Wissen&Tun

Veröffentlicht am 12. November 2010 | by mh-Redaktion

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Allah, Fasten, Fleisch, Gemeinschaft, Glaube, Hadsch, Koran, Mekka, Medina, Muslim, Ramadan

Erinnerungen an meine Haddsch

Wie lange ist meine Pilgerfahrt her? Mein jüngster Sohn, Suheyb, war damals 2 Jahre alt. Heute ist er 14, also sind 12 Jahre vergangen.
Als mich das Gefühl überkam zu pilgern, kratzte ich mein letztes Geld zusammen. Allerdings hatte ich noch Schulden. Meiner Frau musste ich noch einen Teil der Brautgabe zahlen. Verschämt brachte ich ihr mein Anliegen vor, ob sie mir die Schulden erlassen könnte. Da sie meine Sehnsucht zu den Heiligen Stätten nachvollziehen konnte, erließ sie mir diese.
Mir war bewusst, dass die Reise und die Haddsch-Praxis anstrengend sein würden. Als Mitteleuropäer, der bestimmte Standards in Bezug auf Komfort und Organisation gewohnt ist, war dies dann tatsächlich nicht immer leicht: Die Klimaanlage im Flieger ist ausgefallen, die Warterei war nervig, Gepäckstücke gingen verloren, Busse haben gefehlt und ein schattiger Platz in der sengenden Hitze war schwer zu finden.
Von diesen Ansprüchen habe ich mich aber schnell verabschiedet, als ich einen Pilger Turkmenistan traf. Ich fragte ihn, wie er zur Hadsch kam: „Mit dem Bus, die Fahrt hat 2 Wochen gedauert“ antwortete er. Besonders fielen mir auch die Muslime aus Dagestan im Kaukasus auf, weil sie mit einem umgebauten Gelände-Lkw gekommen waren, den sie als Wohnwagen benutzten. Deren Reise dauerte sicher viel länger als meine.
Aber die körperlichen Strapazen wurden mit den geistigen Geschenken schnell belohnt: die Sicht auf die Kaaba, das Beten in der Masdschid al-Haram, die Ruhe in der Prophetenmoschee, die Tawaf mit hundertausenden anderen Pilgern, der Sai sowie die Millionen Pilger vor uns, das Trinken vom Brunnen Zamzam und das Stehen und Sprechen von Bittgebeten am Tag der Arafat.
Mein Lieblingsplatz war die Prophetenmoschee. Nur dort fand ich die Ruhe im Gebet, die ich im hektischen Alltag vermisse. In den Industrieländern und den modernen bzw. postmodernen Gesellschaften geht alles stressig zu. Die Zeit ist verplant, Leistung, Produktivität und Effektivität werden verlangt. Obwohl der Haddsch wegen der drei Millionen Pilgern eine gewisse Hektik besitzt, gibt sie dem Pilger Ruhe und Ausrichtung auf das Wesentliche im Leben. Ich wünschte nur, dass wir dies bewahren können. Vielleicht erlaubt mir Allah ja einen weiteren Haddsch und es klappt dieses Mal – inschallah.
Rüştü Aslandur, muslimehelfen

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