Projekte Ramadan, Iftar, Unterdrückung, Hunger, muslimehelfen

Veröffentlicht am 28. Mai 2015 | by Nadya

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Allein sein im Ramadan


Im  Ramadan kommen Familien zusammen. Sie genießen das fröhliche Miteinander und erfreuen sich des Beisammenseins. Umso trauriger klingen die Berichte vieler Muslime aus verschiedenen Teilen der Welt. Muslime werden auch und vor allem im Ramadan durch Armut, Hunger und Krankheiten geprüft. Doch weitaus schmerzhafter ist das Gefühl: allein zu sein.
805 Millionen Menschen hungern laut UN Bericht weltweit. Hinter dieser erschreckend großen Zahl verbergen sich Einzelschicksale. Menschen, die seit Jahren an Hunger, Krankheit und Armut leiden. Es sind Frauen, Witwen, die täglich alleine für ihre Kinder sorgen; aber auch die Alten und Kranken, die außer ihrem Bittgebet nichts haben.
Daneben sind es die Landwirte, die oft als einziger Ernährer der Familie verzweifelt mit dem Klimawandel kämpfen. Nicht selten schauen sie auf verfehlte Ernte.
All diese Menschen sind erschöpft und müde. Ihr Selbstzweifel wächst. Sie fühlen sich einsam und allein gelassen. Besonders stark wird dieses Gefühl im Ramadan.

Dieses Gefühl kennen auch die Menschen in Uganda. Immer noch leiden die Menschen an den Nachwirkungen der jahrzehntelangen Bürgerkriegen und Diktatorenherrschaften. Hinterlassen wurden viele Waisen, Alte und Kranke. All sie verbindet das Alleinsein. Sie haben niemanden, der sich um sie kümmert. Wenn sie bei Angehörigen Obdach finden, sind diese maßlos überfördert – finanziell und menschlich.

„Wir waren eine vergessene Gemeinschaft“ sagt Mwambazi Umali, 62 Jahre alt, aus Gulu, einer Stadt im Osten Ugandas. Überaus glücklich berichtet er über den Erhalt der Iftar-Pakete im Ramadan. Nicht nur der Hunger wurde gestillt, auch „unseren Glauben als Muslime hat es gestärkt“ schließt er seine Danksagung an die Spender ab.
Der Klimawandel macht es dem gebeutelten Land zusätzlich schwer. Ernten sind verdorben und Lebensmittel werden knapp. Teilweise sind diese dann unbezahlbar.
Im Ramadan spüren das die Menschen Ugandas  besonders stark.

„Die Hilfe kam zu einer Zeit, als wir sie am meisten gebraucht haben“ berichtet Ntumwa Nuhm, der Schuldirektor der Rabiha School in Bombo. Pünktlich zum Ramadan wurden Lebensmittel an die Schule geliefert. Für die Zukunft des sehr jungen Landes Uganda sind diese Schulen besonders wichtig. Die eifrigen Kinder der Rabiha School konnten sich so gestärkt und satt auf ihre Bildung konzentrieren.

Es sind Menschen wie Musa Bashirin und der 68-jährige Shafiq Sentam, die mit Freude die Moschee in Mpogo besuchen. Gemeinsam mit muslimehelfen öffnet das Mpogo Islamic Center im Ramadan Tür und Tor für jeden dem es an Essen zum Iftar fehlt.
Den ganzen Ramadan hindurch konnten wir unser Fasten brechen“ sagt Musa, während Shafiq Sentam hinzufügt: „Das hat vielen von uns Alten und Waisen geholfen, das Iftar zu genießen. Macht weiter so und möge Allah euch mit dem Besten belohnen.“

