Gastbeitrag Barmherzigkeit, Familie, Fleisch, Gemeinschaft, Glaube, Koran, Menschlichkeit, Opferfest, Ramadan

Veröffentlicht am 22. August 2011 | by Lieselotte

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Bildquelle: Foto by Dirk Schäfer flickr

Lieselotte erinnert sich: Ramadan von Bulgarien bis Palästina

Bulgarien und Ostdeutschland: Nur ganz wenige Muslime

Meinen ersten Ramadan als Muslimin habe ich in Bulgarien verbracht. Da war ich die einzige Muslimin weit und breit, es gab noch nicht einmal eine Moschee in meiner Stadt und ohne das Internet und meinen Computer hätte ich gar keinen Kontakt zu Muslimen gehabt. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland, ich studierte in einer kleinen Stadt im Osten des Landes, sah das ähnlich aus. Mein erster Ramadan dort war sehr einsam, im zweiten hatte ich endlich eine der wenigen muslimischen Familien der Stadt ausfindig gemacht, die mich gleich “adoptierten”. Die Familie stammte aus Algerien, hatte vor Jahren hier politisches Asyl gesucht und lebte sehr einfach in einem schon ziemlich herunter gekommenen Plattenbau. Eid feierte ich mit einem Kommilitonen aus dem Senegal und seiner Familie, der plante, nach seiner Rückkehr nach Afrika sich dort für den diplomatischen Dienst zu bewerben. Ich sass vor Massen an senegalesischem Essen und nach dem Gebet wurde laute afrikanische Musik aufgedreht.

Palästina: Ramadanbüffets und Tarawih auf dem Haram-al-Sharif

Im nächsten Jahr: Ramadan in Paris, wo ich meine Kommilitonen, von denen kein einziger Muslim war, zum Fastenbrechen in mein kleines Zimmerchen unter dem Dach einlud. Und dann: Ramadan in Palästina, wo ich wieder von einer Familie “adoptiert” wurde. Abu Qassim war Palästinenser, seine Frau Brasilianerin, die ihm vor Jahren als Fünfzehnjährige in sein Heimatland gefolgt war. Mit weissem Hijab, wie ihn die Frauen dort trugen und perfektem Palästinensisch-Arabisch fiel sie längst nicht mehr als Ausländerin auf. Sie kochte palästinensisch mit westlichem Einschlag, was mir sehr entgegen kam. Zum Fastenbrechen gingen viele der Familien auch in die Restaurants der Stadt, wo spezielle Ramadanbüffets angeboten wurden. Wir staunten ob der Menschenmassen, die sobald der Himmel sich rötlich färbte, sich aufs Büffet stürzten, sich die Teller zuschaufelten und dann doch den grössten Teil liegen liessen. Fünfzehn, zwanzig Minuten nach Ertönen des Gebetsrufes war das Restaurant wieder leer. Kein bisschen verstehen konnte ich die Männer, die sich kurz vor Ende des Fastens vor der Bäckerei um das dort verkaufte Brot fast schlugen. Da hatte man den ganzen Tag gefastet und beschimpfte sich jetzt wegen eines Stück Brots? Am Abend fuhren wir nach Jerusalem, mit unseren europäischen Pässen hatten wir kein Problem, über die “Grenze” zu kommen, und beteten Tarawih im Vorhof der Al-Aqsa-Moschee.

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Bildquelle: www.flickr.com/photos/dierkschaefer/

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