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Veröffentlicht am 28. Juni 2010 | by Emha

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Das Fasten: Eine Medizin für den Körper


Das Fasten ist seit Urzeiten als Heilmethode bekannt und wurde in nahezu allen Hochkulturen praktiziert. Schon durch unseren Ramadan wird deutlich, wie hoch diese hervorragende Heilmaßnahme geschätzt wird, aber auch durch die Fastenzeit bei den Christen und Jomkipur bei den Juden. Fasten – das hat etwas mit Religion zu tun, mit der Bindung an einen Gott. „Durch das Fasten des Leibes erhöhst du den Geist,“ heißt es in der Bibel. Doch wo man sich von Gott entfernte, wo er nur noch Symbol ohne Inhalt und ohne Verpflichtung wurde, da schränkte man auch das Fasten ein oder unterließ es völlig.

 

Das beste Beispiel dafür ist die heutige christliche Gesellschaft. Selbst in der sonst konsequenten katholischen Kirche hat man das Fasten so gut wie abgeschafft. Was man dort heute noch als Fasten bezeichnet, hat mit dem ursprünglichen Sinn und Zweck nichts mehr zu tun. Selbst der Freitag, der früher im Christentum ein Fastentag war, ist heute ein Wochentag wie jeder andere.

 

Was aber ist nun das Fasten vom medizinischen Standpunkt aus gesehen? Ich sagte schon, es ist eine Heilmethode. Der fastende Mensch findet zurück zur inneren Ruhe. Sein Nervensystem und die Funktionen der inneren Organe – Magen, Darm, Leber, Nieren und andere – arbeiten wieder normal. Seele und Geist werden freier. Fasten – das heißt aber auch, sich zurückzuziehen aus dem Alltag, vom Stress, von der Arbeit. In einer Zeitung las ich einmal folgende Überschrift: „Im Ramadan hat ganz Ägypten die 35-Stunden-Woche.“

 

Früher gingen die Propheten (as) und Asketen in die Wüste, um zu fasten und um zu meditieren. Wer die Wüste je erlebte, ihre Einsamkeit, ihre Sprache und die Nähe zu Allah, die sie vermittelt, kann das verstehen. Zum Fasten gehört eine Entfernung vom Alltag und ein möglichst naher Kontakt zur Natur. Fasten ist eine religiöse Übung für uns, durch die wir Weisheit und Frieden erlangen und durch die wir die Beherrschung unseres Körpers erlernen wollen.

 

Mehr als die Hälfte aller Menschen in den sogenannten zivilisierten Ländern stirbt an den Folgen von Wohlstandskrankheiten. Rasant angestiegen sind in den vergangenen drei Jahrzehnten vor allem die Zuckerkrankheit, Herz- und Kreislaufleiden, die Gicht und rheumatische Erkrankungen. Bei all diesen Krankheiten wirkt die überhöhte Kalorienzufuhr als Auslöser. Denn führt der Erkrankte seine Ernährungsgewohnheiten wieder auf eine gesunde Basis zurück, verschwindet auch bald sein Leiden. Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder Gicht kannte man nicht in den Zeiten während und unmittelbar nach dem letzten Kriege, als jeder Diät leben musste, da Lebensmittel knapp und Genussmittel unerschwinglich waren.

 

Essen und Nichtessen sind wie Wachen und Schlafen, wie Anspannung und Entspannung. Es sind Pole, zwischen denen sich unser Leben abspielt. Essen am Tage und Fasten in der Nacht sind zum selbstverständlichen Lebensrhythmus geworden, so dass kaum noch jemand darüber nachdenkt. Nur wenn wir vielleicht abends spät noch gegessen haben und uns dann morgens der Appetit fehlt, fällt uns das auf. Das ist aber doch nur ein Zeichen dafür, dass für den Körper die Fastenzeit der Nacht noch nicht beendet ist. Die Engländer sprechen vom „breakfast“, vom Fastenbrechen. Wer aber in der Nacht nicht fastete, muss auch am Morgen danach nicht frühstücken, kein „breakfast“ einnehmen.

