Stilleben

Veröffentlicht am 29. Oktober 2015 | by Soufian

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Trauer um Mohamed


Ein Junge. 4 Jahre alt. Flüchtlingskind. Er verschwand und die Hinweise auf eine mutmaßliche Entführung verdichteten sich. Nun ist die Ungewissheit, samt seinem jungen Leben vergangen.

إِنَّا للهِ وَإِنَّـا إِلَيْهِ رَاجِعونَ

“Inna lillahi wa inna ilayhi raji’un.” – “Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.” [vgl. 2:156]

Zyniker sagen jetzt, was soll die Aufregung und die Betroffenheit? Jeden Tag sterben Kinder! Besonders in Kriegsgebieten. Ja, natürlich und jedes Leben ist so wertvoll, wie die gesamte Menschheit [vgl. 5:32]. Gerade deswegen ist es menschlich die wahrhafte Betroffenheit im korrekten Rahmen auch tatsächlich zum Ausdruck zu bringen und Bittgebete zu sprechen. Alhamdulillah sind unsere Herzen, trotz der permanenten Abstumpfung und medialen Verrohung, noch nicht zu Stein geworden. Die kritisierte selektive Wahrnehmung und Würdigung von Verstorbenen ist aber auch ein Selbstschutz. Ein psychologischer Filter, der verhindert dass wir im endlosen Kummer und lähmender Trauer versinken, bis wir einen Zustand der emotionalen Verkrüpplung erreichen.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das Bewusstsein über unsere eigene Sterblichkeit. Jeder Todesfall führt uns vor Augen, dass unser Leben nur eine kurzweilige Prüfung darstellt. Dies mag auf den ersten Blick deprimierend erscheinen, aber wir müssen diesen Fakt in seiner vollen Gänze betrachten. Unser Leben ist zwar kurz, aber nicht bedeutungslos! Im Gegenteil: unsere Taten im Diesseits sind von größter Bedeutung für unser Schicksal im ewigen Jenseits.

Möge Allah den kleinen Mohamed und alle Kinder dieser Welt, die ihrer Fitra entsprechend völlig unschuldig und rein ihr Leben lassen mussten, zu den ersten gehören lassen, die das Paradies betreten werden. Und mögen die Angehörigen, insbesondere deren Eltern mit Kraft und Geduld gestärkt werden.

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Über den Autor/en

Soufian

86er Baujahr, Social Media Fuchs mit juristischem Background, marokkanischen Wurzeln und einer starken Bindung zur Moschee. Im Community Management von muslimehelfen tätig und bietet zwischen Fans und Followern Einblicke in die Gedankenwelt eines Admins.



2 Kommentare zu Trauer um Mohamed

  1. Frage an Soufian

    Lieber Autor,
    bin ich ein Zyniker wenn ich nun frage warum nur Kinder im Sinne der Fitra das Paradies ohne weiteres betreten dürfen?

    Bist Du nicht auch ebenso traurig über die Verluste der Familien von Elias oder Inga?

    Jeder (Mensch) wird im Zustand der Fitra geboren (d.h. nach der Art und Weise des Erschaffens durch Gott). Alsdann machen seine Eltern aus ihm einen Juden, Christen oder Zoroastrier.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fitra

    Mein agnostisch atheistisches Herz trauert aber um alle Kinder, egal woher sie kamen und woran sie glaubten.

    • Hallo lieber Leser,
      nein, dies macht Dich nicht zum Zyniker. Meine Formulierung war nicht als Ausschlusskriterium, sondern als Unterstreichung dessen gemeint.
      So gilt dies, wie du korrekt wiedergegeben hast für alle Menschen. Absolute Gewissheit darüber hat natürlich nur unser Schöpfer selbst.
      Auch ist der Beitrag mit seinem Bittgebet bewusst auf alle verstorbenen Kinder gerichtet. Auch für Elias, Inga und die vielen unbekannten Kinder im Schatten der Berichterstattung. Die selektive Wahrnehmung und Würdigung ist mitunter ein Punkt, den ich damit aufgreifen wollte.
      Wir bedauern das Schicksal dieser Kinder sehr und hoffen, dass die polizeilichen Ermittlungen zum Erfolg führen werden.
      Wir müssen weiterhin nach vorne blicken, den Menschen helfen, wo wir können und wünschen den Familien der Kinder viel Kraft in dieser schwierigen Zeit.
      Vielen Dank für Dein Beileid und Deine Worte!

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