Emha

Veröffentlicht am 12. März 2012 | by Emha

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Allah, Familie, Gemeinschaft, Glaube, Muslim, Opfer, Seele

Gurtpflicht für die Seele

Assalamu aleikum, habt Ihr von den neuesten Statistiken aus dem Ländle heute morgen im Radio gehört? Das Fahren ohne Gurt hat in den letzten 2 Monaten 50 Menschen in Baden-Württemberg das Leben gekostet. Man sagt ja immer, dass im Prozess des Sterbens das Leben wie ein Film vor dem inneren Auge vorbei läuft. Der Film, der vor meinem Auge abläuft, sieht ganz ähnlich aus. Wenn ich in der Straßenbahn morgens sitze oder aus dem Busfenster blicke, sehe ich immer wieder tobende Kinder auf den Rückbänken, Kindergestalten, die sich neugierig von der Rückbank zwischen die Vordersitzlehnen drücken, um zu sehen, was vorne passiert, oder kleine Kinder, die ohne Kindersitz als Beifahrer vorne mitfahren. Ich schüttel dann innerlich den Kopf und frage mich, ob den Erwachsenen das Leben ihrer Kinder denn überhaupt nichts wert ist? Welche Vorwürfe sie sich wohl ihr Leben lang machen werden, wenn bei einem Unfall ihr Kind von Rückbank nach vorne durch die Windschutzscheibe fliegt, oder der Airbag das viel zu kleine Kind auf dem Beifahrersitz lebensgefährlich verletzt. Da wird aus Unwissen und Bequemlichkeit dann schnell ein furchbarer Schicksalsschlag in Kauf genommen. Die Polizei wird in den nächsten Monaten zurecht die Gurtpflicht wieder stärker kontrollieren.

Doch kein Blaulicht und kein netter Beamter in Uniform kontrolliert die Gurtpflicht, die auch unsere Seele haben sollte. Kein Polizeiwagen holt Dich höflich mit dem “Follow me”-Zeichen, aus dem Alltag heraus, um Dich zu fragen: “Haben Sie heute schon gebetet?”. Und es gibt auch keine Beamten, die am geöffneten Fenster höflich nachfragen: “Ihre Zakat-Plakette ist noch vom letzten Jahr?”. Die Schwierigkeit im Islam, ist die Freiheit im Glauben. Als Muslim bin ich niemandem verpflichtet als meiner eigenen Seele. Jeder ist aufgefordert an seiner eigenen Disziplin zu arbeiten. Als Geschwister helfen wir uns zwar gegenseitig, ermahnen uns freundschaftlich und halten jene, die zu taumeln drohen, fest an der Hand, damit sie nicht den Halt verlieren.

Aber am Ende muss jeder schon selbst den Gurt anlegen…

in diesem Sinne

wa salam

Eure Emha

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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