 

Der normale Tagesverlauf umfasst 12 bis 14 Stunden für das Wachen, für die Arbeit, für die Nahrungsaufnahme, für Aktion und Reaktion. 10 bis 12 Stunden umfasst die Nacht, in der der Stoffwechsel, der Abbau, Umbau und Aufbau der Körpersubstanzen stattfindet, die wir mit der Nahrung aufgenommen haben. In der Fastenzeit der Nacht beschäftigt sich der Mensch mit sich selbst, er schläft, ist still und ruht. Ruhe, Geborgenheit und Wärme sind die Voraussetzungen für jedes Fasten. Ruhe, die die Gewissheit gewährt, dass wir unter Allahs Schutz stehen, dass wir in Ihm geborgen sind.

 

Bei vielen Krankheiten hat der Mensch kein Verlangen nach Nahrung. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Aufnahme von Speisen den Organismus nur unnötig belasten würde, wodurch eine Heilung verzögert oder verhindert wird. Fasten ist also auch eine körpereigene Selbstheilungsmaßnahme. In der 2. Sure des Koran heißt es (in freier Übersetzung): „O die ihr glaubt! Fasten ist euch vorgeschrieben, (…) auf dass ihr euch schützt.“ (2:183)[1]

 

Kranke Lebewesen tun also instinktiv das Richtige: Sie fasten. Es wäre völlig falsch, einen Kranken, der keinen Appetit hat, zum Essen zu überreden. Der kranke Organismus benötigt für die Gesundung Zeit und Kraft. Die erforderliche Energie für die Wiederherstellung der Gesundheit gewinnt er aus den Nahrungsdepots. Dadurch, dass er fastet, erspart er sich die Verdauungsarbeit, die normalerweise ein Drittel des gesamten Energieaufwandes beansprucht. Diese eingesparte Energie verwendet der Organismus, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

 

Für den gesamten Menschen aber ist das Fasten die beste Möglichkeit, sich selbst vor Krankheiten zu bewahren:

 

* Es hat eine sehr starke und vernichtende Wirkung auf in den Körper eingedrungene, krankmachende Bakterien.
* Es hemmt die Vermehrung von Viren.
* Es erhöht die Abwehrkraft des Blutes und der Zellen. Es steigert die Ausscheidung von Gift- und Krankheitsstoffen.

 

Kraft, Schnelligkeit und Denkvermögen hängen keineswegs direkt vom Essen ab. Der Volksmund sagt: „Ein fauler Bauch studiert nicht gern.“ Der Nüchterne denkt besser und schneller. Kein Sportler erbringt Höchstleistungen, wenn er vor dem Start gegessen hat. Es ist möglich, viele Wochen ohne feste Nahrung auszukommen und zu überleben und dabei noch große körperliche Leistungen zu erbringen.

 

Dafür ein Beispiel:

 

In Schweden unternahmen 20 Männer einen Marsch von 500 km in 10 Tagen. Sie marschierten also jeden Tag 50 km. Während dieser Zeit nahmen sie keine feste Nahrung zu sich. Sie tranken nur Obstsaft und etwa drei Liter Wasser pro Tag. Der betreuende Arzt bestätigte dann auch, dass die Männer trotz Gewichtsverluste von 5-7 kg prächtig aussahen, bei bester Laune waren und keineswegs erschöpft wirkten. Sie waren im Gegenteil mit einem Zuwachs an Kraft und Ausdauer am Ziel angekommen. Fasten fördert also nicht nur die geistige, sondern auch deutlich die körperliche Leistungsfähigkeit.

 

Wie fastet man aber richtig?

 

Dazu sollte man wissen, dass das Fasten nicht schädlich ist. Man sollte aus freiem Willen den Entschluss zum Fasten fassen und nicht deshalb, weil es mir vielleicht mit Strafandrohung vorgeschrieben wird. Der Islam ist gewiss die humanste Religion, und er zwingt den Muslim nicht, Dinge zu tun, die er nicht zu leisten vermag oder die vielleicht sogar schädlich sein könnten. Zum Fasten heißt es in der Sure Al-Baqara: „Und Fasten ist gut für euch”.

 

Der Entschluss, mit dem Fasten zu beginnen, baut sich auf der Erkenntnis auf, dass wir damit einen natürlichen Weg beschreiten und dass wir damit unserem Körper und der Seele etwas Gutes tun. Das bedeutet aber auch, dass wir Vertrauen gewinnen, dass der Körper weiterhin normal funktionieren wird, auch ohne dass ihm Nahrung zugeführt wird. Aus dem Wissen, dass Leben auch ohne Nahrung möglich ist, gewinnt der Fastende die innere Sicherheit, die von den Nichtkennern des Fastens immer wieder bewundert wird.

