Stilleben Vorurteile, Armut, Barmherzigkeit, muslimehelfen

Veröffentlicht am 5. Oktober 2012 | by Nadya

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Bevor mich meine Vorurteile zu Fall bringen …


   … stolpere ich erst mal über sie

Gestern Abend war ich einkaufen. In dem großen Discounter meines Vertrauens. Da mir so gut wie nichts peinlich ist und ich von Natur aus fast schon unverschämt neugierig bin – obwohl ich mich mittlerweile ziemlich zurückhalte – beobachte ich meine Umwelt auch beim Einkaufen. Die einen schauen in jeden Kinderwagen und ich halt in jeden Einkaufswagen – und in jeden Kinderwagen. Ich durchstöberte die Gänge und griff ab und zu mal in die Regale. Nudeln der Marke Barilla waren im Angebot. Als regelrechter Nudelfreak habe ich gleich zwei Packungen genommen. War ja ein Angebot.

Irgendwann hatte ich dann mehr, als auf meinem imaginären Zettel stand, und zog in Richtung Kasse. Auf dem Weg dorthin kam ich an einer jungen Frau mit ihrem Kleinkind und ihrer Mutter vorbei. Armut kann man sehen. Konnte man immer.

Die drei standen gerade vor den Konserven und die junge Frau griff nach einem Glas Würstchen. Ihre Mutter bemerkte augenblicklich: „Die kosten 1,19€. Kannst du dir das überhaupt leisten?“ Die junge Mutter führte keinen Einkaufswagen. Was sie kaufen wollte, passte, neben dem Jungen, in den Kinderwagen. „Für Leon, “ sagte sie, „für Leon kann ich es.“ Ich schaute in meinen Wagen, der auch nicht voll war, aber mehr enthielt, als ich eigentlich brauchte. Ich schämte mich der beiden Packungen Nudeln der Marke Barilla und der anderen Sachen.

Doch zugleich bewunderte ich diese junge Frau. Es ist bestimmt nicht leicht Kinder aufzuziehen. Kinder kosten Geld und Nerven. Für viele bedeuten sie eine Belastung. Nicht nur finanziell. Der Junge lief durch die Gegend. Doch seine Mutter blieb ruhig, mahnte ihn gelassen nicht wegzulaufen. An der Kasse freute sie sich, dass ihr Sohn die wenigen Waren aus dem Kinderwagen auf das Band zu legen versuchte, nahm ihm die Sachen ab und lachte, als er sich nach getaner Arbeit etwas schwerfällig selbst wieder in seinen Buggy bugsierte.

Barmherzigkeit ist eine Tugend. Sie ist selten geworden. Um so kostbarer ist sie, wenn man auf sie trifft. Und sei es nur als Betrachter. Ich musste noch lange an diese junge Mutter denken. Sie kennt mich nicht und ich sie nicht. Aber ich habe viel von ihr gelernt. Möge Allah sie beschützen und rechtleiten. Amin.

 

 

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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