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Veröffentlicht am 13. Januar 2012 | by mh-Redaktion

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Gegen das Vergessen

Gegen das Vergessen

Eines der interessanten Themen im Koran ist das Thema „Vergessen“ und „Erinnerung. „insaaan“ (Mensch) auf Arabisch wird etymologisch von „nisyaan“ abgeleitet, das auf das Verb „vergessen, unzulänglich sein“ zurückgeführt wird. Auch der arabische Begriff „nisaa’“ (Frau) wird auf den gleichen Ursprung zurückgeführt.

Es stimmt, dass die Vergesslichkeit in der Natur des Menschen liegt. Allah hat ihn so erschaffen. Das Vergessen hat seine positiven Seiten. Es wäre z.B. eine große psychische Belastung, wenn wir all die Dinge, die wir gesehen, getan und erlebt haben, nie mehr vergessen würden – besonders in Bezug auf uns selbst.

Im Koran wird das Thema „Vergessen“ in der Mensch-Gott-Beziehung auf drei Arten erwähnt:

1.) Der Mensch vergisst Allah

2.) Allah vergisst den Menschen

3.) Allah lässt den Menschen sich selbst vergessen

Der erste Bereich („Der Mensch vergisst Allah“) ist die Folge von Verweltlichung: Der Mensch vergisst Allah, das Jenseits und allgemein die religiöse Lebensweise und verfällt in den Zustand von Selbstgefälligkeit und Hochmut. Er ist gänzlich auf das diesseitige Leben ausgerichtet, verliert keinen Gedanken in Bezug auf Abrechnung und Rechenschaft gegenüber seinem Schöpfer.

Auffällig ist, dass der Koran die Heuchler und Frevler als die Prototypen von Menschen präsentiert, die Allah vergessen haben: „…Sie haben Allah vergessen, und so hat Er sie vergessen. Gewiß, die Heuchler sind die (wahren) Frevler.“ (9:67)

Demnach wird der Mensch, der Allah vergessen hat, die Grenzen Allahs (hududullah) nicht achten und sich selbst irgendwelche eigene Grenzen setzen oder überhaupt keine Grenzen achten. Das beeinträgt im höchsten Maße die Beziehungen des Menschen zu anderen und die Verhaltensweise des Menschen gegenüber der übrigen Schöpfung. Sie werden zu Menschen, die Gott (nicht mehr) fürchten, Seine Grenezen nicht achten und sich nicht in Seinen Schutz begeben wollen.

Wenn der Mensch Allah seinen Herr vergisst, dann „vergisst“ Gott sein Geschöpf. Das ist der zweite Fall. Was ist aber damit gemeint, dass Allah „vergisst“? Uns ist klar, dass Allah alles weiß und selbst der Dinge gewahr ist, die in unseren Herzen und Gedanken sind. Ihm ist nichts verborgen und bei Ihm wird nichts verlorengehen, denn alles ist aufgezeichnet. Am Tage der Abrechnung werden diese Aufzeichnungen offengelegt.

Das bedeutet, dass Allah sich nicht mehr um den Menschen kümmert, sich von ihm abwendet und ihn „ignoriert“. Das ist die Konsequenz des bewussten „Vergessen Allahs“ durch den Menschen. Allah reagiert auf das, was der Mensch beabsichtigt und vollzieht. Die Initiative geht also vom Menschen aus, Allah „reagiert“ darauf nur auf eine angemessene Weise.

Der Mensch handelt dann so als gäbe es Allah nicht. Allein dieser Gedanke ist erschreckend. Denn Allah sagt, dass der dem Menschen näher ist als seine Halsschlagader! Die Bindung zu Allah zu kappen ist genauso als würde jemand die eigene Halsschlagader durchtrennen. Dies wäre nichts anders als sicherer Selbstmord! So kann sogar ein ganzes Volk seinen eigenen Untergang einleiten:

„...Aber Du ließt sie und ihre Väter genießen, bis sie die Ermahnung vergaßen und zu einem Volk des Niedergangs wurden.“ (25:18)

Sie schneiden sich somit selbst von der Barmherzigkeit, Gnade und Versorgung Allahs ab und Allah lässt das zu. Damit vergißt sie Allah. Auch am Jünsgten Tag werden diese Folgen zu spüren sein:

Und es wird gesagt: „Heute werden Wir euch vergessen, wie ihr die Begegnung mit diesem eurem Tag vergessen habt. Euer Zufluchtsort ist das (Höllen)feuer, und ihr werdet keine Helfer haben.“ (45:34)

Der dritte Fall ist, wenn Allah den Menschen sich ihm selbst gegenüber vergessen lässt. Das führt Selbstentfremdung des Menschen. Allah hat den Menschen in einem bestimmten „göttlichen Format“ erschaffen, das ist die natürliche Veranlagung des Menschen, das im Koran mit „fitrah“ bezeichnet wird. Solange der Mensch in diesem Rahmen agiert, solange ist er im Rahmen dessen, was Allah zufriedenstellt und die Bindung zu Ihm aufrechterhält. Wenn aber Allah den Menschen sich ihm selbst gegegenüber entfremdet, dann wird das Bewusstsein, das Gewissen und das Verantwortungsgefühl des Menschen erheblichen Schaden nehmen. Er hat dann keine innere Ruhe mehr und sein Leben ist aus den Fugen geraten, auch wenn er materiell versorgt und einen hohen Lebenstandard besitzt.

Damit Allah uns vor diesem Schicksal beschützt, müssen wir sehr wachsam sein und Massnahme dagegen ergreifen: das erste ist es Allah um Schutz vor diesem Schicksal zu bitten:

Unser Herr, belange uns nicht, wenn wir (etwas) vergessen oder einen Fehler begehen.“ (2:287)

Die zweite Maßnahme möchte ich inschallah bei meinem nächsten Blogbeitrag behandeln.

Rüstü Aslandur, muslimehelfen

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Die Redaktion von muslimehelfen berichtet regelmäßig über die Arbeit von muslimehelfen. Informationen zu den Projekten und Kampagnen, aber auch Wissen & Tun Artikel werden im Namen der mh-Redaktion verfasst.



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