Stilleben Welternährungstag, Verschwendung, Speicher, all you can eat

Veröffentlicht am 16. Oktober 2014 | by Nadya

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Eine Verschwendung von Essen

Wenn Du nicht aufisst, gibt’s morgen Regen. Den Satz kenn ich aus dem Fernsehen. Im wahren Leben trifft das natürlich nicht zu, sonst würde es in einigen Ländern wohl nur noch regnen. – Heute ist Welternährungstag.

Passend dazu sind seit Monaten Studien in Umlauf, die den blanken Horror vorhersagen: Es gibt bald nicht mehr genug zu essen. Und überhaupt sind wir viel zu viele Menschen für diesen mittlerweile so ausgebeuteten Planeten. Sei beruhigt, das stimmt nicht. Allah würde uns nicht alle hierher schicken, wenn Er weiß, dass die Ressourcen nicht für alle reichen. Allah macht keine Fehler.

Nein, eigentlich sind wir es, die es mit dem Essen ein wenig zu weit treiben. Während man in vielen armen Ländern oft nicht genug zu essen hat, platzen die Hallen der Supermärkte in Industrieländern vor lauter exotischen und einheimischen Waren aus allen Nähten. Was läuft da schief?

Es ist nicht so, dass in armen Ländern zu wenig angebaut wird. Die äußeren Umstände sind deprimierend und alarmierend: Die Infrastruktur ist schuld. Das hört sich jetzt überzogen an, aber es stimmt. Denn in wirtschaftsschwachen Ländern steht der Verlust von Lebensmitteln am Anfang der Kette. Tonnenweise verderben Nahrungsmittel während der Produktion, dem Transport oder der Weiterverarbeitung.

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass frische Lebensmittel schnell verderben. Ohne die Möglichkeit zu kühlen, werden Milchprodukte sauer. Ohne die richtige Lagerung kann der ganze Ernteertrag verderben. Wenn Speicher oder Silos im wahrsten Sinn des Wortes nicht ganz dicht sind, fault das Getreide. Der Transportweg vom Feld hin zum Markt kann dabei auch zur gefährlichen Strecke werden. Weiches Gemüse, wie Tomaten, das nicht durch eine harte Schale geschützt ist, kann beim Transport beschädigt werden, besonders wenn es schlecht verpackt ist.

Hier passiert das natürlich nicht. Nein, hier quillt das Obst und Gemüse glänzend und prall aus den Regalen der Supermärkte. Wenn nach Feierabend der Lidl um die Ecke keine frische Ware mehr hat, können wir noch schnell in den nächsten Penny, zum Aldi, zu Rewe, Edeka, Netto, Globus, Real, Tegut, Kaiser’s oder Kaufland. In einem der Läden gibt es schon noch was. Und wenn ich es nicht kaufe und Du auch nicht, dann wird es halt nach Ladenschluss aussortiert.

Mittlerweile wird nicht mehr alles weggeworfen, sondern oft an soziale Einrichtungen gegeben. Was für mich nicht gut genug ist, das können meine sozial schwachen Mitbürger aufessen. Ich weiß, das klingt jetzt sehr scharf. Aber ich kenne das von mir selbst. Noch vor ein paar Jahren musste die Gurke, die in meinem Einkaufswagen landet, gerade sein, die Äpfel durften keine Stellen haben und der Joghurt landete im Müll, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht war.
Ich sage nicht, dass wir verdorbene Lebensmittel kaufen sollten. Aber in Zeiten von all-you-can-eat-Menüs, XXL-Steaks und Obst in der 3 kg-Kiste sollten wir uns überlegen, ob das wirklich sein muss.

In armen Ländern werden die Menschen nicht plötzlich satt, wenn wir aufessen. Und nur weil wir nicht aufessen, stirbt auch keiner. Aber unser Umgang mit dem Essen hat auch etwas mit Respekt und Dankbarkeit zu tun.
Nur ein Gedanke.

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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