Stilleben Der erste Löffel schmeckt am besten.

Veröffentlicht am 10. Juni 2015 | by Soufian

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Der erste Löffel


Ehe wir uns versehen ist es Ramadan und der erste Fastentag vergangen. Wir sprechen gemäß der Sunnah ein Bittgebet zum Iftar:

ذَهَبَ الظَّمَأُ وَابْتَلَّتِ الْعُرُوقُ وَثَبَتَ الأَجْرُ إِنْ شَاءَ اللَّهُ

Der Durst ist vergangen, die Adern sind feucht geworden und der Lohn steht fest, so Allah will.
Zehebe’z-zamau ve’btelleti’l-urûku ve sebete’l-ecru inşâallâh.

(Hasan, nach Sunan Abi Dawud 2357)

Eine Dattel dazu und wir greifen voller Vorfreude nach dem Löffel. Dieser erste Löffel schmeckt nahezu himmlisch, denn erst wenn man auf etwas verzichten musste, schätzt man seinen wahren Wert. Den ganzen Tag warteten wir auf diesen Augenblick. Ein intensiver Genussmoment, ein irdischer Vorgeschmack auf den Segen des Paradieses.

Sprichwörtlich ist Hunger der beste Koch, aber haben wir tatsächlich Hunger? Wissen wir überhaupt was Hunger ist? Durst womöglich, denn der entwickelt sich schnell, aber Hunger? Ich würde eher sagen wir haben Appetit. Wir haben Lust zu essen und vermissen schnell den Geschmack auf der Zunge und das Aroma einer leckeren Mahlzeit. Auch kommt und geht das Hungergefühl innerhalb eines Fastentages mehrfach. Es ist eine Frage der Gewohnheit. Unser Körper erwartet ein Frühstück und ein Mittagessen und meldet sich mit einem Knurren, wenn wir diesem Verlangen nicht nachkommen. Im Ramadan gewöhnen wir uns jedoch bereits nach wenigen Tagen um. Es fällt uns von Tag zu Tag leichter zu verzichten, denn wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, brauchen wir ohnehin nicht viel. Wir könnten beim Iftar theoretisch auch nach diesem ersten Löffel aufhören. So würde ein bescheidener Iftar völlig ausreichen, aber wir neigen dazu das Fastenbrechen regelrecht zu zelebrieren. Ein Stückweit ist es auch ein traditionelles Ritual, dass über das reine Fastenbrechen hinaus geht.

Wirklichen Hunger verspüren hingen unsere Geschwister bei denen die Bescheidenheit keine Frage der Einstellung ist, sondern sich gezwungenermaßen aus der begrenzten Menge der Lebensmittel ergibt. Sie müssen nach einem kleinem Iftar bereits aufhören. Es gibt einfach nicht mehr. Dies geht sogar soweit, dass Familien nicht genug für einen vernünftigen Iftar haben und sich nicht für den nächsten Fastentag stärken können. Darüber sollten wir uns im Klaren sein und voller Dankbarkeit für die Gaben sein, die Allah uns in Seiner Barmherzigkeit beschert.

Dankbarkeit darüber, dass Er uns den Ramadan erleben lässt. Dankbarkeit für die Gesundheit mit der wir das Fasten durchstehen können und Dankbarkeit für diese segensreiche Zeit der Vergebung.

Alhamdulillah! Nicht nur als bloßes Wort, sondern dadurch dass wir unsere Möglichkeiten im Ramadan nicht vergeuden.

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Über den Autor/en

Soufian

86er Baujahr, Social Media Fuchs mit juristischem Background, marokkanischen Wurzeln und einer starken Bindung zur Moschee. Im Community Management von muslimehelfen tätig und bietet zwischen Fans und Followern Einblicke in die Gedankenwelt eines Admins.



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