Emha

Veröffentlicht am 23. Januar 2012 | by Emha

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Die Frauen in Kambodscha – Zübeyde hat sie besucht

Assalamu aleikum, ende Dezember war meine Kollegin Zübeyde auf Dienstreise bei den mh-Projekten in Kambodscha und was sie erzählte war so ergreifend, dass ich es Euch unbedingt mitteilen möchte:

Emha: “Also, erst einmal: Normalerweise bist Du Mrs. Secret. Kaum einer kennt Dich von unseren Spendern. Möchtest Du Dich kurz vorstellen und erzählen, was Deine Aufgaben bei muslimehelfen sind”

Zübeyde: “Ich bin Zübeyde und ich bin bei muslimehelfen die Project Admin, d.h. ich bin für die Projektverwaltung und die Assistenz der Projektleitung zuständig. Sozusagen das Backoffice der Projektabteilung.”

Emha: “Kannst Du Dich noch an Deine erste Reaktion erinnern, als Du erfahren hast, dass Du nach Kambodscha reisen solltest.

Zübeyde lächelt: “Meine erste Reaktion war Verwunderung, denn gerade am Tag zuvor hatte der Büroleiter mich angesprochen, welche der Projekte ich besuchen wollte. Er hatte wohl an Albanien gedacht, ich äußerte den Wunsch nach Kambodscha zu fahren. Und – subhan’allah – genau am Tag danach schlug Ahmed von Denffer ganz unabhängig von unserem Gespräch eine Reise nach Kambodscha vor. Und so war meine erste Reaktion, Überraschung und Verwunderung.”

Emha: “Welchen Zweck sollte Deine Reise verfolgen und mit welchen Erwartungen bist Du dorthin geflogen?”

Zübeyde: “Mein wichtigstes Anliegen bei dieser Reise war für mich die Arbeit. Vorab erstellte ich mir eine detaillierte Liste, die ich zuverlässig abarbeiten wollte. Eines wollte ich auf keinen Fall, dass mich die vielen Eindrücke zu sehr ablenkten. Es war eine Dienstreise und sie sollte zu 100% den Projekten dienen und nicht meinem Entertainment. Aber ich wollte auch begreifen, wie die Menschen in Kambodscha lebten, den Kontext ihrer Sorgen verstehen und wollte über die reine Arbeit hinaus, alles weitere mit Dankbarkeit aufnehmen.”

Emha: “Bei der Ankunft, am 25.12.2011, was war für dich der erste gravierende Unterschied zu Europa, der Dir ins Auge fiel?”

Zübeyde: “Vom Flughafen mussten wir erst ein Stück mit dem Auto zum Hotel fahren. Diese kurze Fahrt hielt mir ein unfassbares Ungleichgewicht in der Gesellschaft Kambodschas vor Augen. Auf der einen Seite standen dort glitzernde Hochhäuser und gleich daneben Armut in allen Fazetten.”

Emha:”Und warum helfen dann die Reichen nicht den Armen in dem Land?”

Zübeyde: “Ich kenne die Gründe dafür nicht genau, denn in 3 Tagen kann man ein derartig tiefgreifendes Ungleichgewicht nur erahnen. Aber eines fiel mir auf. Der Reichtum war auf Seiten der Ausländer, die sich in Kambodscha einkauften, während die Einheimischen abgeschlagen als einfache Arbeiter oder in Armut blieben. Durch das Regime der Roten Khmer war in den Jahren 1975-79 die Bildungsschicht fast komplett ausgelöscht worden. Jetzt können die Kambodschaner mit der schnellen Modernisierung kaum Schritt halten und fallen zurück – in ihrem eigenen Land.”

Emha: “Bei der Besichtigung der Projekte. Welches waren Deine Kriterien, um den Erfolg der Hilfe zu messen?”

Zübeyde: “Ich selbst messe den Erfolg nicht. Das erfolgt durch Ahmed von Denffer. Meine Aufgabe war es, Eindrücke zu sammeln und zu überprüfen, ob die Mittel entsprechend dem beantragten Verwendungszweck verwendet worden waren. Kurz: Ist das Geld dort angekommen, wo es ankommen sollte.”

