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Veröffentlicht am 2. September 2011 | by mh-Redaktion

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Glaube, Gemeinschaft, khair, Hadith, Allah, Koran

Anstiften zum Guten

Khair ist ein arabisches Wort, das als Fachbegriff im Islam benutzt wird und viele Bedeutungen besitzt. Jede Angelegenheit, Sache oder Bemühung, die gut, nützlich und im Islam erlaubt ist, kann als khair bezeichnet werden. Mit anderen Worten ist khair also jede gute Tat, die zur Erlangung der Zufriedenheit Allahs geeignet ist. Jegliche Haltung und Handlung, die die Unzufriedenheit oder den Zorn unseres Schöpfers nach zieht, wird dagegen als „scharr“, also als schlecht, tadelnswert und als abzuweisen betrachtet.

In einem Hadith des Propheten (s) heißt es: „Es gibt unter den Menschen solche, die wie Schlüssel zum Guten (khair) und wie Schlösser zum Schlechten (scharr) wirken. Und es gibt solche Menschen, die wie Schlüssel für das Schlechte und wie Schlösser für das Gute wirken. Frohe Botschaft den Menschen, die Allah zu Schlüsseln für das Gute gemacht hat! Wehe denen, die Schlüssel für das Schlechte werden.“[1]

Wir sehen, dass der Gesandte Allahs (s) die Menschen in diesem Zusammenhang in zwei Gruppen einteilt: Die einen, die die Vorreiter für eine gute Sache sind und die anderen, die als Wegbereiter für schlechte Belange auftreten.

Also sind die erste Gruppe diejenigen, die stets offen für das Gute sind und gleichzeitig keinen Zugang zum Schlechten gewähren. Mit ihren Schlüsseln für das Gute öffnen sie die Türen für gute Taten, nützliche Dinge und für Werke, die von Allah angenommen werden. Mit dem Schloss gegen das Schlechte versperren sie gleichzeitig den Durchgang zum Schlechten und zu den Dingen, die Allah missfallen.

Die Gläubigen, die das Gute fördern, empfinden Freude und Glück bei diesen Unternehmungen. Sie richten nach dem Worten Allahs, der sagt:

„Und wetteifert miteinander nach Verzeihung von eurem Herrn und einem Paradiesgarten, dessen Reichweite die Himmel und die Erde ist, vorbereitet für die Gottesfürchtigen.“[2]

Sie strengen sich für das Gute an und bemühen sich um Handlungen, die Allahs Wohlgefallen finden. Sie werden weder müde darin, noch geben sie dabei auf. Auch Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, überwinden sie und lösen Schwierigkeiten und Probleme, die vor ihnen auftauchen.

Sie sind die Leute, die sich an die Anweisung halten, die Allah ihnen im Koran vorgibt:

„Und für jeden gibt es einen Gesichtspunkt, dem er zugekehrt ist, also sucht einander an guten Taten zu übertreffen. Wo immer ihr seid, es bringt euch Allah, allesamt, Allah ist ja zu allem imstande.“[3]

Sie wetteifern im Guten und im Dienst für den Islam und die Menschheit. Es ist ein schöner Wettkampf um das Gute, wobei es nicht um Materielles oder Weltliches geht, sondern um die Gunst Allahs, des Erhabenen. So gibt es denn in diesem Wettstreit keinen Platz für die „Ausschaltung“ des Konkurrenten, kein Bestreben um das Beschaffen von Vorteilen zum Nachteil des anderen oder das Verhindern von Dingen, damit man selber im Vorteil ist.

