sünden wiegen schwerer, sondern auch die guten Taten. So erklärt Ibn Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm (r), über diesen Vers: „… Und Er machte die Sünde in ihnen schwerwiegender und das rechtschaffene Tun und die Belohnung gewaltiger.“ (Tafsir Ibn Kathir)

Vor diesem Hintergrund ist besonders das freiwillige Fasten im Muharram empfohlen. Der Prophet (s) sagte sinngemäß: „Das beste Fasten nach dem Ramadan ist in Allahs Monat Muharram.“ (Muslim) Diese Empfehlung bedeutet allerdings nicht, den ganzen Muharram durchzufasten, sondern lediglich viel in ihm zu fasten. Aischa (r) überliefert dazu, dass der Prophet (s), nachdem er nach Medina ausgewandert war, nur den Ramadan durchzufasten pflegte (Muslim). Der Tag Aschura nimmt als Fastentag im Muharram eine herausragende Stellung ein, doch dazu unten mehr.

Die Wortwahl des Propheten (s) „Allahs Monat Muharram“ kommt bei keinem anderen Monat vor und deutet auf seine besondere Bedeutung hin (Scharh sunan an-Nasa’i lis-Sujuti). So überliefert Ali (r), dass er einen Mann den Propheten (s) fragen hörte: „Gesandter Allahs, von welchem Monat befiehlst du mir, dass ich ihn fasten soll, außer dem Monat Ramadan?“, worauf der Prophet (s) sinngemäß antwortete: „Wenn du außer Ramadan fasten möchtest, so faste im Muharram, denn er ist der Monat Allahs. In ihm ist ein Tag, an dem Er sich einem Volk vergebend zuwandte, und an dem Er sich einem anderen Volk vergebend zuwendet.“ (Tirmidhi) Das Volk, dem Allah (t) sich vergebend zuwandte, waren die Kinder Israils, die Allah (t) vor dem Pharao errettet hat, indem Er ihn ertränkte (Tuhfat al-Ahwadhy bi-scharh dschami’ at-Tirmidhi). Der Tag, an dem dies geschah, ist der Tag Aschura.

Aschura – Ein segensreicher Tag

Der Name „Aschura“ geht auf die Zahl „zehn“ zurück (arab. ’aschara). Er bezeichnet den zehnten Tag im Monat Muharram.

Das Fasten am Tag Aschura ist die Sunna (Beispiel) unseres Propheten (s), der die Muslime dazu ermunterte.

Der Prophet (s) sagte: „… und das Fasten am Tag Aschura – ich hoffe ja darauf, dass Allah (damit die Sünden des) vorausgegangenen Jahres vergibt.“ (Muslim)* Mit dem Fasten an einem einzigen Tag, nämlich an Aschura, gibt Allah (t) uns somit aus Seiner unendlichen Gnade heraus die Möglichkeit, dass Er die Sünden eines gesamten Jahres vergibt: „… und Allah ist voller gewaltiger Gunst“. (2:105)

Als Ibn Abbas (r) nach dem Fasten an Aschura befragt wurde, antwortete er sinngemäß: „Mir ist nicht bekannt, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, auf den Vorzug des Fastens an einem Tag mehr bedacht war als an diesem Tag oder in einem Monat mehr als in diesem Monat“, womit der Ramadan gemeint war. (Muslim)

Bekannt war das Fasten an Aschura schon in vorislamischer Zeit:

Aischa (r) berichtet: „Aschura war ein Tag, an dem die Quraisch in vorislamischer Zeit zu fasten pflegten und an dem der Prophet (s) zu fasten pflegte. Als der Prophet (s) dann nach Medina kam, fastete er an ihm und trug (den Muslimen) auf, an ihm zu fasten. Nachdem dann (die Pflicht zum Fasten im) Ramadan offenbart wurde, fastete an ihm, wer wollte, und wer wollte, ließ es sein.“ (Buchari)

Aus diesem Hadith (Überlieferung) geht hervor, dass das Fasten stufenweise zur Pflicht wurde. Zunächst trug der Prophet (s) der ersten muslimischen Gemeinde in Medina auf, an Aschura zu fasten. Nachdem dann Allah (t) das Fasten im Ramadan mit den Worten „… euch ist das Fasten vorgeschrieben…“ (2:183) zur Pflicht machte, wurde das Fasten an Aschura freiwillig.

