Projekte Fremd, Flüchtlinge, Flüchtlingslager, Muhadschirun

Veröffentlicht am 25. Mai 2014 | by Nadya

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Fremd auf dieser Welt

Seine (s) eigenen Verwandten wollten ihn töten. Mit seinem engsten Vertrauten (r.a.) machte er sich auf den Weg in eine neue, sichere Stadt. Dort wurde er (s) nicht nur empfangen, sondern herzlich willkommen geheißen. Die Menschen jubelten, sie sangen und spielten auf Trommeln, als sie ihn (s) schon von Weitem sahen. Der Gesandte Allahs (s) fand gemeinsam mit hunderten anderer Muslime in Yathrib Schutz und mehr noch: Sie fanden ein neues Zuhause. Die ganze Stadt wurde umbenannt in den Namen, unter dem wir sie heute kennen, Madinatun Nabi, oder kurz Madina.

Bevor die frühen Muslime aus Mekka geflohen sind, wurde ihnen das Leben dort zur Hölle gemacht. Sie wurden aus der Gesellschaft ausgestoßen. Niemand durfte ihnen helfen, weder mit Essen, Kleidung oder auf irgendeine andere Art. Wie ihnen damals geht es heute vielen Muslimen. Und wie die Muhadschirun damals, die, die ausgewandert waren, bauen sie heute auf die Hilfe ihrer Ummah.

Im Nachhinein sagen viele, dass es ein großer Fehler war, den Assuan-Staudamm zu bauen. Nur, das ändert jetzt nicht mehr. Denn das Land ist überflutet, das einmal Heimat von so vielen war. Sie lebten am Nil oder an den Seen Oberägyptens: Nubier, die wegen des Staudammes in Wüstendörfer umgesiedelt wurden. Keiner hatte sie gefragt. Mit einem Mal waren sie heimatlos im eigenen Land. Früher waren sie Fischer. Aber in der Wüste gibt es keine Arbeit für sie. Die Älteren fühlen sich fremd, die Jüngeren wollen raus aus der Wüste.

In Grozny geht es zahlreichen Familien ähnlich. In der Hauptstadt Tschetscheniens leben sie als Flüchtlinge im eigenen Land in Flüchtlingslagern. Sie haben nicht nur kein Heim, sondern auch keine Arbeit. Das Leben ist trostlos, wenn Tag voller Machtlosigkeit dem anderen gleicht. Nachbarschaftshilfe und die Gemeinschaft an sich sind dort sehr wichtig. Das haben sie sich bewahrt.

Manchmal denkt man, es geht nicht schlimmer. Doch dann lernt man andere Menschen kennen. Im letzten Ramadan war ihr Schicksal gut genug für die Medien. Jetzt interessiert es kaum einen mehr. Dabei leben noch immer Rohingya in Thailand, die liebend gerne wieder zurück wollen, aber es nicht können. Inschallah wird es ihnen gehen, wie den frühen Muslimen, die nach langem Exil schließlich nach Mekka zurückkehrten.

Am Ende spielt es keine Rolle, wo wir leben. Spätestens wenn wir gestorben sind, werden wir alle Fremde sein.

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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