Ähnlich geht es Tchatagaba Ousmane aus der togolesischen Stadt Sokode. Nur dass er zusätzlich mit Blindheit geplagt ist. Der Ramadan war für ihn immer ein sehr schwerer Monat. Oft wusste er nicht, womit er das Fasten brechen sollte. Diese Sorgen gehören der Vergangenheit an. In den letzten Jahren freute er sich sehr über die Iftar-Pakete von muslimehelfen. Ihren aufrichtigen Dank möchte auch Nadou Adou aus Togo übermitteln. Sie möchte dafür danken, dass ihr durch die Spenden die Möglichkeit gegeben wurde fasten zu können. Für sie ist dies keine Selbstverständlichkeit. Sie ist 60 Jahre alt, ebenfalls blind und kennt das Gefühl allein zu sein. „Wir wurden in unserer Gemeinde nie berücksichtigt. Ihr seid also die ersten, die an uns denken.

Einige Kilometer von Afrika entfernt lebt Lateefa. Sie ist 52 Jahre alt und afghanischer Flüchtling in Pakistan. Viele Jahre der Angst und Ungewissheit hat sie hinter sich. Sie ist Witwe und versucht sechs Kinder zu ernähren. Ihr ältester Sohn schlägt sich als einfacher Arbeiter durch und unterstützt die Familie so gut er kann. Als Flüchtling ist dies nicht einfach. So bleiben oft nur versteckte und schlecht bezahlte Jobs für ihn übrig. Es gibt Zeiten, in denen er nur schwer eine Arbeit findet; im Ramadan gibt es gar keine. Umso größer ist die Sorge von Lateefa gewesen. „Aber Allah hat mir geholfen, indem Er euch geschickt hat. Ich danke euch für eure Fürsorge“. Auch Baseema, 47 Jahre alt, und ebenfalls als Flüchtling in Pakistan bedankt sich sehr für die reichlichen Spenden im Ramadan. Sie arbeitet und kümmert sich alleine um ihre drei Kinder. Ihr Mann ist vor einigen Jahren verstorben. Sie erzählt: „Niemand außer mir arbeitet für meine Kinder. Ich wasche Wäsche und Geschirr für andere, um Geld für meine Kinder zu verdienen. Ich bin euch für eure Unterstützung sehr dankbar.“

Diese Lasten müssen auch die Schultern von Astamirova Zulikhan tragen. Nachdem ihr Mann 2006 an Krebs starb, war sie auf sich allein gestellt. Ab sofort war sie für den Lebensunterhalt für sich und ihre zwei Kinder verantwortlich. Sie baute sich einen kleinen Gemüsegarten und versuchte etwas Gemüse für den Winter anzusparen.  Lange schwieg die schüchterne Tschetschenin um ihre harte Lage. Es fiel ihr schwer anderen von ihrem Leid zu erzählen. Sie wollte niemandem zur Last fallen. Eines Tages überwand sie sich und ersuchte die Unterstützung unseres Partners in Tschetschenien. „Ich habe Lebensmittel für den Ramadan bekommen. Das ist eine große Unterstützung für meine Kinder und mich“. In Tschetschenien ist nur selten ein normales Leben möglich. Geplagt von Kriegen und Unterdrückung sind Familien auseinandergerissen und soziale Strukturen nur selten erkennbar. Die Menschen fühlen sich übersehen und allein gelassen. In den bekannten Medien wird kaum bis gar nicht über ihr Leiden berichtet. Nur wenige Hilfsorganisationen trauen sich in diese Region. Timirov Abu Abu-Bakarovich würde sich zu gern selbst und anderen helfen. Jedoch sind ihm seine Hände gebunden. Er hat Krebs und kann nicht mehr arbeiten. Lange war er es gewöhnt selbst Geld zu verdienen und seine Familie zu versorgen. Bis zu dem Tag, als der Arzt Krebs diagnostizierte. Seine wenigen Ersparnisse und eine minimale Rente gibt er für die teuren Schmerzmittel aus. Für ihn ist die Hilfe im Ramadan besonders wertvoll. Es ist nicht nur der Hunger, der vergangen ist, sondern auch das Gefühl, allein zu sein. Nun fühlt er die Liebe und Fürsorge seiner Geschwister.

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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