Stilleben Gnade, Unruhe, Verwirrung, alhamdulillah, muslimehelfen

Veröffentlicht am 28. Februar 2013 | by Nadya

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Gnade

Gestern Abend waren sie unruhig, die Raben in meinem Innenhof. Ein Baum steht vor meinem Fenster. Darin lassen sich häufig allerhand Vögel nieder. Ich lasse abends gern alle Fenster offen und lausche dann den Lauten um mich herum. Da habe ich sie beobachtet.

Der Trubel des Tages flaute langsam ab. Die Unruhe legte sich. Hinterm Haus bog eine Straßenbahn um die Ecke und scheuchte mit lärmender Klingel Fußgänger von den Schienen. Wahrscheinlich Jugendliche. Irgendwo bremste ein Auto scharf, die Reifen quietschten schrill. Die Kälte von draußen mischte sich langsam mit der Wärme in meiner Wohnung.

Sie landeten, die Raben, einer nach dem anderen, ließen sich in der Krone nieder und schienen bleiben zu wollen, als mit einem Mal die meisten von ihnen wie durch einen mir unhörbaren Ruf fortgelockt wurden. Manche wirkten verwirrt und flogen auf, bogen über den Dächern um, zogen an meinem Fenster vorbei und schwangen sich mit schweren Flügelschlägen davon.

Manche haben’s schwer. Eben habe ich einen Mann mittleren Alters gesehen, der einen vielleicht siebenjährigen Jungen in seinen Armen hielt und über die Straße trug. Der Junge war warm eingehüllt in Winterjacke, Wollmütze und eine flauschig anmutende Decke.

Wir haben so viel und sehen die Gnade darin nicht. Erst wenn wir Menschen begegnen, denen andere Gnaden zuteilwurden. Das Leben ist bunt. Alhamdulillah.

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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