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Veröffentlicht am 13. Januar 2016 | by Soufian

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Je-suis-Mania


Wo bleiben die neuen Profilbilder? Wo bleiben die Hashtags? Warum macht jetzt keiner auf #JeSuisIstanbul? Ach moment… “Je suis”  ist ja französisch! Gleich mal per Google Translator übersetzen lassen:

ichbinistanbulGoogle hatte schon bessere Tage. Lieber jemanden fragen, der türkisch spricht. Ich hab mir sagen lassen, es würde korrekt “Ben İstanbulum” heißen. Die meisten Opfer des Anschlags waren aber gar keine Türken, sondern deutsche Touristen, die eine Moschee besichtigen wollten. Zwei davon aus Mainz. Sollte man nun die Solidarität und Trauer besser in deutscher Sprache kundtun?

#IchBinIstanbul?

Zumindest kann man bei so vielen deutschen Opfern wohl damit rechnen, dass nun das Brandenburger Tor rot-weiss beleuchtet wird. Wie nein? Das ist gar nicht geplant?

Das ist ja mal wieder typisch!?! Diese Heuchler! Alle sind mit Frankreich solidarisch, aber bei der Türkei wird geschwiegen! Immer wieder die gleiche Ungerechtigkeit mit den Medien und der Politik!

+++ NEWSFLASH: Heute geschah übrigens ein weiteres Selbstmordattentat und zwar in Kamerun. Direkt in einer Moschee. 13 Tote und etliche Verletzte.  +++

Hast Du was davon mitbekommen? Wo liegt überhaupt Kamerun? Welche Sprache wird dort gesprochen? Den Namen der Stadt kennt sowieso keiner. Du siehst, es geht also noch deutlich leiser als in der Türkei. Tatsächlich bekommen wir über die Medien immer nur einen Bruchteil davon mit, was in der Welt geschieht.

Viele Menschen leiden ohne jegliche mediale Aufmerksamkeit und fühlen sich zu Recht im Stich gelassen. Wir verstehen die Emotionalität, die Wut und die Frustration. Wir sind uns dieser selektiven Wahrnehmung bewusst und steuern dem entgegen. Diese Abgrenzungen müssen wir überwinden. Wir müssen zusammenhalten und dürfen das Elend und die Trauer der Menschen nicht gegeneinander ausspielen. Schon gar nicht sollten wir über virtuelle symbolische Gesten streiten. Allein schon aus Respekt vor den Verstorbenen. Lesenswert dazu ist auch mein Beitrag über die neuen Profilbilder nach den Pariser Anschlägen.

So sind wir der Meinung, dass man nicht nur dort helfen sollte, wo die Menschen gerade hinschauen. Darum sammeln wir auch keine Spenden für bestimmte Länder, sondern immer nur für Zwecke. Beispielsweise für Notfälle oder für Waisen. Die Spenden verteilen wir dann auf alle passenden Projekten. So können wir gerecht auch in Ländern helfen, die von den Nachrichten vernachlässigt werden. Länder, die einigen sogar unbekannt sind.

Hashtags hin oder her. Letztlich macht das alles keinen Unterschied. Mensch ist Mensch. Der Ort einer Tat ist nicht erheblich und man sollte überall helfen, wo man kann.

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Über den Autor/en

Soufian

86er Baujahr, Social Media Fuchs mit juristischem Background, marokkanischen Wurzeln und einer starken Bindung zur Moschee. Im Community Management von muslimehelfen tätig und bietet zwischen Fans und Followern Einblicke in die Gedankenwelt eines Admins.



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