Projekte Blog_Neue-Kleider-Eid_2019_1

Veröffentlicht am 31. Mai 2019 | by mh-Redaktion

0

Deine neuen Kleider für Eid!

Ja, das ist eine schöne Tradition im Islam, dass man zum Fest des Fastenbrechens und zum Opferfest neue Kleidung für die Familie, besonders aber für die Kinder kauft. Das war in der Vergangenheit für die meisten Muslime weltweit nicht nur eine schöne, sondern durchaus auch eine sinnvolle Tradition. Besaßen doch die meisten nur wenige Kleidungsstücke, die auch bis zur Fadenscheinigkeit (ein fast vergessenes Wort) aufgetragen wurden und auch nachdem sie nicht mehr tragbar waren, durchaus noch Verwendung fanden.

Auch heutzutage ist es in vielen Ländern für große Teile der dortigen Bevölkerungen die Normalität, dass sie nur wenig Kleidung besitzen. Kleidung ist nicht nur im Verhältnis zu den sehr geringen Löhnen (monatl. Durchschnittslohn: z. B. Indien 134 Euro/CHF 150*, Ukraine 176 Euro/CHF 197*) sehr teuer, sondern sie ist auch im Vergleich zu unseren Preisen hier viel teurer. Für neue Kleidung zu sparen ist bei einem so geringen Verdienst nicht möglich. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Familien große Sorgen machen, wie sie neue Kleidung für die Kinder kaufen soll. Gerade vor den Feiertagen, wo auch noch die Lebensmittelpreise ansteigen. In den Stellungnahmen unserer Begünstigten kann man diese Verzweiflung oft heraushören, da sie nicht wissen, wie sie die Fastenzeit überstehen sollen. Neue Kleidung ist in einer solchen Situation ein „Luxusproblem“.

Auch wir Muslime hier sollten uns die Frage stellen, ob neue Kleider zum Fest wirklich nötig sind. Denn Kleidung kaufen wir doch ständig. Unsere Kleiderschränke sind gut gefüllt. Und Kleidung ist für uns im Vergleich zu unseren Durchschnittseinkommen sehr billig. Laut einer Umfrage von Greenpeace aus dem Jahr 2015 haben die Deutschen ca. 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in ihren Schränken (Frauen 118, Männer 73). Dabei verursachen nicht nur die Herstellung der Rohstoffe und die Verarbeitung gleich mehrere Probleme, wie etwa der hohe Wasserverbrauch, der Einsatz von Pestiziden und Chemikalien und die Ausbeutung der Näherinnen, sondern auch der Transport und endet mit der Zerstörung einheimischer Textilmärkte in vielen Ländern Afrikas, die mit unseren gebrauchten Kleidern überschwemmt werden. Denn allein jeder Deutsche konsumiert umgerechnet 14kg (das entspricht 140 T-Shirts) neue Kleidung jährlich.

Hier sollten wir alle umdenken. Hält man sich das Ausmaß der Probleme vor Augen, dann sollte man sich vor dem Kauf eines jeden neuen Kleidungsstücks fragen, ob es tatsächlich nötig ist. Wenn man kleine Kinder hat ist eine gute Alternative die Kleider gebraucht zu kaufen oder zu tauschen. Mit dem gesparten Geld kann man dann bedürftigen Menschen die Sorge vor den Feiertagen ein klein wenig abnehmen. Wie etwa mit einem geplanten Projekt in Kenia, wo wir Kleidersets verteilen wollen. Ein Set ohne Schuhe wird inschallah 22 Euro (CHF 25*) und ein Set mit Schuhe 31 Euro (CHF 35*) kosten. In der Vergangenheit haben wir die Festgeschenke in Ländern verteilt, wo die Kosten für Bekleidung niedriger waren. Mit Deiner Unterstützung kannst Du uns helfen, dass auch zu diesem Fest wieder viele Bedürftige ein Festgeschenk erhalten.

Ramadan Karim!

* Stand: 05.04.2019


Über den Autor/en

mh-Redaktion

Die Redaktion von muslimehelfen berichtet regelmäßig über die Arbeit von muslimehelfen. Informationen zu den Projekten und Kampagnen, aber auch Wissen & Tun Artikel werden im Namen der mh-Redaktion verfasst.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