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Veröffentlicht am 29. Dezember 2016 | by Soufian

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Bittgebet zwischen den Jahren


In den Tagen vor dem Jahreswechsel kaufen leider viele Menschen (und darunter auch Muslime) ohne großartig darüber nachzudenken Feuerwerk in allen Formen und Farben. Raketen, Böller, Kracher, Bengalos und ganze Feuerwerksbatterien. Das ganze meist mit der Begründung, man würde das für die Kinder machen. Wie paradox dies ist, erfährst Du nachfolgend.

2015 erzielte der Einzelhandel allein in Deutschland sage und schreibe 133 Millionen Euro Umsatz mit Feuerwerksartikeln. 2016 wird der Umsatz wohl noch weiter steigen. Ich spreche also nicht von kleinen Beträgen, die manche ausgeben, sondern von einer gigantischen Summe, die bei diesem hirnverbrannten Kommerz zusammenkommt.

Vom religiösen Standpunkt her ist dies alles recht deutlich abzulehnen, da es keinerlei Basis für Silvester im Islam gibt. Das sage nicht ich, sondern die Gelehrten. Da kann jeder bei Bedarf mal den Imam seines Vertrauens fragen. Nicht mal das islamische Neujahr, welches bereits Mitte Oktober war, wird in vergleichbarer Weise gefeiert. Aber auch für viele Christen ist Silvester weit davon entfernt, was man mit christlichen Werten in Verbindung bringen würde.

Rausgeschmissenes Geld

Grundsätzlich ist jegliche Verschwendung zu vermeiden, da wir für unsere Taten und den Umgang mit unserem Vermögen Rechenschaft ablegen werden. Das heißt jetzt aber nicht, dass man keinen Spaß haben darf und wie ein Asket leben muss. Der Rahmen muss jedoch stimmen!

Erich Fried schrieb einst treffend in einem kurzen Gedicht: “Die Jungen werfen zum Spaß mit Steinen nach Fröschen. Die Frösche sterben im Ernst.”

So wird ein Pyro-Fan es sicherlich in Frage stellen, ob Feuerwerkskörper tatsächlich eine Verschwendung darstellen, da es zweifelsohne zumindest für einen kurzen Moment schön aussieht und Spaß macht. Die extreme Vergänglichkeit lässt es mir jedoch sehr schwer fallen dem etwas abzugewinnen, zumal mir dabei unabhängig vom religiösen Aspekt etliche Fakten durch den Hinterkopf gehen, die ich gerne mit Dir teilen möchte.

Klar kann man auch darüber sprechen, welche Ausgaben sonst noch als Verschwendung einzustufen sind, aber die Sinnlosigkeit einer Sache wird nicht durch die Sinnlosigkeit einer anderen Sache geringer.

Die Produktionsbedingungen

Der größte Teil des Feuerwerks wird in Fernost unter lebensgefährlich Bedingungen produziert. Auch ist Kinderarbeit dabei keine Seltenheit. Jeder sollte sich fragen, ob er dies wirklich unterstützen will. So zahlen Kinderarbeiter mit Hungerlöhnen für die Freude unserer Kinder.

Viel Krach um Nichts

Hast Du Haustiere? Dann weißt Du genau, was ich meine. Für Tiere ist die Lärmbelästigung an Silvester nämlich furchterregend. Da werden Haustiere teils mit Beruhigungsmitteln ruhig gestellt und die Nacht über umarmt, damit sie sich nicht zu sehr vor den Explosionen ängstigen. Umso absurder ist es, dass ausgerechnet Papst Silvester I., der Namensgeber des Gedenktags, der Schutzpatron der Haustiere sein soll.

Für traumatisierte Menschen und insbesondere Kinder aus Kriegsgebieten sind Kracher ebenfalls eine Zumutung und Auslöser für Zuckungen und düstere Erinnerungen an die Zustände, vor denen sie geflohen sind. Umso unverständlicher, dass hier dafür Geld ausgegeben wird.

Der Tag danach

Am Neujahrsmorgen zeigt sich dann die hässliche Seite des Feuerwerks. Der Silvestermüll auf den Straßen und Gehwegen. Normalerweise müsste sich der pyro-freudige Verursacher um die Beseitigung der Umweltverschmutzung kümmern. Dieser ist aber nicht mehr zu ermitteln. Das heißt die Grundstückseigentümer müssen sauber machen, ob sie nun selbst gefeiert haben oder nicht. Alternativ muss die Stadt mit Kehrfahrzeugen ran und die Allgemeinheit muss die Kosten tragen.

