Stilleben Schmerz, Opfer, Leid, Respekt, Jugend, muslimehelfen,

Veröffentlicht am 15. Juli 2014 | by Nadya

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Das Spiel mit dem Tod

Ich habe eine Bitte an Dich. Ich spreche nicht nur für mich, sondern für die, deren Schmerz so tief sitzt, dass sie Ruhe brauchen. Ruhe vor uns.

Ich verstehe, dass Du aufgebracht bist. Das bin ich auch. Und ich verstehe, dass Du willst, dass die Welt es erfährt. Das will ich auch. Aber nicht so. Nicht auf Kosten derer, die sich nicht mehr wehren können.

Seit der letzten Bombardierung werden wieder diese Bilder durch die Medien gejagt. Du weißt, welche ich meine: Fotos von Kindern, denen der Hinterkopf fehlt, von Menschen ohne Gliedmaßen, von halb verkohlten Körpern.

Das darf nicht geschehen. So ein Mord darf nicht geschehen und die Ausschlachtung und das Geschäft mit den Verstorbenen auch nicht. Denn es ist ein Geschäft. Unsere Toten werden verkauft, nicht gegen Geld, sondern durch unseren mangelnden Respekt. Dabei schreibt uns Allah vor, dass wir die Toten respektvoll behandeln müssen. Wir dürfen nicht einmal etwas gegen sie sagen, geschweige denn ihre Leichen zeigen.

Und ich frage Dich, was ist mit den Angehörigen? All die Mütter und Väter, die Ehemänner und Ehefrauen, Schwestern, Brüder. Wir können ihr Leid nicht lindern. Aber wir müssen es auch nicht verstärken, indem wir ihre Angehörigen ausnutzen, um uns zu empören. Wir haben kein Recht dazu. Das ist unmenschlich.

Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich Dich bitte. Diese Welt ist grausam, ja. Und wir können kein Unrecht ungeschehen machen. Mit diesen Bildern begehen wir aber selbst ein Unrecht, an uns selbst, an unserer Jugend. Mit jedem Bild stumpfen wir mehr ab. Morden und Schlachten wird für uns normal. Und da wundern wir uns, warum Jugendliche und junge Menschen brutal auf einander einschlagen und selbst dann noch nachtreten, wenn ihr Opfer bereits bewusstlos am Boden liegt?

Das darf nicht sein!

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



7 Kommentare zu Das Spiel mit dem Tod

  1. najim

    Salam Aleykum, vielen Dank für die Aufklärung

  2. Eslem

    Selamun aleyküm Schwester Nadya,

    wunderschön hast Du es erklärt. Genau daruber habe ich gestern erst bei Facebook daruber diskutiert. Du sagst es:”Mit jedem Bild stumpfen wir mehr ab”. Ist es nicht schrecklich fur die heranwachsenden Kinder und Jugendliche, wenn die tagtäglich damit konfrontiert werden? Mein jungster Sohn (10 J) hat mittlerweile Angst, um auf die Toilette zu gehen. Es wird sehr viel Hass geprediģt. Von nichts kommt nuchts sage ich immer.

    • Wa alaikum salam liebe Eslem, ja, Du hast Recht. Es ist leider so, dass wir häufig Dinge tun, ohne zu überlegen, ob das überhaupt Sinn macht, und ohne darüber nachzudenken, welche Konsequenzen daraus entstehen. Wenn wir wütend sind, machen wir manchmal Sachen, die wir später bereuen.
      Dein Sohn tut mir wirklich leid. Inschallah findest Du einen Weg, wie Du ihm die Angst und die Furcht nehmen kannst.

      Ich wünsche Dir und Deiner Familie einen gesegneten Ramadan. Möge Allah Deine Duas annehmen und Deine Familie beschützen.

      Wassalam
      Nadya

  3. Ein Text mit einem interessanten Schreibstil.

    Allein das Thema ist so brisant, dass ich auch gerne darüber geschrieben hätte. Aber eben weil dieses Thema so brisant und emotional ist, schrak ich davor zurück. Es ist grade dieser Schreibstil, sein Anliegen in Form einer Bitte seinen Lesern Kund zu tun, welcher eigentlich so simpel und einfach ist. Aber in dieser Art und Weise meine Worte zu formulieren, ist mir nicht in den Sinn gekommen.

