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Veröffentlicht am 22. März 2016 | by Soufian

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Meine Familie in Belgien


fb_danger_belgienHeute morgen fuhr ich, unweit des Frankfurter Airports, nichts ahnend mit dem Regionalverkehr los, um mich mit unserem Team für eine Besprechung zu treffen und unser weiteres Vorgehen für die Hilfe von Waisenkindern auszuarbeiten. Dort angekommen erfuhr ich von den tragischen Ereignissen in Belgien. Ich scrollte hastig über die Nachrichten und sah mir ein wackliges Video von den Ausmaßen der Explosionen an.

Ich schreibe dies nicht, um mich als Muslim von den Anschlägen zu distanzieren, denn die Täter haben sich selbst bereits zur Genüge mit ihren Taten von den Werten des Islam distanziert. Nicht nur den Werten des Islam, sondern von jeglicher Menschlichkeit.

Jedenfalls gingen mir 1000 Gedanken durch den Kopf. Ich dachte zunächst an meine Familie aus Belgien und überlegte kurz wie viele Kilometer Brüssel eigentlich von ihnen entfernt ist. Mir kam auch in Erinnerung, dass meine Tante in Kürze eine Flugreise für eine Ummrah antreten wollte.

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Inzwischen weiß ich, dass es ihnen gut geht. Sicherheitshalber wurden die Schulen geschlossen und die Kinder von ihren Eltern abgeholt.

Gleichzeitig muss ich aber auch an meine Familie in Marokko denken. So ist das Gebiet meiner Heimatstadt in den letzten Wochen von wiederholten Erdbeben geplagt worden, aber auch ihnen geht es, abgesehen von der Angst vor weiteren Beben und der spärlichen Katastrophenhilfe, alhamdulillah gut. Bald fliege ich ‏إن شاء الله zu ihnen, vertraue auf Allah und hoffe sie alle wohlbehalten wiederzusehen.

stummEin mulmiges Gefühl ergreift mich dennoch. Ich denke meinen türkischen Geschwistern geht es im Hinblick auf die erst vor wenigen Tagen verheerenden Anschläge in der Türkei ähnlich. Jedoch zurecht gepaart mit Enttäuschung gegenüber diejenigen, denen die Opfer in der Türkei scheinbar egal sind und sich nun besonders in den sozialen Netzwerken ausgiebig zu den Anschlägen in Belgien äußern. Für die Debatte zur selektiven medialen Wahrnehmung und zum Wechsel vom Profilbildern verweise ich auf meine bisherigen Beiträge über die Pariser Anschläge und gehe deswegen an dieser Stelle nicht weiter darauf ein.

Mein Beileid gilt allen Angehörigen der Opfer. Ob nun in der Türkei, in Belgien oder an den vielen anderen Orten weltweit, an denen so viel Elend, Terror und Gräueltaten geschehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, neben den menschlichen Verlusten, ist für mich die verzerrte Darstellung des Islam durch solche Terroranschläge. Ein solcher Missbrauch der Religion spielt rechtspopulistischen Gruppierungen in die Arme und schürt damit immer mehr Hass. Diese Aufspaltung von Muslimen und Nicht-Muslimen ist ein Ziel des Terrorismus und dies bekomme ich tagtäglich in Hasskommentaren zu spüren.

Dies dürfen wir nicht zulassen. Darum müssen wir umso energischer mit Positivem in den Vordergrund treten, zeigen was Islam wirklich bedeutet und uns für eine bessere und friedliche Welt einsetzen.

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Über den Autor/en

Soufian

86er Baujahr, Social Media Fuchs mit juristischem Background, marokkanischen Wurzeln und einer starken Bindung zur Moschee. Im Community Management von muslimehelfen tätig und bietet zwischen Fans und Followern Einblicke in die Gedankenwelt eines Admins.



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