Ibn Abbas (r) berichtet sinngemäß: „Der Prophet, Allahs Frieden und Heil seien auf ihm, kam nach Medina und sah, dass die Juden an Aschura fasteten. Da fragte er (s): “Was ist denn das?”. Und sie antworteten: “Dies ist ein ehrenhafter Tag. Dies ist der Tag, an dem Allah die Kinder Israils vor ihrem Feind errettete, woraufhin Musa ihn fastete.” Da erwiderte der Prophet (s): “Ich habe mehr Anrecht auf Musa als ihr”, und er fastete an ihm und er trug (den Muslimen) auf, an ihm zu fasten.“ (Buchari)

Die Gelehrten deuten die Aussage „ich habe mehr Anrecht auf Musa als ihr“ so, dass die Muslime näher an der ursprünglichen Lehre Musas (s) und der ihm offenbarten Thora sind als die Juden, weil diese die Thora verfälschten. So gesehen haben Allahs Gesandter (s) und die Muslime mehr Anrecht auf alle Propheten (s), da sie keinen Unterschied zwischen ihnen machen, an sie alle glauben, sie alle lieben, respektieren und ehren und den Din (Lebensweise, Religion) aller Propheten (s) unterstützen, welcher die friedenmachende Ergebung in Allah (t) ist: der Islam.

In der Ausführung des Fastens gibt es im Vergleich zu den Schriftbesitzern allerdings Unterschiede. Dazu berichtet Abu Musa: „Den Juden war Aschura ein Festtag, so dass der Prophet (s) sagte: “Fastet ihr ihn!”“ (Buchari) Und Abdullah ibn Abbas (r) berichtet: „Als Allahs Gesandter, Allahs Frieden und Heil seien auf ihm, den Tag Aschura fastete und (den Muslimen) auftrug, an ihm zu fasten, sagten sie: “Gesandter Allahs, dies ist ein Tag, den die Juden und die Christen ehren”. Darauf sagte Allahs Gesandter (s): “Falls wir das kommende Jahr inscha Allah noch erleben sollten, fasten wir den neunten Tag (dazu).” Und bevor dann das nächste Jahr kam, verstarb Allahs Gesandter, Allahs Segen und Heil seien auf ihm.“ (Muslim)

Demzufolge ist es empfehlenswert, den neunten und den zehnten Tag im Muharram zu fasten, da der Prophet (s) den zehnten Tag fastete und beabsichtigte, den neunten Tag zu fasten.

Das Fasten an Aschura untergliedert sich in verschiedene Stufen: die geringste ist, dass man an Aschura fastet, die zweite, dass man den neunten Tag mit ihm fastet, und je mehr man im Muharram fastet desto besser.

Ist man sich über das Erscheinen des Neumondes vom Muharram nicht sicher, geht man – wie es die Regel ist – davon aus, dass der vorausgegangene Monat Dhu’l-Hiddscha 30 Tage hatte, und fastet dann vorbeugend den neunten Tag zusätzlich. Wer auch für den neunten Tag sicher gehen möchte, fastet den achten, den neunten und den zehnten Tag. Wenn in diesem Fall Dhu’l-Hiddscha weniger Tage hatte, hat er so den neunten und den zehnten Tag mit Sicherheit gefastet. Da aber das Fasten an Aschura nur empfehlenswert und nicht vorgeschrieben ist, sind die Muslime davon befreit, nach dem Neumond des Muharram Ausschau zu halten, so wie sie es zu Beginn des Ramadan tun müssen.

Das Fasten an Aschura steht in der Tradition des Propheten Musa (s), der an diesem Tag – im Gedenken an die Errettung vor dem Pharao – aus Dankbarkeit gegenüber Allah (t) fastete. Der Prophet Muhammad (s) führte diese Tradition fort, und auch die Muslime sind aufgefordert, dies zu tun. Denn Allahs (t) Din ist nur einer, und der Prophet Muhammad (s) wurde zu dessen Errichtung gesandt. Er kam nicht mit einer neuen Lehre, sondern bestätigte die vorausgegangenen Offenbarungen und betonte, dass die Propheten (s) Brüder sind. Sie alle haben zur friedenmachenden Ergebung aufgerufen, deren Grundlagen der Tauhid (Glaube an einen einzigen Gott) und die Aufrichtigkeit gegenüber Ihm sind. Der Prophet (s) unterstrich, dass es im Islam keinen falschen Zusammenhalt gibt, was ein augenfälliges Merkmal der Universalität des Islam und seiner allumfassenden Barmherzigkeit ist. Allah (t) bekräftigte dies mit den folgenden Worten an Seinen Gesandten (s): „Und Wir haben dich nicht gesandt, außer als eine Barmherzigkeit für die Welten.“ (21:107)

* Die Gelehrten erklären diesen Hadith wie folgt: “Die Belohnung und die Barmherzigkeit des Fastens an diesem Tag ist so viel, dass es für die Bedeckung der Sünden des vergangenen und des kommenen Jahres reichen würde.”

Wa’l-lahu a’lam wa billahi’t-taufiq.

Und Allah (t) weiß es am besten, und mit Allah (t) ist der Erfolg.

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