Sach- und Brandschäden durch Unfälle und Vandalismus sind ebenfalls die Regel.brandgefahr

Aber auch die Verletzungsgefahr zeigt sich jedes Jahr erneut. Blindgänger, falsche Handhabung, illegale importierte Feuerwerkskörper aus Ost-Europa mit erhöhter Sprengkraft und verirrte Raketen führen rund um den Jahreswechsel zu vollen Notaufnahmen in den Kliniken. So kommt es oftmals zu Handverletzungen durch zu frühe Explosionen, zu Gehörschäden, irreperable Augenverletzungen und Verbrennungen. So empfiehlt sich selbst für bloße Zuschauer das Tragen einer Sicherheitsbrille. In vielen Ländern bekommt man, aus rechtlichen Gründen, eine Schutzbrille sogar beim Kauf von Feuerwerk gratis dazu. Das sagt eigentlich schon alles. Man muss ja nicht mal selber die Fehler machen um den Schaden davon zu tragen, sondern es genügt wenn andere verantwortungslos handeln. Kommt noch Alkohol als Risikofaktor hinzu, sind Unfälle vorprogrammiert.

Fazit

Mag sein, dass es manchen Spaß macht, aber wir dürfen die Fakten nicht ignorieren. Wir beten jedenfalls dafür, dass niemand verletzt wird, denn dies ist das Mindeste was wir tun können. Es geht auch nicht darum als Moralapostel aufzutreten oder ein Spielverderber zu sein, es sollte nur jedem bewusst sein, was er tut oder unterlässt. Auch ist es keine Frage der Religion, Traditionen, Kultur oder der Integration, sondern eine Frage der Menschlichkeit.

Ansonsten kann ich jedem empfehlen, was sinnvolleres mit seinem Geld anzustellen, als es anzuzünden und in die Luft zu feuern. Beispielsweise eine Spende um eine bedürftige Familie im Winter mit Lebensmitteln, Winterkleidung und Brennholz zu versorgen.

ich-friere

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Über den Autor/en

Soufian

86er Baujahr, Social Media Fuchs mit juristischem Background, marokkanischen Wurzeln und einer starken Bindung zur Moschee. Im Community Management von muslimehelfen tätig und bietet zwischen Fans und Followern Einblicke in die Gedankenwelt eines Admins.



4 Kommentare zu Bittgebet zwischen den Jahren

  1. Noor

    Salam Alaikum,
    ja, das ist wohl wahr. Ich konnte die Böllerei noch nie nachvollziehen.
    Danke für den Artikel!

  2. Carmela

    Salam malaikum,ja dass ist ein schöner Artikel,es ist traurig aber wahr ,möge uns Allah jeder Fehler die wir machen verzeihen,und das die Menschen es begreifen Amin …

  3. Marwan

    “Wir sind weder entwickelt noch zivilisiert solange unglückliche Kinder auf disie Erde leben”…So Einstein…Und so der Stand der des Jahrhunderts im nahen Osten und der Rest der Welt.

  4. K. O.

    Salam Geschwister….

    Ein Punkt wurde noch nicht erwähnt….

    Die Umweltverschmutzung!!!!
    Diese ganzen Chemikalien, welche im Ausland zusammen gefügt wurden, fließen hinterher in unser Abwassersystem.
    Vielleicht sogar Tonnen!!! Ich weiß es nicht genau, aber bei der Verschwendung kann ich es mir gut vorstellen.
    Haustiere können sich wenigstens noch irgendwo verkriechen… Was ist mit den Waldbewohnern??? Oder dem Vieh auf den Weiden???
    Und dann noch die Kriegsopfer… Welch Schande… Berufsbedingt kenn ich es von den alten Menschen schon her, das die es nicht mögen. Werdenan “Bunkerzeiten” erinnert. Was ist erst mit den Opfern von heute???
    Freier Wille sag ich nur… Sehr verführerisch… Aber total sinnlos den heutigen Anlass zu feiern und zu huldigen!!!! Denkt nach… Spendet!

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