„…und steht einander bei zur Frömmigkeit und der Gottesfurcht, und steht einander nicht bei zur mutwilligen Sünde und der Übertretung…“[4]

Durch diesen Vers verstehen wir, dass der gegenseitige Beistand ein Ausdruck der Gottesfurcht (arab. taqwa) ist und die Unterstützung in Sünde aus Feindschaft resultiert. So führt Feindschaft oft zu Sünde, aber Frömmigkeit bringt nur Gutes für alle Menschen hervor. Der Wunsch und der Wille für den Islam und für alle Menschen Gutes zu tun, beflügelt die Gläubigen bei diesem Wettlauf. Notwendig wird die gegenseitige Unterstützung besonders dann, wenn die guten Dinge alleine nicht zu vollbringen sind.
Die beschrieben Menschen sind „Dienstleister um Allahs Willen“: Sie sind stets dort, wo es eine gute Sache gibt und eilen dorthin, wo sie nützlichen Dienst vollbringen können. Sie finden Gefallen an der Ausübung von guten Taten und brennen darauf noch mehr Gutes und Nützliches zu tun. Das folgende Prophetenwort beschreibt wahrscheinlich ihr Handeln am besten: „Der Gläubige wird nicht müde Gutes zu tun, über das er erfährt, bis er ins Paradies eintritt“.[5]

Diese Gläubigen verstehen, dass das Glück des Diesseits und des Jenseits davon abhängt, wie eng jemand mit den guten Handlungen verbunden ist und wie weit man sich von schlechten Handlungen entfernt hat.

Leider gibt es auch eine Gruppe von Menschen, die Schlüssel für das Schlechte und Schloss für das Gute darstellen. Sie öffnen nicht die Türen zum Guten, sondern zu schlechten Dingen. Ihr Verhalten führt zu Schaden für den Islam, für die Gläubigen und für die gesamte Menschheit. Manche von dieser Gruppe belassen es nicht dabei, dass sie selbst schlechte Dinge tun und Schaden anrichten, sondern stiften andere noch dazu an und werden Vorreiter für die Schlechtes. Diese Menschen mit schlechtem Charakter stört es, wenn Gutes geschieht. Sie versuchen deswegen diejenigen, die Gutes tun oder tun wollen, daran zu hindern und mobilisieren ihre Kräfte und ihr Anhänger um das zu unterbinden.

Eigenschaften eines Muslims, der „Dienstleister um Allah Willen“ ist

Aus den obigen ayaat und Ahadith sehen wir, dass diese Art von Muslim,

a) Stets auf gute Taten aus ist und das Gute unterstützt.

b) Er sogar darüber hinaus zum „Schlüssel“ für die Güte und Vorreiter für gute Handlungen wird. Denn im Islam ist es nicht nur tugendhaft eine gute Tat zu vollbringen, sondern noch besser als vorbildliches Beispiel für gute Handlungen zu fungieren. Der Prophetengefährte Huzaifa (r.a.) berichtet uns diesbezüglich: “Jemand kam eines Tages zum Propheten Muhammad und bat ihn um Hilfe. Die Anwesenden gaben ihm (aber) nichts (als Unterstützung). Als ihm dann später ein Mann half, folgten die anderen (in der Hilfsleistung). Daraufhin bemerkte der Gesandte Allahs (s): „Wer Vorreiter für eine gute Sache wird und andere ihm darin folgen, der wird seine (eigene) und die Belohnung derer bekommen, die ihm folgten. Und dies vermindert nicht im Geringsten die Belohung derer, die ihm folgen. Wer (aber) Vorreiter für eine schlechte Sache wird und andere ihm darin folgen, der wird seine und die Sünde derer bekommen, die ihm folgten. Und dies vermindert nicht im Geringsten die Sünde derer, die ihm folgten.“[6]

Der Prophet (s) hat nicht nur dazu aufgerufen Gutes zu tun, sondern Vorreiter und ein Beispiel dafür zu sein.

