Stilleben Winter, Menschlichkeit, Güte, charity, Kälte, muslimehelfen

Veröffentlicht am 13. Dezember 2012 | by Nadya

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90 Grad im Winter

Ruhig lag er da, seinem Schlaf ergeben. In gleichmäßigen Abständen hob und senkte sich ruhig seine Brust. Seine Gesichtszüge waren entspannt. Die Strapazen des vergangenen Tages sah ich ihm nicht an. Der Raum war angenehm warm, trotz all der großen Fenster, durch die sich langsam das Dämmerlicht ins Zimmer schummelte.

Ich weiß noch, wie erstaunt ich war, als ich ihn das erste Mal dort liegen sah. Auf dem Boden des Vorraumes dieser Bankfiliale. Eingehüllt in seinen Mumienschlafsack. Für einen kurzen Moment war ich irritiert. Es ist schließlich nicht alltäglich, dass jemand in einer Bank schläft. Ich wollte den jungen Mann nicht wecken. Deshalb war ich so leise, wie irgend möglich, erledigte, was ich dort zu tun hatte, und ging meines Weges.

Ein leichter Dreh um 90 Grad und keine halbe Stunde später ist es warm im Raum, verschlagen. Mit frisch aufgegossenem Tee sitze ich, eingekuschelt in eine flauschige Decke, auf der Couch und komme langsam zur Ruhe. Im Hintergrund läuft leise Musik. Der Tag zieht in Gedanken an mir vorbei. Der erste Schnee ist liegen geblieben. Von Bäumen und Dächern funkelt es weiß. Draußen klirrt die Kälte. In Häusern und Wohnungen, wie meiner, brummt die Heizung. Eine Wolke aus wohliger Wärme hüllt mich ein.

Der Winter kann etwas Romantisches haben. Das beweisen schon die niedlich hübschen Häuschen auf dem Weihnachtsmarkt, die sich dem Thema Märchen widmen. Sie vermitteln den Anschein einer perfekten Welt und erinnern mich an meine Kindheit. Im Winter denke ich immer an „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Die Sterntaler“. Ein kleines Mädchen, das nach und nach all seine spärliche Habe verschenkt, die nur aus den wenigen Kleidungsstücken besteht, die das Kind am Leib trägt. Am Ende wird es mit vom Himmel regnenden Sternen belohnt.

Auch wenn es für uns wohl keine Sterne regnen wird, sollten wir dennoch gerade in dieser Zeit auch an diejenigen denken, die kein warmes Zuhause haben. Wie der junge Mann in der Bank. Oder all die anderen, die kein Heim haben, keine Zuflucht. Die Menschen, die einfach zu arm sind, um sich warme Winterkleidung zu kaufen oder Brennholz gegen die Minusgrade.

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Über den Autor/en

Nadya

ist Ägyptologin, war im Fundraising und ist jetzt für Projektadministration zuständig, interessiert sich für Menschen und Kulturen, Sprachen und Geschichte. Sie beobachtet gerne ihre Umwelt und versucht das Geschehen um sie herum von einem anderen Standpunkt aus zu sehen.



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