Emha

Veröffentlicht am 28. September 2011 | by Emha

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Kurban – blutiges Opfer ohne Vakuumverpackung

Assalamu aleikum, gerade schaue ich wieder durch unsere Bilddatenbank auf der Suche nach einem passenden Kurbanbild und finde nur dieses eine süße Comic-Schäfchen. Ansonsten nur blutige Bilder in jeder Intensität, die dokumentieret, dass das Opfer für die Spender von muslimehelfen erbracht wurde – und mich schaudert es. Ich kann kaum hinsehen. Möchte diese Realität nicht an mich heranlassen, und nehme feige wie ich bin, das Comic-Schäfchen für meinen Blog….

Ich gebe zu, dass ich da etwas verweichlicht bin. Meine Reaktion erinnert mich an jene missratenen Teenager, die auf einschlägigen Fernsehsendern in abgelegene Elternhäuser geschickt werden, um dort zum glorreichen Abschied, bei der Schlachtung einer Ziege dabei sein müssen. Sie schreien und ekeln sich und werden zum Spontan-Vegetarier….. und die strengen Gasteltern schütteln ungläubig den Kopf.

Aber so ähnlich geht es mir auch, wenn mein Opa zum Fest wieder ein Tier selbst schlachtet, oder mein Vater einen Berg Fleisch am Id-ul-Adha-Nachmittag nach Hause bringt und meine Mama und ich versuchen müssen, diese Fleischberge in unserer Gefriertruhe zu verstauen. Da vergeht mir der Appetit auf Fleisch… da hilft auch kein: “die Tiere sind Teil unserer Nahrung” oder “Es ist unsere Pflicht am Opferfest….”. Ich sehe einfach nur dieses süße Tier, das jetzt als blutiger, roher Fleischklumpen vor mir liegt….

Ob ich sonst auch Fleisch esse?.. Ja klar…. aber das Fleisch im türkischen Supermarkt schaut einen nicht mehr an, und ich blende es leicht aus, dass hinter der sauberen Kleinverpackung mal ein Tier stand. Und ich glaube hier ist das Debakel, das mir so zu schaffen macht. Ich bin groß geworden mit süßen Häschen und drollig schauenden Comic-Tieren im Fernsehen und der Scheibe Wurst auf dem Brot. Alles schön voneinander getrennt, sauber verpackt und bloß keine Assoziation, dass das eine mit dem anderen etwas zu tun haben könnte. Wann ist man hier in Europa schon mal bei einer Schlachtung dabei: doch nur als Fernsehzuschauer, der sich über eine Dokumentation unmenschlicher Tiertransporte und gequälter Tiere aufregt. Das Fleisch in der Tiefkühltruhe bleibt anonym. Kein Wunder also, dass ich die Verbindung einfach nicht herstellen will.

In meiner vakuum-verpackten Lebensmittelwelt lebe ich hygienisch getrennt von der Realität. Man kann mir selbst Gammelfleisch und Tierquälerei untermogeln, ohne dass ich etwas davon merke. Eigentlich ziemlich feige… Mein Opa und mein Vater kennen es noch anders, genauso wie die vielen millionen Menschen, die nicht jeden Tag Fleisch auf ihrem Speiseplan haben, wie wir. Sie wissen, wenn ich Fleisch haben will, dann kostet mich das EINTier – und das ist kein Schnäppchen für 50 EUR, sondern ein Tier hat seinen Preis. Und sie suchen dieses Tier aus, haben eine engere Beziehung dazu, wie ich zu meinem eingeschweißten Hackbraten, sehen, wie es gehalten wurde, sehen den Gesundheitszustand, streichen über sein Fell. Und am Ende wissen sie, dass sie für unsere Malzeit dieses Lebewesen töten müssen. Und es ist kein feiger Fließband -Bolzenschuss, sondern ein ehrfuchtsvoller Schritt, Auge in Auge mit dem Tier und in dem Wissen, dass sie nun einem Geschöpf Allahs das Leben nehmen – Bismillah.

So erschreckend die Bilder, die ich auf meinem Bildschirm sehe, auch sein mögen. Eines ist klar: es ist die ehrlichere, mutigere und gerechtere Art und Weise, Fleisch essen zu dürfen.

Denn wenn ich schon auf meine regelmäßige Fleischmalzeit nicht verzichten möchte, dann soll es mich auch etwas kosten: mein Geldbeutel muss den Wert dieses Lebens spüren, mein Verstand muss die Qual des Tötens verstehen, und mein Herz muss die Größe des Opfers begreifen, dass dieses Leben für mich gestorben ist.

Subhan’allah

wa salam

Eure

Emha

 

 

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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