Projekte Krieg, Flüchtlinge, Libyen, arabischer Frühling, Kinderheim, Notunterkunft

Veröffentlicht am 12. Juli 2011 | by Emha

0

Libyenhilfe – Flüchtlingskinderheim

Salam aleikum, wir, eine deutsch/libysche fünfköpfige Familie, wurden am 14.4. 2011zu Flüchtlingen. Seitdem am 17. Februar die Welle der Revolutionen Libyen erfasste, machten wir uns täglich Gedanken darüber, wie es weitergeht. Nach Deutschland zurückzukehren war in Anbetracht der großen Not der Menschen zu keinem Zeitpunkt eine Option für uns. Hilfe war hier auf Djerba nicht organisiert und ist es bis heute nicht. Daher kontaktierten wir Muslime helfen e.V. Mitte April das erste Mal und schilderten unsere Eindrücke und Erfahrungen. Auch die Flüchtlingslager besuchten wir. Am 04. Mai hörten wir zum ersten Mal von Kindern, die sich ohne Eltern in einem der Lager befinden sollten. Unmittelbar danach machten wir uns auf den Weg in die Lager.

Und dort fanden wir die Kinder. Einige waren mit den Müttern, die Väter sind im Krieg, andere mit Großeltern, oder mit Nachbarn. Sie sind oft unter schlimmsten Bedingungen aus dem Krieg geflohen. Bei einigen wissen wir sicher, dass die Eltern umgekommen sind, bei anderen ist es noch unklar und kann zur Zeit nicht überprüft werden, da der Krieg noch immer wütet. Die Versorgung der Menschen in den meisten Flüchtlingslagern ist mangelhaft. Eines der Lager ist nicht einmal eingegrenzt. Wir wollten sofort handeln…wendeten uns erneut an Muslime helfen e.V. und fassten gemeinsam den Entschluss, dass wir ein Flüchtlingskinderheim ins Leben rufen werden. Das Haus konnten wir finden. Es ist mit 25 Zimmern groß genug, um vielen Kindern ein sicheres und behütetes Dach über dem Kopf zu bieten. Wir haben ein Programm erarbeitet, um den Kindern etwas anbieten zu können. Wir haben über das Internet Aufrufe gemacht und über 50 Hilfspakete mit Bekleidung, Hygieneartikeln und Spielzeug von Privathaushalten aus ganz Deutschland erhalten. Besonders wichtig ist uns, dass die Kinder nicht einfach ein Dach über dem Kopf erhalten, sondern wie Kinder leben können…dazu gehört mehr als ein Bett und eine warme Mahlzeit. Wir möchten die Kinder so behandeln, wie wir es uns für unsere eigenen wünschen würden. Wir möchten etwas anstelle der Eltern tun, die ihr Leben verloren haben, da sie es selbst nicht mehr können. Die Sicherheitslage in den Flüchtlingscamps hat die Abholung der Kinder noch nicht zugelassen. Schießereien oder Raketeneinschläge in der Nähe der Lager gehören zum Alltag. Täglich versuchen wir es erneut und hoffen darauf, bald den letzten Schritt tun zu können. Papiere und Genehmigungen haben wir beinahe komplett, leider ist selbst oder besonders im Krieg die Bürokratie ein wichtiger und fester Bestandteil der Abläufe, um einen Überblick und die Kontrolle zu behalten. In wenigen Tagen wird es so weit sein und wir werden die Kinder herzlich willkommen heißen können, inschallah Maike Tekbali       „wir möchten  helfen…irgendwie…inschallah“ – mit diesen Worten endete eine Bitte um Unterstützung, die muslimehelfen am 17. April erreichte. Sie kam von Maike Tekbali, die mit ihrem Mann und drei Kindern aus Tripolis nach Tunesien geflohen und auf Djerba untergekommen war. Dort sahen sie im Krankenhaus Verletzte „…sie haben keine Hygieneartikel und auch sonst konnten sie, ausser dem, was sie am Körper tragen, nichts mitnehmen…99% von ihnen kommen aus Misurata, wo es zur Zeit sehr schlimm steht. Sie haben keine Möglichkeit, mit ihren Familien Kontakt aufzunehmen, eines unserer Telefone haben wir ihnen gegeben, aber auch wir konnten kaum etwas mitnehmen…“. Auch wir von muslimehelfen würden Bedürftigen gern helfen, haben wir darauf geantwortet und nach konkreten Vorschlägen gefragt. In den folgenden Tagen entstand so ein Informations- und Gedankenaustausch, der dazu führte, dass muslimehelfen zunächst einmal für fünf Verletzte Transportkosten zwecks besserer Versorgung in andere Krankenhäuser bzw. Kosten der medizinischen Versorgung übernahm. Auch ein kleines Büro für Flüchtlingshilfe, das Maike Tekbali initiiert hatte, konnte mit dem notwendigen Bedarf versehen werden. Doch als Schwerpunkt ergab sich bald eine andere Frage: Was tun für die Ärmsten der Armen, die Schwächsten der Schwachen – die Kinder. Wenn von Flüchtlingen die Rede ist, wer denkt da an Kinder? Wem ist bewusst, dass Kinder auf der Flucht verlorengehen, von ihren Eltern oder Verwandten getrennt werden können, allein gelassen, sich selbst überlassen sind, von mitfühlenden Fremden, die selbst fliehen, mitgenommen werden aber auf Dauer nicht versorgt werden können? Familie Tekbali hat die Notlage solcher Kinder erkannt und sich in beispielhafter Eigeninitiative bemüht, Kleidung, Hygieneartikel und sonstigen Bedarf für sie und andere hilfsbedürftige Flüchtlinge zu beschaffen. Wir konnten helfen, indem wir die Finanzierung zur Anmietung eines passenden Hauses und die Lebensmittelversorgung bereitgestellt haben. Sie, die dies lesen, können helfen, indem Sie muslimehelfen weiterhin grosszügig unterstützen, damit das Flüchtlingskinderheim solange nötig weiter betrieben werden kann.

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,


Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



Kommentare sind geschlossen.

Back to Top ↑