    Doch auch davon mal abgesehen, hätte ich nicht in solch schönen Worten, welche schon fast Perlen an einer Kette gleichen, schreiben können, so wie es in diesem Text zu finden ist. Sicherlich, schreiben können wir alle, aber das Talent dazu gute Texte zu schreiben, muss man einfach haben. Hier ist es vorhanden.

    Noch ein paar Worte zum Inhalt: Schon Marcus Tullius Cicero (40 v.Chr.) sagte: “Wenn wir zu allen Stunden grausige Geschehnisse mit ansehen und mit anhören müssen, so verlieren wir schließlich, selbst die von Natur Zartesten unter uns, durch die ständige Folge der quälenden Eindrücke, jegliches Empfinden für Menschlichkeit.”
    Gut ist, dass dieser Aspekt im Text auch zur Sprache kommt. Es ist schlimm, dass Menschen sterben. Aber nein, wir sorgen durch Bilder und Videos dafür, dass auch hier Herzen sterben.

    Die vermeintliche Lösung ist eben das tatsächliche Problem. Statt Empathie erzeugt man Apathie, also ganz das, was man bekämpfen wollte …
    Nicht nur, dass man Apathie erzeugt, nein, es ist verboten und respektlos mit den Toten so umzugehen. Und wir sollten uns mal die Frage stellen, ob es nicht obszön ist, Leichen zwischen Fußball-WM Bildern und anderen Unterhaltungen auf Facebook zu posten.

    • Salam alaikum Steven Abdallah,
      vielen Dank für Dein großes Lob. Du hast Recht, das Thema ist sehr brisant, sollte aber dennoch angesprochen werden. Den Finger in so eine alte Wunde zu legen, ist manchmal heikel, aber es geht in diesem Fall nicht anders. Und ich stimme Dir auch in Bezug auf die Verbreitung der Fotos zu. Solche Fotos sind nicht geeignet, um sie zur Schau zu stellen. Und sie passen auch nicht in den Kontext feiernder und lachender Gesichter. Wir dürfen immerhin nicht vergessen, dass mittlerweile auch Kinder Zugang zu Facebook und Konsorten haben.
      Ich wünsche Dir noch einen gesegneten Ramadan. Möge Allah Deine Duas annehmen und unserer Ummah beistehen, genauso wie all den Menschen, die unterdrückt und gefoltert werden, ohne dass wir etwas dagegen unternehmen.

      Wassalam
      Nadya

  4. Barbara Wagner

    Eure Seite ist für einen Nichtmuslim unheimlich lehrreich. Ich bin nicht religiös habe aber großen Respekt vor allen die wirklich glauben. Auch habe ich bei Euch das Gefühl das meine Spende auch ankommt. Zu Gaza, finde es gut dass Ihr was Spenden betrifft so ehrlich seid. Leider sind die Gräueltaten die die israelische Regierung mit Billigung der westlichen Regierungen begeht noch viel zu wenig den “normalen” Mitmenschen bewusst. Da helfen auch keine Photos von verstümmelten Kinderleichen. Ganz abgesehen davon dass diese Photos entwürdigend sind und der Tatsache dass sie der Familie auch noch nach Jahren im Netz erscheinen koennen. Ich verurteile den Grossteil dieser Darstellungen weil sie die echten Hilferufe übertönen.

    • Assalamu alaikum liebe Barbara,
      das freut mich, dass Dir die Artikel auf unserer Seite weiterhelfen. Gaza ist immer ein heikles Thema, weil wir alle so ohnmächtig gegen die ganze Gewalt und Ungerechtigkeit zu sein scheinen. Manchmal kann man gegen ein Unrecht nicht direkt vorgehen. Das heißt aber nicht, dass wir damit einverstanden sind. In Bezug auf Gaza können wir nur immer wieder die Wahrheit sagen und hoffen und beten, dass die Menschen dort endlich Frieden finden.

      Ich danke Dir für Deine Empathie und wünsche uns allen Frieden.

      Wassalam
      Nadya

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