Stilleben Glaube, Allah, Prüfung, Schwermut, muslimehelfen

Veröffentlicht am 17. Januar 2013 | by Nadya

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Glaubenssache

Die Welt lag in sanftem Weiß da: ein schüchterner Flaum nur, den ich kaum spürte, als ich darüber ging. Kahl und leer gähnen Kastanien, Eschen und Linden in der Kälte; sie haben ihr Laub abgeworfen, es liegt ihnen in Teilen noch zu den Wurzeln. Nur wenige andere trauen sich noch nicht, loszulassen.

Selbst den Vögeln schlägt die Kälte im Winter aufs Gemüt. Sie weigern sich zu singen; es machte ja auch keinen Sinn. Es fehlt mir trotzdem. Und Zaunkönige sind so selten, dass man sie schon suchen muss. Nicht nur, weil sie so klein sind.
So war es außergewöhnlich still gestern. Vielleicht weil die Sonne sich den ganzen Tag nicht hervorgetraut hat.

Der Himmel hing in leichtem Grau über der Stadt. Die Stimmung sank gen Boden. Meine auch. Schwermütig schlenderte ich ganz langsam, erschöpft und eher gelangweilt nach Hause, zog durch die Innenstadt und dachte, es wäre doch günstig, wenn ich jetzt in die Moschee gehen würde. Denn das Abendgebet stand kurz bevor. In der Moschee angekommen, wagte ich einen kurzen Blick auf die Uhr. Es war Zeit, aber niemand war dort.

Ich ließ mich auf den Boden nieder und wartete auf den Adhan, während die Wärme der Bodenheizung meine ausgekühlten Glieder wiederbelebte. Gegen ein Wintertief helfen ein in der Moschee verrichtetes Gebet und ein wenig Koran immer noch am besten.

Vor wenigen Tagen hatte ich wieder Zeit für die Moschee. Dort traf ich eine Schwester, mit der ich ins Gespräch kam. Wir denken ja häufig, wir wären die einzigen, die an sich und überhaupt am härtesten geprüft werden. Zumindest denke ich das gerne. Diese Schwester trägt auch eine Last und der Schmerz, den ihr Gesicht so aufrichtig offenlegte, tat mir weh. Am selben Abend telefonierte ich mit meiner Mutter. Auch sie erzählte mir eine traurige Geschichte einer Frau, die noch keinen Glauben hat – aber ihn inschallah bald findet. Denn wer Allah sucht, der findet Ihn. Allah verlangt von niemandem mehr, als seine Seele ertragen kann. Und manche Seelen sind wirklich stark. Das bewundere ich an ihnen. Was sie von vielen anderen unterscheidet, ist ihr tiefer Glaube. Wir können auch so werden. Wir müssen nur anfangen. Am besten sofort.

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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