Wissen&Tun

Veröffentlicht am 6. Juli 2018 | by mh-Redaktion

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Annäherung

Rüştü Aslandur

„Kurban“ bzw. „Qurban“ geht auf das Wort „qurbiyya“ zurück, was „sich annähern“bedeutet. So besitzt Kurban die gegenteilige Bedeutung von „Entfernung“ und „Entfremdung“.

Das Zeitalter, in dem sich der Mensch heute befindet, ist vielleicht die schlimmste Zeit der Entfremdung gegenüber seinem Schöpfer. Und Entfremdung führt in der Regel zu Unverständnis, Auseinandersetzung und Zerstörung.

Eine Entfernung des Menschen von Gott, dem Schöpfer, bedeutet zugleich eine Entfremdung von sich selbst und von seiner eigenen Natur (fitrah).

Allah, Der uns näher ist als unsere Halsschlagader (s. Koran 50:16) und uns stets begleitet, hat aus Seiner Nähe zu uns die letzte Offenbarung hinab gesandt, damit wir uns nicht von Ihm entfremden.

Der Koran ist die letzte Offenbarung Gottes. Er umfasst die Werte der gesamten Menschheit, führt zu Allah und verhindert die Entfremdung vom Schöpfer.

Kurban ist Annäherung an den Schöpfer. Nur wer zu dieser Erkenntnis gelangt, schließt Frieden mit Gott. Es wäre falsch, diese Perspektive zu vernachlässigen, die Lehren aus diesem Ereignis zu missachten und somit Kurban als das bloße Schlachten von Tieren zu betrachten.

Denn der Koran macht uns dies mit seinem unnachahmlichen Stil bewusst: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut werden Allah erreichen, aber Ihn erreicht die Gottesfurcht (taqwa) von euch …“ (22:37). Taqwa ist ein Ausdruck der Nähe zu Gott.

Falls man Kurban aus dieser Perspektive betrachtet, wird man Ibrahim, den Freund Allahs (khalilullah), seinen Sohn Ismail und seine Frau, Hadschar, bemerken. Jeder Mensch bringt Opfer für irgendetwas oder opfert sich für irgendeine Sache. Die Kernfrage ist demnach: Ist das, wofür ich mich opfere, es wert? Anders ausgedrückt: Kann etwas, für das ich mich aufopfere, so viel wert sein wie Gott? Wofür wir uns opfern, bestimmt also unseren eigenen Wert.

Der Gottesdienst des Kurban ist demnach die symbolische Darbietung des Gläubigen und die Festlegung, wie und mit was er sein Leben bewertet. Mit diesem Opfer befreit er sich gleichzeitig von allen Dingen, die ihn von seinem Schöpfer entfernen und entfremden.

Kann man sich vorstellen, was für ein Fest die Gläubigen feiern werden, wenn sie die Nähe zu ihrem Schöpfer spüren und wenn sie merken, dass sie sich mit der Darbietung ihrer Opfer von all ihren Fesseln befreit haben? Von diesem Blickpunkt und Verständnis aus wird das Opferfest ein ganz anderes Fest als eine Zusammenkunft, an dem Fleisch und Essen das zentrale Thema ist.


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