Emha

Veröffentlicht am 15. Februar 2012 | by Emha

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Kopftuch oder Hut?


Assalamu aleikum, das kennt Ihr bestimmt auch: “Warum trägst Du eigentlich ein Kopftuch?”. Diese Frage begleitet einen bei jedem neuen Kennenlernen und in jedem neuen – und manchmal auch alten-  Umfeld. Die Frage aller Fragen auf die es tausend Antworten gibt. Jede Frau wird die Frage anders beantworten und es wird trotzdem niemand verstehen, außer sie trägt selbst Kopftuch. In diesem Zusammenhang möchte ich Euch eine kleine Geschichte erzählen.

Es war einmal eine Schwester, die neu zum Islam kam und sich auch bald mit der Frage des Kopftuchs beschäftigte. Anfangs noch zögerlich, experimentierte sie mit dem Gedanken, probierte es aus und entschied sich schließlich dazu, dass sie sich damit wohlfühlte. Aber ihre Familie konnte mit der Entscheidung überhaupt nicht umgehen und redete so lange auf sie ein, bis sie schließlich so verunsichert war, dass sie auf das Drängen ihrer Verwandten nachgab und einen Hut kaufte.

Glücklich es nun allen Recht gemacht zu haben, verließ sie das Hutgeschäft mit dem Kompromiss auf ihrem Kopf und ging die Fußgängerzone entlang in Richtung Zuhause. Doch schon nach der Hälfte der Strecke wurde ihr Herz schwer. Etwas hatte sich entscheidend verändert! Die Menschen in ihrer Umgebung blickten sie nicht mehr an. Darüber hätte sie doch eigentlich froh sein sollen, denn misstrauische und verächtliche Blicke hatte sie schon seit den ersten Tagen des Kopftuchtragens erleben müssen. Aber das hatte sie noch nie interessiert, was andere von ihr hielten. Was ihr fehlte war etwas anderes. Es waren die kurzen Blicke der anderen kopftuchtragenden Frauen. Dabei kannte sie die meisten dieser Frauen gar nicht und nur die wenigsten ließen dem Blick auch ein Lächeln folgen. Aber dieser Schwester ging es nicht um das Lächeln. Es ging ihr vielmehr um diesen Sekundenbruchteil des Erkennens, das wie ein unsichtbares Band alle Geschwister im Islam verbindet. Es ist ein Band, das nicht vom persönlichen Kennen oder einem interessierten Blick geprägt ist, sondern nur von diesem kurzen Augenblick: “Du bist auch da.” Mit dem Hut auf dem Kopf war dieses stille Band des Erkennens verschwunden. Man war weder Fisch noch Fleisch. Plötzlich gehörte man nirgendwo mehr hin. Diese Schwester hat ihr Kopftuch nie mehr gegen einen Hut eingetauscht.

Und wisst Ihr warum ich gerade an diese Geschichte denken musste? Als ich gestern eines der Waisenposter in einem der Autofenster an mir vorbei fahren sah, war dieses Gefühl genauso da, wie diese Schwester es beschrieben hatte. Es war dieser kurze Moment, einen Gleichgesinnten getroffen zu haben. Jemanden, den man nicht kannte, der aber plötzlich meinem Herzen ganz nah war, Dieser Bruchteil einer Sekunde, in der man fühlte, jemanden getroffen zu haben, dem die gleichen Werte wichtig waren wir einem selbst. Nämlich auf das Schicksal der Waisen aufmerksam zu machen. Es war die Sprache der Familie…

Wer immer in diesem Auto gestern saß.

Danke, dass Du es aufgehängt hast.

wa salam

Eure

Emha

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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