 

Jeder Mensch trägt die Fähigkeit in sich, auf das Fasten umschalten zu können. Man muss diese Erfahrung nur immer wieder üben und ihre Vorteile erkennen. Der fastengeübte Körper schaltet schneller um, sobald Nahrung fehlt, als der fastenungeübte. Das haben wir Muslime den anderen voraus. Der Verzicht auf eine oder mehrere Mahlzeiten am Tag ist für einen fastenerfahrenen Körper überhaupt kein Problem. Damit ist auch selbstverständlich, dass das Fasten als ein Leben ohne feste Nahrung ein natürlicher Bestandteil unseres Daseins ist. Seltsam ist nur, dass dieses Prinzip den meisten Menschen nicht bekannt ist, obwohl alle Religionen und Kulturen auf die Notwendigkeit und Heilkraft des Fastens hinweisen. Im Gegenteil, man hat viele Vorurteile: dadurch würde die Leistungsfähigkeit vermindert; es könnte zur Krankheit, ja zum Tode führen.

 

Würde man sich in der Natur umschauen, man würde eines Besseren belehrt.

 

Wochen- und monatelanges Fasten gehört zum normalen Jahresrhythmus vieler in freier Wildbahn lebender Tiere. Nur so können sie in der nahrungsarmen Zeit überleben. Man denke an den Winterschlaf und die Winterruhe vieler Tiere, die in dieser Zeit keinerlei Nahrung zu sich nehmen, nicht einmal Flüssigkeit! Zugvögel nehmen während ihrer wochenlangen Reisen wenig oder gar keine Nahrung zu sich, und sie bewältigen so Nonstop-Flüge bis zu 5.000 km Länge. Wölfe können tage- und wochenlang ohne Nahrung auskommen und dabei auf der Beutesuche sehr weite Entfernungen zurücklegen.

 

Ähnlich wie die Tiere so ist auch für den Menschen die angeborene Fähigkeit, gespeicherte Nahrungsenergie zu nutzen, eine biologische Notwendigkeit zum Überleben. Ganze Völker wären ohne diese Fähigkeit ausgestorben. Wie seit Jahrtausenden, so leben noch heute die Ureinwohner Australiens und Afrikas angepasst an ihre kärgliche Umwelt. Oder man denke an die Beduinen, die in einer, wie man oft meint, lebensfeindlichen Wüste existieren können. Es gibt in den Wüsten Arabiens auch heute noch Stämme, die so leben, wie es ihre Vorväter seit Jahrtausenden taten: bescheiden, einfach und unter erheblichen Einschränkungen, so würde es ein verwöhnter Mitteleuropäer sehen. Die Hauptnahrungsmittel der Wüstenbewohner sind Datteln und Kamel- oder Ziegenmilch. Fleisch ist eine Seltenheit. Aber hier habe ich nie die Zivilisationskrankheiten angetroffen, die uns plagen: Rheuma, Diabetes, Herz- und Kreislaufleiden und Krebs.

 

Irgendwo las ich einmal: Der Weg bis zum Verhungern ist weit. Typisch ist die Geschichte des alten Kulturvolkes der Hunza im Himalaja. Bis vor wenigen Jahrzehnten lebten sie völlig abgeschlossen von der Außenwelt. Oft erbrachten ihre Äcker nicht genügend Nahrung, um die Menschen das ganze Jahr über zu ernähren. Bis die Gerste im März reifte, fastete das ganze Volk wochenlang, mitunter sogar zwei Monate. Die Hunzas blieben dabei aber fröhlich und zufrieden, sie leisteten in dieser Zeit die Arbeit des Jahres. Sie machten ihre Feldarbeit, und sie erneuerten die durch Lawinen zerstörten Bewässerungsgräben. Aber sie kannten keinen Arzt und sie brauchten keine Polizei. Ihr Leben spielte sich nach natürlichen Verhaltensregeln ab. Jetzt ist das Tal zugänglich geworden, und die Touristen kamen. Die Hunza-Männer gingen als Arbeiter und Soldaten nach Indien. Haltbare Nahrungsmittel – Zucker, Weißmehl und Konserven – werden importiert. Das Volk muss nicht mehr hungern. Hungern? Es muss nicht mehr fasten, wäre richtiger. Seither gibt es im Hunza-Land auch die typischen Zivilisationskrankheiten: Zahnfäule, Blinddarmentzündungen, Gallenleiden, Übergewicht, Erkältungen, Zuckerkrankheit, um nur einige zu nennen, die früher unbekannt waren. Die Hunzas brauchen jetzt den Doktor und auch die Polizei. Denn die Gesundheit ihres Körpers, ihres Verhaltens und ihrer Seele ist zerstört.