Emha: “Und wie reagierten die Projektempfänger auf Dein Erscheinen?”

Zübeyde: “Unterschiedlich. Meistens war mein Besuch angekündigt und die Empfänger waren darauf vorbereitet. Mit einer Begleitung von 10 Leuten offiziell durch ein Armenviertel zu gehen, brauchte dagegen kaum Ankündigung. Das war auffällig genug und sprach sich schnell herum. Umso wichtiger war es für mich, neutral zu bleiben. An vielen Stellen hätte ich gerne sofort geholfen, aber als Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, musste ich jede meiner Worte und Taten gut wählen, um nicht Hoffnungen zu wecken, die später vielleicht nicht umsetzbar wären.”

Emha: “Das verstehe ich nicht ganz. Jemandem zu helfen, wäre doch privat kein Problem?”

Zübeyde: “Ich versuche es Dir zu erklären. Beispielsweise traf ich eine alte Frau, die sich um 3 Waisen kümmert. Sie ist arm – sehr arm – und wird von ihren Nachbarn mitversorgt. Ich hätte ihr gerne 50-100 EUR privat gegeben, um ihre Versorgung für die nächsten Wochen damit zu sichern, aber alle Blicke waren auf meine Handlungen gerichtet. Hätte ich ihr in diesem offiziellen Rahmen geholfen, dann hätte es Missgunst und Unverständnis bei den anderen bedeuten können oder auch Hoffnung wecken können selbst etwas zu bekommen. Denn in jedem Haus ist eine Geschichte zu finden, die der dieser Frau ähnelt.”

Emha: “Das heißt wenn man ihr helfen will, muss man allen helfen, damit das System funktioniert? Verstehe. Was hat Dich denn am meisten erschüttert auf dieser Reise?

Zübeyde: “Allgemein oder speziell bei den Projekten?”

Emha: “Allgemein!”

Zübeyde: “Auf meiner Reise besuchten wir eine Gedenkstätte. Es war eine ehemalige Schule, die die Roten Khmer während ihrer Herrschaft in eine Folterstätte umfunktioniert hatten. Die Bilder, Gegenstände und Erinnerungen, die dort ausgestellt waren, gehen mir noch heute nach. Es passierte 1979 – im Jahr meiner Geburt und die Familien, die von dieser Folter betroffen waren, leben noch heute. Der zweite Weltkrieg ist für mich weit entfernt, aber dieser Ort des Quälens, diese zeitliche Nähe dazu, ist für mich erschütternd und ein extremer Kontrast zur Gesellschaft jetzt.”

Emha: “Und was gefiel Dir auf dieser Reise am Besten?”

Zübeyde: “Der Fleiß und die Zielstrebigkeit der Menschen beeindruckte mich. Sie haben nichts, aber sie schaffen es aus diesem Nichts kleine Schritte voran zu gehen, etwas daraus zu entwickeln. Und der soziale Zusammenhalt der Nachbarn, die wirklich Wand an Wand leben. Dort gibt es keine Geheimnisse und sie helfen einander, auch wenn sie nichts haben.”

Emha: “Mit welcher Botschaft kehrst Du zu uns zurück?”

Zübeyde: “Die einfachen Menschen in Kambodscha gehen allen möglichen Arbeiten nach um zu überleben, während wir anderen in den verhältnismäßigen “Luxus” hineingeboren werden versorgt zu sein. Das zeigt, dass nichts vom eigenen Bestreben abhängt, sondern alles ist eine Gnade, eine Gabe von Allah an uns, die wir mit Dankbarkeit erwiedern sollten.”

Nachdenklich beende ich dieses Interview.

Ja, Zübeyde hat Recht. Wir haben in Europa das Glück verhältnismäßig gut leben zu können. Wir arbeiten hart dafür. Aber die Frauen in Kambodscha oder an anderen Stellen dieser Welt, arbeiten ebenfalls hart, doch ein Luxus stellt sich nur sehr selten ein. Meistens ist es ein Stand des Überlebens, der weit von dem entfernt ist, was wir zum Überleben für notwendig halten. Und sie sind über das Erreichte dankbar.

wa salam

Eure

Emha

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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