Emha

Veröffentlicht am 25. Januar 2012 | by Emha

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Erziehungstipps für die Ummah

Assalamu aleikum, gestern Abend war ich mit meiner Schwester bei einem Vortrag zum Thema “Geschwistererziehung – Konflikte und Gemeinsamkeiten”. Eigentlich hatte ich anfangs keine große Lust dazu, denn ohne eigene Kinder macht eine solche Abendveranstaltung nur wenig Spaß – aber ich wollte sie nicht alleine gehen lassen, also hörte ich mir an, was der Psychologe so zu erzählen hatte. Anfangs ging es natürlich um Geschwisterstreitigkeiten, Entthronung und den idealen Altersabstand, doch einige seiner Aussagen berührten mich besonders:

Der Experte meinte,

1. dass jeder in der Familie eine Bedeutung haben muss – nicht zwingend eine damit verbundene Aufgabe oder Stärke, aber im Sinne, dass jeder das Gefühl haben muss, wichtig und Teil der Gemeinschaft zu sein.

2. Und dass man bei Konflikten nicht immer darüber diskutieren soll, was in der Vergangenheit geschehen ist, sondern was man sich für die Zukunft wünscht, wie es sein soll.

3. Und der dritte Punkt war, in der Kommunikation keine “nicht-Formulierungen” verwenden soll – ganz im Sinne des Prinzips: “Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten” – und schwupps denkt man daran und wird das rosa Ding auch eine ganze Weile nicht mehr los. Das Erinnern an jene vielen rosa Elefanten lähmt jede Entwicklung zum Positiven…

Warum waren diese drei Elemente für mich nun bereichernd, wo ich meinen Geschwistern längst entwachsen bin und selbst keine Kinder habe?

Na? Jetzt denk ich mal ganz groß: “Weil ich immer noch Teil einer riesigen Familie bin und Millionen von Geschwistern habe.” Unsere Ummah funktioniert doch ganz ähnlich. Wir haben Überflieger in der Familie, Streithähne, Sensibelchen, Egomanen, Sündenböcke und schwarze Schafe. Manche von uns halten zusammen, manchmal sogar als Verbündete gegen andere Geschwister, andere versuchen alles alleine, einige bleiben auf der Strecke. Wir streiten uns untereinander, was richtig und was falsch ist, kämpfen um Dinge, die wir für wichtig erachten und versöhnen uns bei Familienfesten. Manchen unserer Geschwister geht es gut, andere können kaum überleben…

Jetzt sagt der Experte, Streit gehöre zu Geschwistern und doch weiß auch jeder, wie anstrengend es sein kann und wie kraftzehrend und zeitraubend. Also könnten wir uns die Ratschläge des Experten vielleicht auch zu Herzen nehmen:

Also begraben wir die alten Schützengräben und Konflikte, die Dinge, die uns grämen und für die wir schon seit Jahren nach Rache sinnen. Die Vergangenheit können wir sowieso nicht ändern. Wir können uns nur um die Zukunft kümmern und um das, was anders werden soll.

Dann versuchen wir, jedes Mitglied in der Familie als wichtig wahrzunehmen und es entsprechend zu behandeln. Wir grüßen einander, auch wenn wir uns nicht kennen. Wir sprechen positiv über jene, die wir bisher belächelt oder beneidet haben. Wir helfen einander in der Not und schauen, dass auch die ärmeren Teile in der Familie wieder auf die Beine kommen. Wir stellen uns schützend vor jene, die schwächer sind und stoppen die Gewalt mit Vernunft und klaren Regeln. Wir geben jedem einen Platz in der Familie, ob er nun Kopftuch trägt oder nicht, ob er arm ist oder reich, ob er sich bisher solidiarisch benommen hat oder nicht. Erst einmal gehört jeder dazu und jeder wird so akzeptiert wie er ist.

Und am Ende, vermeiden wir in unseren Aussagen die rosa Elefanten und formulieren positiv, was wir in unserer Ummah wollen: “Wir wollen Toleranz und Frieden. Wir wollen Brüderlichkeit und Unterstützung! Wir wollen Bildung und Wohlstand! Wir wollen Dankbarkeit und Gerechtigkeit………..”

Vielleicht sehe ich anstatt rosa Elefanten nun alles durch eine rosa Brille – aber statt der ewigen Schwarzmalerei könnten wir es ja auch mal sorum probieren….

wa salam

Eure

Emha

 

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Über den Autor/en

Emha

Geboren 1985, als Schwester Emha spickt sie ihren Kollegen über die Schulter, erklärt Kompliziertes und Aktuelles aus dem Büroleben und wenn Unterhaltung ansteht, dann ist Emha ganz vorne mit dabei.



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