 

An der Geschichte des Volkes der Hunza erkennen wir auch den Sinn des religiösen Fastens. Der Mensch dankt damit Gott dafür, dass er überleben und satt werden durfte. Fasten ist der Weg, zur inneren Ordnung zu finden, den Weg zu erkennen, der uns zu Allah führt. Die großen Propheten Musa, Isa und das Siegel aller Propheten Muhammad (as) haben in langen und freiwilligen Fastenzeiten und in der Einsamkeit den Ruf und die Botschaft Allahs erfahren. In der 2. Sure Al-Baqara heißt es:

 

„Der Monat Ramadan ist der, in welchem der Koran herabgesandt wurde: eine Weisung für die Menschheit, deutliche Beweise der Führung und göttliche Zeichen.“ (2:185)

 

Wer aber begreift denn heute noch diesen Sinn des Fastens, des einsamen Fastens, des freiwilligen Verzichts auf Nahrung? Man empfindet das Fasten nicht mehr als göttliches Gebot, sondern als Zwang, und das ruft Unwillen und Widerstand hervor. Man sucht nach Ausreden und Auswegen, um sich dem göttlichen Gebot des Fastens nicht mehr unterwerfen zu müssen. Die Fastenermahnungen der christlichen Kirchen wurden umgangen und durchlöchert, nicht erst in jüngster Zeit. Im Mittelalter braute man Starkbier als Fastenspeise. Da man Fleisch von Landtieren nicht essen durfte, erklärte man den Biber, da er im Wasser lebte, kurzerhand zum Fisch, da Fische erlaubt waren. So verwundert es nicht, wenn das Urbild des christlichen Mönches ein beleibter, rundlicher Klosterbruder ist. Ob sein Übergewicht der Gesundheit, sein Alkoholkonsum Magen, Leber und Darm zuträglich waren? Die ersten Bierbrauer waren Mönche, und die Klöster pflegten den Weinbau.

 

Was also bedeutet Fasten wirklich?

 

Es ist eine naturgegebene Form menschlichen Lebens. Fasten ist eine Verhaltensweise von selbstständigen Menschen, die sich frei entscheiden können. Fasten betrifft den ganzen Menschen, jede einzelne Körperzelle, seinen Geist und seine Seele. Fasten ist die beste Möglichkeit, in Form zu bleiben oder wieder in Form zu kommen. Außerdem hilft es jedem Menschen, seine Lebensweise zu ändern, falls das notwendig ist.

 

Es gibt einige Grundregeln des Fastens, die der Fastende beachten sollte:

 

* Niemals Alkohol (für den Muslim kein Problem) zu sich nehmen. Getränke nur in Form von Tee, Gemüsebrühe, Obst- oder Gemüsesäfte und Wasser und zwar soviel der Durst verlangt. Die durch das Fasten gelösten Schlacken müssen aus dem Körper hinausgespült werden.
* Alles weglassen, was nicht lebensnotwendig ist: Nikotin, Süßigkeiten. Alkohol und Kaffee. Medikamente, soweit entbehrlich, auf jeden Fall aber Appetitzügler und Entwässerungsmittel meiden, auch Abführmittel.
* Sich vom Alltag lösen; heraus aus beruflichen und familiären Bindungen; weg vom Terminkalender und Telefon; Verzicht auf Illustrierte, Radio, Fernsehen. Statt Reizüberflutungen von außen, Begegnungen mit sich und vor allem mit Allah. Lieber mehrmals am Tage im Koran als einmal die Bildzeitung lesen.
* Man verhalte sich natürlich, tue nur das, was dem Körper gut tut, wonach der Körper verlangt. Der Erschöpfte sollte schlafen, der Bewegungsfreudige soll wandern, Sport betreiben, schwimmen. Man pflege mal wieder seine Hobbys.