Abu Masud al-Ansariyy berichtet, dass ein Mann einmal nach einem Reittier fragte. Niemand der Anwesenden war aber in der Lage ihm ein Reittier zu geben. Einer bemerkte er würde ihn zu jemandem führen, der ihm helfen könne. Daraufhin sagte der Prophet (s): „Wer (jemanden) zum Guten anstiftet, der erhält genauso viel Belohnung wie der Wohltäter.“[7]

c) Es ist nicht die Haltung eines Gläubigen, wenn etwas Gutes zu unternehmen ist, zu denken: „Ich warte mal ab, wie die Leute um mich herum reagieren. Wenn sie aktiv werden, dann kann ich ja auch mitmachen.“ Im Gegenteil. Er beeilt sich mit den guten Taten und versucht für die Anderen ein gutes Vorbild zu sein. Denn der Prophet (s) sagte: „Seid nicht wie gewöhnliche Menschen, die sagen: ‚Wenn jeder Gutes tut, dann werden wir das auch tun, wenn jeder ungerecht handelt, dann handeln wir auch ungerecht. Handelt anders: Bereitet euch darauf vor, dass wenn die Menschen Gutes tun, ihr auch beim Guten dabei seid und wenn sie Schlechtes (oder: Ungerechtigkeit) tun, ihr nicht dabei mitmacht.“[8]

d) Das Ziel des Gläubigen ist es das Wohlgefallen seines Herrn zu erlangen. Alle Dinge, die auf diesem Wege gemacht werden, sind khair (gut). Aus diesem Grund sagte der Prophet (s) auch: „Die Sache des Gläubigen ist wunderbar. Alle seine Angelegenheiten sind gut für ihn, und dies ist bei niemandem so außer dem Gläubigen. Wenn ihm etwas Schlechtes widerfährt, ist er geduldig, und dadurch wird es gut für ihn, und wenn ihm Gutes widerfährt, ist er dankbar, und dadurch wird es gut für ihn.“[9]

e) Der Muslim verfällt aufgrund seiner vollbrachten guten Taten nicht in Stolz und Hochmut. Er weiß, dass Allah ihm diese Möglichkeiten geschenkt hat und preist und dankt seinem Herrn dafür. Er macht auch Bittgebete (Dua), damit Allah ihm diese guten Taten weiterhin ermöglicht. Der Gesandte Allahs sagte: „Wenn Allah für Seinen Knecht etwas Gutes wünscht, dann setzt Er ihn [in guten Dingen] ein. Als jemand fragte: ‚O Gesandter Allahs, wie setzt Er ihn (denn) ein?’, bemerkte der Prophet: ‚Er befähigt ihn zu guten Taten bevor ihn der Tod ereilt.’“[10]

In einem weiteren Hadith sagte der Prophet Muhammad (s): „Allah hat Leute unter Seinen Knechten erschaffen, um die Bedürfnisse anderer [Menschen] zu stillen. Wenn bei ihnen (d.h. den  Menschen) Bedürfnisse aufkommen, dann wenden sie sich fortwährend an sie und finden diese. Sie (d.h. diese beschriebenen Leute) werden am Tag der Auferstehung vor der Bestrafung bewahrt werden.“[11]

Möge Allah uns alle zu den Knechten und Mägden machen, die dem Islam und den Menschen nutzen. Möge Er uns zu Schlüsseln für das Gute machen und zu Schlössern gegen das Schlechte. Amin

[1] Ibn Madscha, Muqaddima, 19.

[2] Al-i Imran (3):133

[3] Al-Baqara (2):148

[4] Al-Maida (5):2

[5] Tirmidhî, ’Ilm (Hinweis: Dieser und die meisten der folgenden Hadithe sind nicht aus dem arabischen Original übersetzt!)

[6] Ahmad, Musnad, V, 3883; Suyûtî, al-Luma’ fî asbâbi wurûdi’l-hadîth, S. 68.

[7] Muslim, Imâra, 133.

[8] Tirmidhî, Birr, 63.

[9] Muslim, Zuhd, 64.

[10] Tirmidhî, Qadar, 8.

[11] Abû Abdillah Muhammad b. Salâma al-Kudâî, Musnadu’sch-Schihâb, verifiziert durch Hamdî Abdulmadschîd as-Salafî, Beirut, 1985, II, 118.

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