Stilleben #MuslimLivesMatter, Kobane, Syrien, Ukraine, North Carolina, muslimehelfen

Veröffentlicht am 12. Februar 2015 | by Nadya

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Die Welt steht Kopf


Ich bin dieser Tage nachdenklicher als sonst. Denn ich frage mich, was bloß los ist mit dieser Welt.

In Syrien wurde gerade die Stadt Kobane von den IS-Milizen befreit. „Stadt“ ist allerdings der falsche Begriff, Schuttwüste passt jetzt eher. Der Teil der Bevölkerung, der nicht gestorben ist, ist geflohen; irgendwohin, Hauptsache weg. Der Teil, der geblieben ist, steht vor dem Nichts. Die anderen zwar auch, aber sie müssen es wenigstens nicht sehen.

Bei all den Bildern, mit denen mich die Medien nicht verschonen wollen – weil Mitleid heute Mangelware ist – habe ich den Überblick verloren. Waren das jetzt die zerbombten Häuser und die Leichen aus Syrien oder doch der Ukraine? Ich weiß es nicht.

In Deutschland ging man in den letzten Wochen dagegen fleißig auf die Straße. Nein, nicht gegen die Kriege und den Wahnsinn. Pegida stellte sich vor und verabschiedet sich langsam. Besorgte Bürger gingen auf die Straßen gegen eine fiktive Islamisierung Deutschlands. Viele andere waren auch besorgt und gingen auf die Straße, gegen Pegida.

Davor war Tuğce gestorben, nachdem sie sich couragiert für andere eingesetzt hat. Und mit einem Mal gab es wieder Diskussionen, was junge Mädchen denn nachts auf der Straße zu suchen hätten. Und überhaupt, sie sei ja selbst schuld gewesen.

Dann waren wir alle Charlie oder Ahmed. Und wir, also die Muslime, sollten uns lossagen von den Attentaten.

Anfang der Woche sind in North Carolina drei junge Muslime hingerichtet worden. Ihren Mörder kannten sie nicht. Er sie auch nicht. Denn wenn er sie gekannt hätte, hätte er gewusst, dass sie sich für andere einsetzen, weil sie nämlich noch Mitleid hatten.

Mir schwirrt der Kopf.

Die ersten schreien schon: „Die Welt geht unter!“ Nein, die Welt geht nicht unter. Wir haben uns nur verändert und mal wieder verirrt. Diese Welt kann so einfach nicht funktionieren, ohne Mitleid, ohne Verstand. Wir sind nicht hier, um uns zu bekriegen. Wir sind auch nicht hier, um uns gegenseitig vorzuwerfen, was der jeweils andere unserer Meinung nach alles falsch macht. Wir können uns auch nicht abschotten. Das hat noch nie funktioniert. Man könnte meinen, es gäbe nicht genug Geschichtsbücher. Aber, was red ich …

Schau Dir das Bild oben mal an. Zwei Hände, die einander zugeneigt sind, zum Frieden bereit. Das ist es, was wir brauchen.

#MuslimLivesMatter, alle anderen auch!

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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