 

Fasten darf jeder, der gesund und leistungsfähig ist, der sich zutraut, Disziplin zu halten und Verzicht üben zu können. Auch alte Menschen und Jugendliche ab 14 Jahren und Behinderte dürfen fasten, wenn ihr Körper normal funktioniert. Die gesunde Schwangere darf ebenfalls fasten. „Für jene, die es beschwerlich bestehen würden, ist eine Ablösung: Speisung eines Armen“, heißt es in der 2. Sure Al-Baqara, Vers 184.

 

Am leichtesten fastet es sich in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Ein bekannter Fastenarzt formulierte das so: Ausgesprochen anregend kann das Fasten werden, wenn es sich dabei um eine Gruppe von Freunden handelt. Das ist für uns eine Aufforderung, im Ramadan ganz bewusst die Nähe und die Gesellschaft von Brüdern und Schwestern zu suchen. Wenn immer möglich, treffe man sich nicht nur am Freitag, sondern auch während der Woche mit anderen Muslimen, bete gemeinsam, lese zusammen im Koran und diskutiere, nicht nur religiöse Probleme.

 

Es ist gewiss gut, dabei auch über die körperlichen Wohltaten des Fastens zu sprechen:

 

Man verliert dabei unnütze Pfunde, der Körper wird von unnützen und krankmachenden Schlacken befreit,man kann Unabhängigkeit von Genussmitteln gewinnen. Fasten ist übrigens ein Kosmetikum von innen! Fasten erhält die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, besonders bei den Wechseljahren der Frau und dem Leistungsknick des Mannes um das 40. Lebensjahr. Fasten kann die biologischen Alterungsvorgänge, das vorzeitige Altern, bremsen und aufhalten.

 

Ein Problem, das ich immer wieder im Ramadan feststellte, möchte ich abschließend noch erwähnen. Wenn es nicht so ernst wäre, könnte es belustigend sein:

 

Habt ihr das auch schon erlebt, wie abends kurz vor dem Fastenbrechen sich die Tische biegen von all den Speisen und wie die Fastenden wie gebannt auf die überladenen Tische starren in Erwartung des erlösenden Zeichens, dass wieder gegessen werden darf? Und dann wird geschlemmt, Dinge, die sonst das ganze Jahr nicht auf den Tisch kommen. Man feiert wahre Fressorgien, und das die halbe oder ganze Nacht.

 

Ist das der Sinn des Fastens? Trägt das dazu bei, die Vorteile des Fastens zu erlangen, die ich hier besprochen habe? „Adams Sohn füllt kein Gefäß, das schlimmer ist, als sein Magen“, sagte unser Prophet (s). (Tirmidhi) Ob es nicht besser ist, nach dem Fastenbrechen normal oder sogar eingeschränkt Nahrung zu sich zu nehmen und dann bald zu Bett zu gehen? Einen erholsamen Schlaf gewinnt man durch einen überladenen Magen gewiss nicht. Wenn aber am Tage während des Fastens die Leistungsfähigkeit tief absinkt, wenn der Mensch dann gereizt ist oder müde, dann rührt das ganz allein vom nächtlichen Schlemmen her, vom sich Überfressen, so sei mir gestattet zu sagen.

 

Es ist nur gut, dass uns Muslimen der Alkohol verboten ist. Was für Gelage würden sonst noch nachts nach dem Fastenbrechen gefeiert werden? Und es ist schade, dass es zur Zeit unseres Propheten (s) in Arabien den Tabak noch nicht gab. Er wäre uns gewiss auch untersagt worden. Aber heißt es nicht im Koran, dass alles was dem Körper schadet, zu meiden sei? (vgl. 7:157)

 

Meine Brüder und Schwestern, lassen Sie mich bitte ausnahmsweise einmal nicht mit einem Vers aus dem Koran abschließen. In der Edda, dem Buch der Weisheiten unserer germanischen Vorväter heißt es: „Der Gefräßige, wenn er Vorsicht nicht kennt, isst sich Übelkeit an. Dem törichten Mann wird sein Magen zum Spott, wenn er zu Klugen kommt. Herden wissen, wann sie heim sollen, und gehn dann aus dem Gras; der Unkluge ahnt aber nie seines Magens Maß.“

 

[1] „… auf dass ihr euch schützt“ wird dem Sinn nach üblicherweise mit: „damit ihr vielleicht gottesfürchtig seid“ übersetzt. Das Verb ittaqaa, um das es hier geht, bedeutet aber sowohl „gottesfürchtig sein“ als auch „sich schützen“.

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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